Nun steht also mit Mehrheitsbeschluss des Gemeinderats fest, dass im Gewerbegebiet Braike-Wangen ein Parkhaus samt Bürogebäude von der Motorworld GmbH gebaut werden darf.
Das hat alles seine Vorgeschichte. Zum einen, dass es die Stadtverwaltung jahrelang nicht geschafft hat, aus einem Aufstellungsbeschluss (2006) auch einen Satzungsbeschluss für eine Bebauung dieses wertvollen Geländes hinzukriegen. So operierte man zunächst mit sogenannten vorhabenbezogenen Bauplänen und bedachte nicht ausreichend, dass diese nun mal nicht immer so funktionieren. So fiel das Gelände 2017 schließlich in den Besitz der Motorworld GmbH, die für Events in ihren attraktiven Locations und für ein zukünftiges Hotel mehr Parkplätze braucht.
Laut einer Analyse des Stadtentwicklungsbüros Reschl vom Dezember 2023 besteht aber auch Flächenbedarf von Metzinger und auswärtigen Unternehmen. So gezeigt und diskutiert bei der Gemeinderatssitzung im Januar 2024. Diese Unternehmen würden auch qualifizierte Arbeitsplätze für Handwerker, Techniker und Ingenieure bieten können. Jetzt entsteht hier eben nur ein Parkhaus, ohne qualifizierte Arbeitsplätze.
Besonders interessant ist auch dieser Punkt: Ein Argument, das neue Ganzjahresbad nicht auf Braike-Wangen zu bauen, war, dass es hier nicht genügend Flächen für Parkplätze geben würde. Schließlich bräuchte man den Platz in diesem Gebiet für Handwerks- und Industriebetriebe. Aber jetzt wird ein Parkhaus für 536 Pkw auf einer Fläche von 5.000 Quadratmetern gebaut. Am geplanten neuen Ganzjahresbad Bongertwasen verbraucht man für 247 Pkw-Stellplätze eine Fläche von circa 7.000 Quadratmeter. So greift der Flächenfraß in Stadt und Land weiter um sich, immer zulasten von Natur und Landschaft mit all seinen Folgen.
Ebenso interessant ist die nun erlaubte Bauhöhe von 15,5 Metern für das neue Motorworld-Parkhaus. Dieser Punkt hat im Gemeinderat doch einige Diskussionen ausgelöst und wurde mit einer 3-D-Animation anschaulich dargestellt. Das neue Parkhaus wird in dieser Umgebung anderer Gewerbebauten das Erscheinungsbild kaum stören. Also wirklich nicht weiter aufregend. Viel aufregender ist dagegen, dass das neue Ganzjahresbad im Bongertwasen an der Ecke Auchtertstraße/Frauengrund eine Bauhöhe von 18,5 Metern, plus maximal 2 Meter für technische Dachaufbauten, erreichen darf. Dieses große Gebäude wird das freie Landschaftsbild somit massiv stören und die Metzinger Landmarke Bongertwasen gut sichtbar für immer zerschneiden. Denn es gibt ja nicht nur den Blick vom neuen Bad auf den Weinberg, sondern auch vom Weinberg auf das neue Bad.
Warum liegt hier bis heute keine 3D-Animation für die Öffentlichkeit vor? Dazu wäre in der Gemeinderatssitzung vom 20. Februar 2025 bei der Vorstellung des Bebauungsplanes eine gute Gelegenheit gewesen. Die im Mai 2024 präsentierten Modelle und die öffentlich zugänglichen Bauplanskizzen vom Februar 2025 machen die tatsächliche Bauhöhe des neuen Hallenbades für die Bürgerschaft auf jeden Fall nicht transparent. Um die Bauhöhe zu ermitteln muss man umständlich erst auf eine topographische Karte zurückgreifen. Bürgernah ist das nicht.
Dr. Andreas Weber, BUND-Gruppe Metzingen im BUND Kreisverband, Metzingen
