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Was das Ende des Assad-Regimes für syrische Flüchtlinge im Land bedeutet

97.875 Syrer sind in Baden-Württemberg gemeldet. Ein Geflohener ist inzwischen Bürgermeister.

Ryyan Alshebl sitzt am Schreibtisch in seinem Büro im Ostelsheimer Rathaus.  FOTO: BERND WEISSBROD/DPA
Ryyan Alshebl sitzt am Schreibtisch in seinem Büro im Ostelsheimer Rathaus. FOTO: BERND WEISSBROD/DPA
Ryyan Alshebl sitzt am Schreibtisch in seinem Büro im Ostelsheimer Rathaus. FOTO: BERND WEISSBROD/DPA

OSTELSHEIM. Was bedeutet das Ende des Assad-Regimes im ehemaligen Bürgerkriegsland Syrien für die 97.875 Syrer (59.200 Männer und 38.675 Frauen), die laut Statistischem Landesamt in Baden-Württemberg leben? Werden sie zurückkehren oder ist ihre Heimat mittlerweile im Ländle? Einer, der 2015 mit 21 Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, ist Ryyan Alshebl. Der 30-Jährige ist mittlerweile Bürgermeister in der 2.500-Einwohner-Gemeinde Ostelsheim im Kreis Calw. Das Grünen-Mitglied Alshebl wurde im Juli 2023 als Parteiunabhängiger mit 55 Prozent gewählt.

Für ihn sei es eine große Erleichterung gewesen, dass das Assad-Regime stürzte, sagte Alshebl dem SWR. Die ganze Nacht lang habe er die Entwicklung am Handy verfolgt. »Man möchte irgendwie auch dort sein, um die Dinge hautnah mitzuerleben«, sagt er. Für ihn sei es ein großes Anliegen, seine Eltern in Syrien besuchen zu können und nach neun Jahren wiederzusehen, was bislang nicht möglich war.

Alshebl ist trotz des Sieges der als islamistisch geltenden Milizen optimistisch, was die Entwicklung in Syrien angeht. »Wir müssen auch als Deutsche helfen und unterstützen. Es ist nicht die Zeit sich wegzuducken, sondern die Hand auszustrecken und zu helfen.«

Alshebl ist optimistisch

Der Bürgermeister glaubt, dass viele geflüchtete Syrer in ihre Heimat zurückkehren werden. »Viele wollen in die Heimat, um beim Wiederaufbau zu helfen.« Alshebl selbst ist mittlerweile deutscher Staatsbürger und sein Platz ist im Rathaus von Ostelsheim. Schlagzeilen machte Alshebl kürzlich, als er im SWR forderte, die Sozialleistungen für Migranten auf drei Jahre zu begrenzen.

Dass es ausgerechnet im ländlichen Landkreis Calw ein Syrer vom Flüchtling zum Bürgermeister schafft, war statistisch gesehen recht unwahrscheinlich. Denn der Landkreis Calw ist keine Hochburg der syrischen Community. Dort lebten Ende 2023 – gemeinsam mit dem Landkreis Sigmaringen, in dem sich die Landeserstaufnahmestelle (LEA) befand – mit 1.115 Personen laut Statistischem Landesamt die wenigsten Syrer. Im Landkreis Reutlingen leben mit 3.385 deutlich mehr Staatsbürger des arabischen Landes. Reutlingen steht damit an Nummer sechs der Stadt- und Landkreise mit den meisten Syrern in Baden-Württemberg. Hochburg der syrischen Gemeinde in Baden-Württemberg ist der Landkreis Esslingen.

3.385 Syrer im Kreis Reutlingen

Dort leben 5.435 Syrer, gefolgt von Stuttgart (5.340), Ludwigsburg (5.040), Rems-Murr-Kreis (4.205), Ortenaukreis (3.850) und Rhein-Neckar-Kreis (3.755). Im relativ ländlichen Landkreis Reutlingen leben damit deutlich mehr Syrer als in den Stadtkreisen Karlsruhe (1.855), Mannheim (2.245) und Freiburg (1.655) und auch deutlich mehr geflüchtete Syrer wie im Landkreis Tübingen (2.105).

Syrer sind nach der Statistik in Baden-Württemberg die sechsthäufigste ausländische Nationalität hinter Türken, Rumänen, Italienern, Ukrainern und Kroaten, aber noch vor Polen, Kosovaren und Griechen. (GEA)