Radfahrer haben sich bei der feierlichen Radwegeröffnung an der L 230 laut GEA-Bericht nicht sehen lassen. Ja, warum wohl? Abgesehen vom schlechten Wetter gelangt man als Radler aus dem Tal nur dann hinauf zu dem neuen Radweg, wenn man sportlich und wagemutig ist – oder das Velo im Auto auf die Alb transportiert, wie es vermutlich die Prominenz bei der Eröffnung getan hat.
Denn derzeit kommt man mit dem Rad nur ganz schlecht dorthin: Der Radweg Honau-Traifelberg ist aktuell gesperrt, weil dort wegen Bauarbeiten auf der Honauer Steige Linienbusse verkehren. Die Göllesberg-Steige ist seit Jahren wegen drohender Felsstürze geschlossen; es bleibt nur die Bergzeitfahrstrecke ab Unterhausen zum Kalkofen und weiter westlich die Steige von Gönningen zur Rossbergwiese. Die Steilstrecke zwischen Holzelfingen und Unterhausen ist alles andere als ein sicherer Radweg.
Eine Fahrradmitnahme im Linienbus zum Traifelberg, nach Engstingen oder Genkingen ist nur für Sommersonntage vorgesehen – ein unbegreifliches Manko, denn in Bad Urach funktioniert’s, da fährt täglich und stündlich der X2 mit Fahrradmitnahme nach Münsingen.
Was ich in dem ansonsten sehr ausführlichen GEA-Beitrag vermisst habe, war ein Hinweis auf den fehlenden Lückenschluss zwischen Abzweig Lichtenstein und Traifelberg. Derzeit endet der neue Radweg nämlich gleich hinter der Stelle, wo die Eröffnung gefeiert wurde: Nach Querung der Straße landet man auf dem alten Weg, der als Wald- und Feldweg nördlich der L 230 über die Anhöhe zum Traifelberg führt. Dort muss man weiterhin durch Schotter, Löcher und Pfützen rumpeln – es ist zu hoffen, dass der fehlende Anschluss in Bälde gebaut wird. Oder gilt der feierlich eröffnete neue Radweg nun als »fertig«? In diesem Fall wird er nur als touristisches Angebot taugen, nicht aber als echte Alltagsverbindung.
Zu feiern gab es in Sachen Radverkehr auf der Reutlinger Alb also nicht viel. Vielleicht nächstes Jahr? Wir wollen es hoffen.
Susanne Eckstein, VCD Kreisgruppe Reutlingen
