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Aktuell Leserbrief

»Mehr Raum für Zwischentöne«

Zum Kommentar »Es ist Drecksarbeit« vom 20. Juni (per E-Mail)

Die Wortwahl von Friedrich Merz – »Drecksarbeit, die Israel für uns alle macht« – hat mich persönlich sehr irritiert. Der Kommentar im GEA greift diesen Satz auf, ordnet ihn ein – und kommt zu dem Schluss: Merz bringt es auf den Punkt. Ich sehe das anders. Natürlich ist die Lage im Nahen Osten komplex, und das iranische Regime gibt allen Anlass zur Sorge. Aber militärische Handlungen, die außerhalb des Völkerrechts stehen, mit dem Verweis auf »Selbsterhaltungstrieb« zu rechtfertigen – das halte ich für einen gefährlichen Weg.

Was mich besonders stört: Die Merzsche Wortwahl ist nicht nur politisch fragwürdig – sie wirkt auch sprachlich völlig deplatziert. Sie erinnert eher an die raue Logik eines Mafiafilms als an das Amt eines Bundeskanzlers. Von einer verantwortungsvollen Führungspersönlichkeit erwarte ich eine andere Tonlage.

Ein Kommentar darf und soll Position beziehen. Aber vielleicht braucht es gerade in diesen aufgeladenen Zeiten mehr Raum für Zwischentöne – und weniger für Formulierungen, die schon im Klang nach Frontlinie und nach Einschüchterung klingen. Die Nähe zu Trump scheint Friedrich Merz jedenfalls nicht gutzutun.

 

Michael Sättler, Eningen