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Aktuell Leserbrief

»Kinder werden stehen gelassen«

Busverkehr – aktuelle Situation im Ermstal (per E-Mail)

Ich schreibe diesen Leserbrief nicht nur als besorgter Bürger, sondern vor allem als Vater einer Schülerin und eines Schülers, die täglich auf den Bus angewiesen sind. Die aktuelle Situation im Ermstal – insbesondere auf den Linien Richtung Metzingen, Glems, Eningen und Reutlingen – hat sich in den letzten Wochen so massiv verschlechtert, dass ich die Öffentlichkeit darüber informieren möchte.

Natürlich ist mir bewusst, dass derzeit aufgrund der Bauarbeiten ein Schienenersatzverkehr (SEV) eingerichtet ist und dadurch im gesamten regionalen Verkehr zusätzliche Belastungen entstehen. Dennoch ist wichtig festzuhalten, dass die geschilderten Probleme nicht erst seit dem SEV auftreten. Viele der Missstände bestehen seit Monaten – teilweise sogar seit Jahren – und wurden durch den Ersatzverkehr lediglich verstärkt. Daher halte ich es für notwendig, die Öffentlichkeit darüber in Kenntnis zu setzen, dass es sich um strukturelle Probleme handelt, die unabhängig vom SEV bestehen.

Ein besonders gravierendes Beispiel betrifft die Linie 100, die speziell für Schülerinnen und Schüler der Schillerschule, die nach Neuhausen-Hardtsiedlung beziehungsweise Glems gelangen müssen, denjenigen Weg darstellt, mit dem sie direkt nach Hause gelangen können, ohne verlängerte Wartezeiten oder zusätzliche Umwege in Kauf nehmen zu müssen. Gerade für diese Kinder ist die Linie 100 üblicherweise die Verbindung, auf die sie angewiesen sind, um zeitnah nach Unterrichtsende nach Hause zu kommen.

Der Bus ab der Haltestelle Freibad in Dettingen fährt jedoch täglich um 15.32 Uhr. Die Schillerschule endet laut Stundenplan um 15.30 Uhr. Diese zeitliche Planung ist für die Schüler schlicht unzumutbar. In der Praxis bedeutet das sogar, dass viele Lehrer die Kinder regelmäßig ein paar Minuten früher aus dem Unterricht entlassen müssen, damit sie überhaupt eine Chance haben, den Bus rechtzeitig zu erreichen. Dieses Entgegenkommen der Lehrer ist aus meiner Sicht sehr lobenswert, und an dieser Stelle möchte ich auch meinen Dank an die Schillerschule für ihr Verständnis und ihre Unterstützung aussprechen. Trotz dieser Unterstützung müssen die betroffenen Schüler oft im Lauftempo zur Haltestelle rennen, um den Bus überhaupt noch zu erreichen. Viele verpassen ihn um wenige Sekunden – und stehen dann vor einer Wartezeit von bis zu einer Stunde.

Seit geraumer Zeit erleben wir zudem immer wieder dasselbe Bild: überfüllte Busse, die bereits an vorherigen Haltestellen so voll sind, dass zahlreiche Kinder der Schillerschule gar nicht mehr mitgenommen werden. Meine beiden Kinder und viele ihrer Mitschüler wurden mehrfach abgewiesen, weil der Bus überfüllt war. Diese Kombination aus viel zu knapp kalkulierten Abfahrtszeiten, regelmäßig überfüllten Bussen und mangelnder Kommunikation bei Ausfällen oder Verspätungen ist aus Sicht vieler Eltern längst nicht mehr akzeptabel.

Wir fragen uns: Warum passt man die Abfahrtszeit der Linie 100 seit Jahren nicht an den tatsächlichen Schulschluss an? Wie kann es sein, dass Schüler rennen müssen, um überhaupt eine Chance auf eine Heimfahrt zu haben? Weshalb wird keine Kapazitätserweiterung oder kein Verstärkerbus organisiert?

Ich appelliere eindringlich an die zuständigen Behörden, an die Verkehrsplanung und an das verantwortliche Busunternehmen: Bitte handeln Sie endlich. Unsere Jugendlichen brauchen eine sichere, planbare und zumutbare Beförderung – ohne Stress, ohne Hetze und ohne das Gefühl, regelmäßig im Stich gelassen zu werden.

 

Andreas Röcker, Neuhausen