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Aktuell Leserbrief

»Feuerwerksverbot – und dann?«

Silvester (per E-Mail)

Wie seit ein paar Jahren laufen Verbände, verstärkt auch die Polizeigewerkschaft, Sturm wegen des Abbrennens von privatem Feuerwerk zu Silvester. Auf den ersten Blick kann man die Argumente nachvollziehen, doch der zweite Blick ist bedeutender und nirgends im Fokus.

Immer mehr Menschen kämpfen mit Inflation, Jobverlust, Zukunftsängsten, auch Frustration bis hin zur Radikalisierung. An Silvester ist die Böllerei – habe ich früher bis Corona auch gerne getan, etwas für die innere Freude und wird als Freiheit und Tradition empfunden. Kurzum: Es ist etwas Schönes, denn sonst würde nicht so viel Geld ausgegeben.

Ich will das damit nicht gesundbeten, was da an Unfug von einer absoluten Minderheit in der Anonymität der Großstadt bis zur Straftat von Zündlern gemacht wird, die Freiheit mit Rücksichtslosigkeit verwechseln. Doch – und jetzt kommt das Aber: Ein Wegnehmen des privaten Feuerwerks würde in den Menschen eine tiefe Frustration auslösen.

In einem meiner Leserbriefe hatte ich schon die intensive Hoffnung bekundet, dass die Koalition die nächsten vier Jahre hält. Wenn die Leute nicht mehr schießen dürfen, würden diese Kreise zunehmend rebellisch und frustriert. Falls die Koalition für 2027 ein Verbot ausrufen sollte, würde sie das Zuspruch zur nächsten Wahl kosten und sie sollte sich das gut überlegen, denn so klein ist die Gemeinschaft der privaten Feuerwerker nicht.

Feuerwerk ist für viele vernünftige Menschen ein Ventil für eine positive halbe Stunde plus die Freude darauf ab dem Einkauf. Also liebe Gewerkschaften, lasst dem Affen die Banane und er ist glücklich, denn Verbotspolitik und alles was stört, war noch nie gut für ein positives Miteinander zwischen Wählerschaft, Koalition und Regierungsarbeit.

Der Verweis auf öffentliche Feuerwerke ist Mist, denn gerade Stuttgart – chronisch klamm – hatte das Feuerwerk vor einigen Wochen abgesagt. Und zu glauben, dass der Kauftourismus nach einem Verbot und die einhergehenden Straftaten mit frisierten Böllern aus Polen aufhören würde, wäre naiv.

Silvester würde überwiegend sehr still und farblos werden und das wäre nur die äußere Betrachtung. Die Innere hatte ich gerade beschrieben.

 

Joachim Steinmaier, Dettingen