Herzlichen Dank an die beiden Leserbriefschreiber Martin Brenner und Dr. Hermann Mezger. Herr Brenner erwähnt sein Umdenken bezüglich der israelischen »Verteidigungspolitik«. Es ermutigt und beruhigt mich sehr, dass es solche Menschen gibt, hoffentlich werden es immer mehr.
Beide Leserbriefschreiber beschreiben das Elend der Palästinenser und verurteilen das Vorgehen Israels. Kritisieren aber auch, dass wir uns dem Vorgehen der israelischen Regierung nicht mehr entgegenstellen.
Wenn wir uns vor 80 bis 85 Jahren an den Juden versündigt haben, dann bedeutet dies noch lange nicht, dass wir jetzt den Genozid an den Palästinensern akzeptieren müssten. Ganz im Gegenteil. Wenn wir uns nicht erneut hätten schuldig machen wollen, dann hätten wir schon seit Langem Israel gegenüber hart auftreten müssen. Nun ist es fast zu spät.
Wie schon von Dr. Metzger erwähnt, sagte der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant 2023: »Wir kämpfen gegen menschliche Tiere und wir handeln dementsprechend.« Sollte uns das nicht noch mehr an die Nazis erinnern, als die AfD?
Der Konflikt geht schon auf die Gründung Israels 1948 zurück. Spätestens seit damals wurden Palästinenser unablässig vertrieben, umgesiedelt, als Menschen zweiter Klasse behandelt, und so weiter. Die in den Gazastreifen umgesiedelten Menschen mussten wie in einem Gefängnis leben, die Palästinenser im Westjordanland wurden von bewaffneten Siedlern, mit Absicherung durch das israelische Militär, immer weiter verdrängt.
Tausende Palästinenser mussten schon früher ihr Leben lassen. Allein in dem kleinen Zeitraum zwischen 2008 und 2024, ohne Gaza Oktober 2023 bis Dezember 2024, waren es 7.240 (Quelle: Statista). Und wir wundern uns, wenn dadurch Hass entsteht und es zu Gewaltausbrüchen kommt. Das sind sehr bedauerliche, aber menschliche Reaktionen. Palästinenser sind Menschen, gleichwertig mit uns allen. Aber nicht für Israel!
Die Vorgeschichte von Konflikten ist wichtig und in die Bewertung einzubeziehen, wird aber selten in unserer Presse ausreichend wiedergegeben. Auch hinter dem von Presse und Politik oft benutzten Begriff »Verteidigung« versteckt sich oft das Gegenteil. Und beides gilt leider nicht nur für den Gaza-Krieg.
Siegfried Keßler, Bad Urach
