Logo
Aktuell Leserbrief

»Ehrenamt ist das Fundament«

Zum Kommentar »Der Blick muss nach oben gehen« vom 19. Mai (per E-Mail)

Der Kommentar von Manfred Kretschmer zum SSV Reutlingen enthält zahlreiche verkürzte Darstellungen und bedarf einer klaren Einordnung. Vor allem die Behauptung, der Gesamtetat des Vereins habe die Eine-Million-Euro-Marke überschritten, erzeugt ein irreführendes Bild. Diese Zahl bezieht sich auf die Gesamteinnahmen des Fußball e. V. – also auf sämtliche Aktivitäten, vom Ticketing über Sponsoring, Catering und Events bis hin zu Mitgliedsbeiträgen, den Fußballcamps und der SSV Akademie.

Der Etat für den Spielbetrieb in der Oberliga liegt lediglich bei einem Bruchteil dieser Summe. Wer hier suggeriert, als verfüge man für die Kaderplanung über einen üppigen Profietat, verzerrt die Realität. Eine solche Darstellung schadet letztlich dem Verständnis dafür, wie moderne Vereinsarbeit beim SSV aktuell tatsächlich funktioniert.

Mit Verlaub: Der SSV Reutlingen ist kein Profiklub – und es wäre auch falsch, ihn aktuell so zu behandeln. Wir haben ambitionierte sportliche Ziele, ja. Aber wir wissen genau, was realistisch ist – und was es braucht, um solide dorthin zu gelangen. Wer mehr Training und gleichzeitig höhere Gehälter fordert, ignoriert nicht nur wirtschaftliche Zusammenhänge, sondern auch das Fundament, auf dem dieser Verein steht: das Ehrenamt. Denn fast alles, was beim SSV Reutlingen tagtäglich geleistet wird – ob in der Organisation, im Nachwuchs, im Spielbetrieb, in der Medienarbeit oder im Fanservice – geschieht hauptsächlich durch engagierte Ehrenamtliche, die ihre Zeit, ihr Know-how und ihr Herzblut für diesen Verein geben. Ohne sie wäre der Betrieb schlicht nicht möglich. Wer also vom »nächsten Schritt« spricht, sollte vorher zur Kenntnis nehmen, auf wessen Schultern der bisherige überhaupt erst steht.

Die Entwicklung des SSV basiert auf Verantwortung, nicht auf Wunschdenken. Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Kurzfristiger Aktionismus und Druck von außen haben den Verein nie vorangebracht – im Gegenteil. Heute verfolgen wir einen klaren, langfristig angelegten Plan: Wir arbeiten strukturell, wir wachsen organisch, wir setzen auf Substanz statt Überschrift.

Und wir lassen uns dabei nicht beirren. Der SSV Reutlingen entwickelt sich weiter – im eigenen Tempo, mit klarem Blick und mit einer Haltung, die sich nicht von jedem Kommentar aus der Bahn werfen lässt.

 

Sascha Schneider, Vorsitzender SSV Reutlingen 1905 Fußball, Reutlingen