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Aktuell Leserbrief

»Grüne Fläche, graue Zukunft«

Amazon-Ansiedlung in Hengen (per E-Mail)

Wer noch immer behauptet, der Bebauungsplan »Rübteile 2« habe nichts mit dem Verkauf von 4,5 Hektar Fläche und Amazon in Hengen zu tun, handelt nicht ehrlich. Der Plan ist auf Amazon zugeschnitten, was jedem aufmerksamen Zuhörer schnell klar wird.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Rebmann, ersparen Sie uns symbolische Gesten wie das Singen des Heimatlieds, während Tatsachen verschwiegen und Bürger getäuscht werden. Wer so handelt, verliert das Vertrauen!

Seit ich mich erinnern kann, wurde auf dieser Fläche Dinkel, Weizen, Gerste, Raps, Kartoffeln, Blühstreifen, Mohn, Färberwaid und Quinoa angebaut. Sie ist wertvoller Ackerboden und Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Dieser wird unwiederbringlich zerstört. Die Ökopunkte ersetzen diesen Lebensraum nicht.

Mindestens 95 Prozent der Fläche soll versiegelt werden und einem Gebäudekomplex weichen, der das Landschaftsbild dann prägen wird. Die Fläche ist dann für immer verloren. Wertvolle Pachtflächen für Landwirte werden reduziert – zugunsten eines internationalen Konzerns. Zusätzlich zu Rübteile 2 schreitet die Flächenneuinanspruchnahme durch weitere Projekte voran (Radweg, Bebauung Turnhallenplatz, Neubaugebiet, Windkraftanlagen mit Zuwegungen). Fläche ist eine endliche Ressource. In Deutschland werden täglich 52 Hektar versiegelt (2022). Der Flächenverbrauch schadet Umwelt, Klima und Artenvielfalt.

Der kurzfristige Gewinn durch Amazon steht einem fragwürdigen langfristigen Nutzen entgegen. Im Amazon-Zentrum wird nichts produziert, keine lokale Wertschöpfung erzielt. Es fördert nur den Online-Konsum – mit Nebenwirkungen wie Leerstände in den Innenstädten, Retouren Vernichtung, Verkehr, Lärm, Luftverschmutzung.

Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und kaum nachhaltige Jobs sind bekannt. Die Nachteile überwiegen – für Hengen und die Region.

Die Haltung der mutigen SPD bei der Abstimmung 2024 verdient Anerkennung. Unverständlich bleibt das Verhalten der GAL, die dem Plan zustimmte. Der Vorschlag von Martina Kübler (CDU), Dachbegrünung zu fordern, wurde abgelehnt – auch von den Grünen. Dabei ist das ein »urgrünes« Thema.

Ich wünsche mir einen Blick über die Stadtgrenzen und mehr Interesse an den Anliegen der Teilorte, besonders jetzt in Hengen. Es ist fünf vor zwölf – doch es ist noch nicht zu spät, dieses Projekt zu stoppen. Eine Amazon-Ansiedlung passt nicht in ein Biosphärengebiet, das Natur und nachhaltige Entwicklung schützt. Wir brauchen dieses Logistikzentrum nicht – und wir müssen es nicht akzeptieren. Andere Gemeinden haben aus guten Gründen Anfragen abgelehnt.

Ich appelliere an die Stadträte, sich bei der Abstimmung am 24. Juni 2025 gut zu überlegen, wie sie entscheiden. Können Sie Ihre Entscheidung gegenüber Bürgern, Natur, Klima und Zukunft vertreten?

Wir – engagierte Bürger – werden bei der Sitzung anwesend sein. Wir nehmen unsere Rechte wahr, lassen uns nicht mundtot machen und wehren uns gegen dieses Vorhaben.

 

Ulrike Federmann, Bad Urach-Hengen