Vergangenen Samstag hat C. Heinrich Winter in seinem Leserbrief darauf hingewiesen, dass die Regionalstadtbahn auf den bestehenden und planfestgestellten Trassen an der Panoramastraße in kurzer Zeit und mit vergleichsweise wenig Aufwand in Betrieb gehen könnte. Dem schließe ich mich vollumfänglich an!
Bei einer innerstädtischen Trassenführung durch Garten- oder Lederstraße müssten wir uns auf eine mindestens zehnjährige Dauerbaustelle mit Lärm, Dreck und Umleitungen einstellen, wie dies derzeit die Stuttgarter mit ihrem schönen neuen Bahnhof erleben. Die zeitliche und finanzielle Planung würde wie bei allen größeren Projekten mit Sicherheit nicht eingehalten und mit einem finanziellen Desaster für die Stadt enden. Niemand will dies wirklich!
Wir sollten uns auch über das Ziel der Regionalstadtbahn klar werden. Wir können doch keine kleinteilige Kurverei durch die Stadt mit einer Bahn wollen, die bis zu 100 km/h schnell fahren kann, nur damit jemand damit vom Amtsgericht zum Burgplatz fahren kann!
Die Bahn soll vielmehr als Regionalbahn das obere Echaztal mit Pfullingen, Unterhausen, Honau bis Engstingen erschließen und dabei Anschluss nach Münsingen, Trochtelfingen und Gammertingen bieten. Dazu muss die Bahn schnell die Entfernungen überwinden und nicht alle paar hundert Meter anhalten müssen. Nur so können wir die Leute auf die Schiene locken. Daher sollten wir zuerst die Strecke vom Hauptbahnhof zum Südbahnhof zweispurig wieder herrichten. Das kann praktisch sofort in Angriff genommen werden, da die Pläne stehen und die Ausschleifung vom Hauptbahnhof unter der Karlstraße durch bereits perfekt vorliegt. Die Restaurierung der weiteren Streckenführung talaufwärts sollte je nach finanziellen Mitteln ebenfalls so schnell wie möglich begonnen werden.
»Was soll ich mit einer Bahn, die weit weg vom Stadtzentrum fährt«, höre ich manchen fragen. »Man darf die Bahn nicht überfordern, für kurze Innenstadtfahrten ist sie nicht geeignet«, sage ich denen. Stattdessen kann man mit einer Ringbuslinie, die mit elektrischen Bussen vom Hauptbahnhof, Gartenstraße, Burgplatz, Lederstraße und Tübinger Tor im Zehn-Minuten-Takt fährt, den kleinteiligen Verkehr abdecken (»Nordbusring«). Lässt man den Ringbus abwechselnd im und gegen den Uhrzeigersinn fahren, dann kommt man an jedes Ziel der Strecke in wenigen Minuten. Ein Fahrplan wäre überflüssig, da alle zehn Minuten ein Bus fährt.
Ergänzend könnte man mit einem »Südbusring« vom Südbahnhof die südliche Stadthälfte abdecken und am Burgplatz eine Umsteigemöglichkeit vom »Nordbus« in den »Südbus« bieten.
Ich bin der Meinung, dass man mit dieser Vorgehensweise das endlose Planungsverfahren verlassen und rasch etwas auf die Beine stellen und zeigen kann, dass es in diesem Land doch noch voran geht!
Dr. Thomas Steinmayer, Reutlingen
