Eine der wichtigsten Hauptursachen für Antibiotikaresistenzen wurde in diesem Artikel nur flüchtig erwähnt, als Sarah Knorr schreibt, dass der Antibiotikaverbrauch bei Mensch und Tier »besser überwacht werden soll«. In der industriellen Tierhaltung für Fleisch, Milch und Eier setzen sowohl Großbetriebe als auch kleine »Familienbetriebe« aus wirtschaftlichen Gründen standardmäßig Antibiotika ein, damit die Tiere schneller wachsen und in den meistens völlig überfüllten Ställen nicht krank werden. Stress, Qualzucht und unhygienische Bedingungen sowie schädliche Gase durch Kot und Urin sorgen dafür, dass sich Krankheiten rasend schnell ausbreiten können. Durch Mangel an frischer Luft leidet ein Großteil der »Nutztiere« an Lungenentzündungen. Damit die Tiere überhaupt bis zu ihrer Schlachtung »durchhalten«, werden ihnen teils mehrfach in ihrem Leben Antibiotika verabreicht. Je öfter ein Körper mit Antibiotika in Berührung kommt, desto besser sind die Bedingungen für die Entwicklung einer Resistenz. Diese Resistenzen können nicht nur unter den Tieren weitergegeben werden, sondern natürlich auch an Menschen und außerdem durch Gülle oder Abwässer in unsere Umwelt gelangen. Im Jahr 2021 wurden allein in Deutschland 601 Tonnen Antibiotika an Schweine, Puten, Hühner, Rinder und andere Tiere verabreicht, darunter auch Mittel, die in der Humanmedizin eingesetzt werden. Selbst sogenannte Reserveantibiotika, die als letzte Option genutzt werden können, wenn andere Präparate nicht mehr wirken! Der Umstieg auf eine tierlose Landwirtschaft würde Hunderten Millionen Tieren das Leben in einer qualvollen Umgebung ersparen und dafür sorgen, dass Hunderte Tonnen Antibiotika eingespart werden können. Leider setzt die Politik hier die falschen Signale. Landwirtschaftsminister Alois Rainer setzt weiter auf Billigfleisch. Wir zahlen den wahren Preis, mit unserer Gesundheit, Umweltzerstörung und Folgen der Klimakrise. Durch ökologische und gesundheitliche Folgekosten der Fleischproduktion werden Wirtschaft, Sozialversicherungen und Steuerzahler jedes Jahr mit Milliarden belastet. Aber solange Rainers Parteichef Söder bei jeder Gelegenheit in seine Leberkässemmel beißt, scheint das ja alles in Ordnung zu sein ...
Ines Stautner, Tübingen
