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Aktuell Leserbrief

»Künftig bitte Unterstützung mit Vernunft«

Zum Leserbrief »Ohne Verzicht wird es nicht gehen« vom 18. November (per E-Mail)

Zum Verzichten, damit es anderen besser geht, lässt fragen: Wer verzichtet, für wen und warum. Es wird gefordert, geringe Renten bei Erhöhungen stärker zu berücksichtigen. Doch Rentenhöhe ist meist eine Folge persönlicher Lebensentscheidungen und nicht von unabwendbaren Schicksalsschlägen. Wer wenig gearbeitet hat aufgrund eigener Lebensphilosophie oder mangels Notwendigkeit durch anderweitig vorhandene Absicherung, benötigt nicht die Unterstützung und Verzicht durch die restlichen Rentner. Bei unverschuldeten Umständen leistet der Staat Sozialhilfe/Grundsicherung. Diese Verpflichtung hat der Staat und es braucht keinen moralischen Appell an Bezieher hoher Renten.

Laut Minister Klingbeil stehen wir im Beruf, »arbeiten hart und halten das Land am Laufen«. Doch mit Renteneintritt werden wir auf wundersame Weise zur kostenintensiven Existenz, die die Leistungsfähigkeit des Sozialstaates gefährdet. Warum dieses Rentner-Bashing?

Für circa 21 Millionen Rentner zahlt der Staat jährlich rund 121 Milliarden Euro Zuschuss in die Rentenversicherung. Für etwa 1,41 Millionen Pensionäre (Stand Ende 2024) leistete der Staat ungefähr 90 Milliarden Euro an Altersbezügen/Hinterbliebenenzahlungen. Dies steht in keinem Verhältnis, veranlasst Pensionäre aber oft reflexartig zur Erwiderung »Neiddebatte«. Nein, ist es nicht. Es sind Tatsachen. Das muss man nicht totschweigen und die Rentner der gesetzlichen Rentenversicherung als Wurzel allen Übels identifizieren. Und wehe, der Rentner ist auch noch kinderlos, dann hat er den größtmöglichen sozial-ökonomischen Sündenfall begangen.

Die Mittel des Staates sind logischerweise nicht unbegrenzt und man macht uns tagtäglich mit der Tatsache vertraut, dass es so nicht weitergehen kann. Doch vermittelt man das auch der restlichen Welt, in die man unsere Milliarden transferiert? Auch das darf nicht so weitergehen, deswegen künftig bitte Unterstützung mit Vernunft. Auch dem Staat wird ein gesunder Selbsterhaltungstrieb nicht schaden.

Man sieht, wie es um Deutschland steht und dass in der langen Zeit der Groko weder Infrastruktur modernisiert noch die Sozialsysteme reformiert wurden. Trotzdem sind keine Rücklagen da. Wir erwachen gerade aus der Lethargie, in welche wir durch »Mutti« und »Sie kennen mich« gefallen sind. Jetzt erklärt man uns, wir seien für den Staat zu teuer, man müsse sparen. Doch da kommen große Zweifel auf, wenn man an die geplante Überschuldung für Rüstung denkt. Da wird viel herbeigeredet und hochgekocht, sowohl durch die Politik, als auch die Medien. Anstatt uns einzureden, der Russe stünde übermorgen schon an der Grenze, besser in die junge Generation investieren durch sichere Arbeitsplätze, kostenfreie Kitas, Umweltschutz und Bildung. Wir sind keine Lemminge. Wir haben die Möglichkeit, vor der Klippe noch umzukehren. Haben wir dazu Verstand und Mut!

 

Birgit Czerwinski, Metzingen