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Stuttgart 21: Noch nicht fertig, schon im Museum

Die Sonderausstellung des Deutschen Museums in München beleuchtet das Projekt »Stuttgart 21«.

Noch bis Anfang Oktober widmet sich das Deutsche Museum in München dem neuen Durchgangsbahnhof in Stuttgart.  FOTO: MILANKOVIC
Noch bis Anfang Oktober widmet sich das Deutsche Museum in München dem neuen Durchgangsbahnhof in Stuttgart. FOTO: MILANKOVIC
Noch bis Anfang Oktober widmet sich das Deutsche Museum in München dem neuen Durchgangsbahnhof in Stuttgart. FOTO: MILANKOVIC

STUTTGART. Noch nicht mal fertig und schon reif fürs Museum? Das Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München widmet Stuttgart 21 eine Sonderausstellung unter dem schlichten Titel »Stuttgart Hauptbahnhof«. Man zeige »das Bild von einem Bahnhof, der mit seiner Kombination aus Architektur, Technik und Nachhaltigkeit beispielhaft für unsere Zeit ist«, heißt es im Text zur Ausstellung, die bis zum 7. Oktober zu sehen ist.

Infrastruktur im Fokus

Die Realisierung des mittlerweile auf 11,453 Milliarden Euro taxierten Vorhabens in Stuttgart nimmt das renommierte Münchner Museum zum Anlass, um grundsätzliche Fragen des Infrastrukturausbaus zu diskutieren. »Wie können wir uns heute darauf einigen, was wo wie morgen gebaut wird? Warum tun wir uns so schwer mit Großprojekten? Wie können wir zu einer zukunftsfähigen Infrastruktur in diesem Land kommen? Und was sind uns gute Gestaltung und Wahrzeichen wert?«, sagt Frank Zwintzscher, Kurator für Schienenverkehr im Deutschen Museum.

Ganz ähnliche Fragen verhandelte die Runde, die mit einem Gespräch am Donnerstag die Ausstellung eröffnet. Christoph Ingenhoven, Architekt des neuen Bahnhofs, diskutierte mit Christine Lemaitre von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Baustoffexperte Bernd Hillemeier, der auch dem Stuttgart-21-Projektbeirat angehört, und Benedikt Boucsein von der Technischen Universität München. Die muntere Runde zu leiten war Aufgabe von Matthias Alexander, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Elbphilharmonie-Moment

Boucsein sah einen Vorzug des realisierten Entwurfs darin, dass dieser »städtebaulich gedacht« sei. Er eröffne neue Räume in der Stadt. Ingenhoven habe aus den zwingenden Bedingungen vor Ort wie etwa dem begrenzten Raumangebot »Architektur werden lassen«. Der Versuch des Moderators, Lemaitre wegen des Betonverbrauchs für Kelchstützen und Bahnhofstrog zu einer entsprechenden Aussage zu bewegen, schlug fehl. »Beton ist ein gutes Material, wenn wir es bewusst einsetzen«, sagte sie. Wer über Verkehrs- und Energiewende sprechen wolle, müsse auch über die dafür nötige Infrastruktur diskutieren. Sie glaubt, dass der Ingenhoven-Entwurf einen »Elbphilharmonie-Moment« erleben werde. Ein einst bekämpftes Projekt findet Zustimmung, wenn es einmal fertig ist.

Ingenhoven steht weiter zu seinem Entwurf, mit dem er vor nun bald 30 Jahren den Architektenwettbewerb gewann. Er glaube an die Richtigkeit der Entscheidung, »in deren Folge die Schönheit entstanden ist, die wir heute sehen«. Hillemeier erinnerte an die Stimmen, die den Entwurf für unbaubar hielten und die man eines Besseren belehrt habe. Er prognostizierte eine »Prozession der Interessierten«, wenn der Bahnhof einmal in Betrieb ist.

Mittelpunkt der Ausstellung in München ist eine mehr als vier Meter hohe Rotunde mit einem Durchmesser von fast zehn Metern, die ein 360-Grad-Bild der neuen Bahnsteighalle beherbergt. Wer sich in das Innere des Ausstellungsstücks begibt, bekommt einen Eindruck von der Raumwirkung des Durchgangsbahnhofs.

Ein Modell einer den Ingenhoven-Entwurf prägenden Kelchstütze, Videosequenzen sowie Schaubilder erläutern den Besuchern das Projekt. Ein Modell, das gewöhnlich im Infoturm Stuttgart (ITS) steht, ist beim Transport nach Bayern beschädigt worden und kann vorerst nicht gezeigt werden.

Kontroversen und Diskussion

Wie sehr Stuttgart 21 immer noch unter Beobachtung steht, zeigt die Wortmeldung von Pro Bahn noch vor Eröffnung der Ausstellung. Der Fahrgastverband stieß sich an dem Titel der Gesprächsrunde, die mit "Stuttgart 21 – Meisterwerk oder Milliardenbaustelle?" überschrieben war. Das sei "angesichts des Meinungsspektrums zu Stuttgart 21 ziemlich schmeichelnd". Dass die Ausstellung die verschiedenen Positionen zu dem Vorhaben abbilde "erscheint eher unwahrscheinlich". Im Rahmenprogramm der Ausstellung gibt es am 17. Juli eine Diskussion unter dem Titel: "Zwischen Konflikt und Kompromiss: 15 Jahre nach dem ,Schwarzen Donnerstag" am Stuttgarter Hauptbahnhof." (GEA)

 

AUSSTELLUNG IN MÜNCHEN

Die Sonderausstellung zu Stuttgart 21 ist bis 7. Oktober in Halle III des Verkehrszentrums des Deutschen Museums zu sehen. Die Adresse lautet Am Bavariapark 5. Zu erreichen ist das Gelände vom Münchner Hauptbahnhof aus mit den U-Bahnlinien 4 und 5, Haltestelle Schwanthalerhöhe.