Das Interview von Frau Katharina Link mit Andreas Stoch, dem Vorsitzenden der SPD Baden-Württemberg und Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt bei der in circa acht Monaten stattfindenden neuen Wahl in Baden-Württemberg war sehr breit angelegt und aufschlussreich.
Zwei Punkte möchte ich erwähnen, von denen ein Punkt angesprochen, der andere jedoch total weggelassen wurde, der für mich jedoch von besonderem Interesse ist – nämlich die Stellung von Herrn Stoch heute zu der verbindlichen Grundschulempfehlung. Ich möchte doch hier erwähnen, dass es gerade Herr Stoch war, der vor circa zehn Jahren als Kultusminister in übertriebener Eilfertigkeit die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft hat.
Die Grundschulempfehlung war bis dahin die Hürde, die Baden-Württemberg im bundesweiten Ländervergleich in der gesamten Schulausbildung mit Bayern zusammen auf Platz 1 gebracht hat. Nach Abschaffung dieser Einrichtung sind wir in ein Mittelmaß zurückgefallen, das dem Industriestandort Baden-Württemberg nicht mehr gerecht wird.
Gleichzeitig wurden die Anforderungen in den Gymnasien beziehungsweise Oberschulen gesenkt, sodass man mit deutlich weniger Anstrengung das Abitur und damit die Studierfähigkeit erreicht hat. Ergebnis dieser Entscheidung war, dass wir heute anzahlmäßig deutlich mehr Studenten haben, aber für die wirtschaftlichen und wohlstandssichernden MINT-Fächern stückzahlmäßig weniger Studierende haben als zuvor. Eine ganz gravierende Fehlentscheidung seinerzeit von Herrn Stoch.
Meines Erachtens wäre es richtig gewesen, den Auszubildenden und Arbeitenden in den Handwerks- und Industriebetrieben mehr Achtung und Wertschätzung für ihre Leistungen entgegen zu bringen. Zwischenzeitlich hat sich hier etwas bewegt und der Meistertitel wurde dem »Master« geleichgestellt. Ein kleiner Anfang? Denn ohne diese Mitarbeiter in den Handwerks- oder Industrieberufen werden wir den Anschluss an andere Länder nicht erreichen und auch die Klimawende nicht schaffen. Denn die Klimawende erreicht man nicht durch Worte, sondern mit harter Arbeit!
Der zweite Punkt, der mich stört, ist seine Einstellung zur AfD. Wohlgemerkt, ich bin weder AfD-Anhänger noch -Wähler, jedoch glaube ich, dass ich ein aufrechter Demokrat bin. Die Aussage, die AfD sei »eine Partei, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextreme eingestuft« habe, ist für mich als Demokraten eine Aussage, die äußerst bedenklich ist. Man muss wissen, dass der Bundesverfassungsschutz dem Innenministerium und damit der ehemaligen Innenministerin Nancy Faeser unterstanden hat und damit weisungsgebunden war. Kein führender Mitarbeiter des Verfassungsschutzes würde sich daher erlauben, eine gegensätzliche Meinung zu Nancy Faeser zu vertreten. Zu erwähnen ist auch, dass Frau Faeser schon einmal eine ähnliche politische Entscheidung getroffen hat, die dann vor Gericht total zurückgewiesen wurde. Deshalb gehen auch die verbleibenden Politiker sehr vorsichtig mit dem Thema des Verbots der AfD um, da der Boden für eine Entscheidung sehr, sehr brüchig ist.
Ansonsten kann ich dieses Interview nur loben, sehe für mich jedoch aus den genannten Punkten keine Chance für ein gutes Abschneiden von Herrn Stoch.
Dipl-Ing. Klaus Menton, Reutlingen
