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Schreiben mit Turbolader

Alles, was Gaby Hauptmann in ihre Romane packt, verkauft sich gut. Besuch bei der Erfolgsautorin am Bodensee

Zuhause in Allensbach: Am Schreibtisch ist Gaby Hauptmann eine sehr konzentrierte Arbeiterin.  FOTO: FRICKER
Zuhause in Allensbach: Am Schreibtisch ist Gaby Hauptmann eine sehr konzentrierte Arbeiterin. FOTO: FRICKER
Zuhause in Allensbach: Am Schreibtisch ist Gaby Hauptmann eine sehr konzentrierte Arbeiterin. FOTO: FRICKER

ALLENSBACH. Der erste Verlag, dem sie ihr Manuskript anbot, lehnte glatt ab. Erst im zweiten Anlauf brachte Gaby Hauptmann ihren ersten Roman unter. Unter dem griffigen Titel »Suche impotenten Mann fürs Leben« entwickelte er sich zum Bestseller, dem bald das Hörbuch, später die Verfilmung folgte. Heute schmunzelt sie, wenn sie diese Episode aus ihrem Leben als Erfolgsschriftstellern erzählt. Zum Lachen hat sie guten Grund, denn wenige Schreibende versammeln so viele Lesende um sich. Was auch immer die heute 66-Jährige auf den Markt bringt, geht weg. Ihr Name steht für eine leichtfüßig spritzige Lektüre.

Wie sie lebt und wohnt

So skizzenhaft und mit viel oberflächlicher Politur ihre Szenen hingeworfen sind, so nachdenklich präsentiert sich die gelernte Journalistin zuhause. Nach dem Erfolg ihres Erstlings konnte sie ein Anwesen direkt am Bodensee erwerben. Großzügig geschnitten, viel Glas und viel Durchblick auf den See. Dort in Allensbach ist sie längst angekommen, Bürgerin unter Bürgern. Sie bewegt sich im Ort ohne jeden Dünkel. Die Innenräume ihres raffiniert verschachtelten Hauses stecken voll liebevoll bewahrter Erinnerungen, Bücher, Bilder.

Auffällig sind die Bilder, die einem irgendwie bekannt erscheinen, und das ist kein Zufall: Die Ölgemälde stammen von ihrem Großvater Karl Hauptmann, auch bekannt als Schneemaler des Schwarzwaldes. »Er ist inzwischen einer der meistgefragten Maler der Region«, berichtet die Enkelin stolz. In der Nähe von St. Märgen bewohnte er das Mohlerhüsli, in dem er seine Werke schuf. Die Enkelin hält das Erbe hoch – auch wenn die verschneiten Tannen bei St. Märgen nicht viel mit den schicken Räumen zu tun hat, in denen sich ihre Heldinnen und Anti-Helden bewegen. Zu verschieden sind die Lebenswelten.

Jährlich legt die 66-Jährige ein frisches Buch vor, das neueste erscheint dieser Tage. Neu daran ist, dass sich Hauptmann eng auf Südbaden bezieht. In »Hoffnung auf die Zukunft« schildert sie das Leben der späteren Gastwirtin Anna. Sie gründet und betreibt mit ihrem Mann das Gasthaus »Hirschen« in Horn, das es bis heute gibt. Anna hat wirklich gelebt, sie ist die Großmutter des heutigen Wirts Karl Ammann, den am Untersee zwischen Stein und Rhein und Radolfzell viele kennen. Mit ihrem neuen Werk wendet sich Hauptmann fast ins Heimatliche. Weg vom urbanen Milieu, hin zu der Welt vor der eigenen Haustür. »Das ist mein erster historischer Roman«, sagt sie stolz.

Die mühsamen Wege ihrer Hauptfigur Anna ist sie abgefahren. Anna wird auf dem Heuberg im württembergischen Tuttlingen geboren. Die Not der Familie ist groß, also wandert die junge Frau mit 13 Jahren buchstäblich aus und landet schließlich im Badischen. Hauptmann hat recherchiert, damit der Roman auch chronikalisch stimmt, damit die Geografie passt. Wo liegt der Kraftstein, von dem Anna herkommt? Und wie kam sie von dort, dem Weiler bei Mahlstetten über dem Donautal nach Schaffhausen und von dort auf die Höri am Bodensee? All diese Fragen galt es zu beantworten, um das Leben dieser schwäbischen Aufsteigerin plausibel zu schildern.

Beim Schreiben tut sie sich leicht, berichtet sie. Sie kann auch beim Autofahren als Beifahrerin schreiben, sagt sie. Als ein Verlag von ihr erst einmal ein Exposé einer geplanten Erzählung anfragte, stutzte sie. Wozu ein Exposé?, fragte sie. Sie schreibt drauf los, bekennt sie ungeniert. »Ich brauche ein Gerüst, mehr nicht«, das sei ihre Schreibmethode. Alles andere bilde sich während des Schreibens, weshalb sie sich nie zu viel Gedanken macht, bevor sie den PC hochfährt. Sie ist im Sinne von Friedrich Schiller eine »naive« Schreiberin, die sich um Traditionen oder die Werke anderer Autoren nicht weiter schert.

Start als Journalistin

Das schnelle Schreiben lernte sie in ihrem Erstberuf. Sofort nach der Schule begann die Schwäbin ein Volontariat bei der Lokalzeitung »Südkurier«. Später arbeitete sie als Reiseredakteurin, wechselte dann zu Rundfunk und später zum Fernsehen beim SWF (wie der Sender damals noch hieß). Fast spielerisch wanderte sie durch die diversen Medien. Bis sie mit dem Verfertigen von flüssig lesbarem Roman ihr Königreich fand – man kann auch sagen: ihre Goldgrube.

Die Allensbacher kennen Hauptmann vor allem als Porschefahrerin. Ihre Leidenschaft für die flachen Autos ist alt. Bereits als Freie Journalistin musste es ein Auto aus Zuffenhausen sein, wenn auch gebraucht. »Den ersten kaufte ich mit 26«, berichtet sie mit demselben Stolz, mit dem andere von ihrer Schopenhauer-Lektüre sprechen. Schnelle Autos lieben auch manche ihrer Romanfiguren, die sich zwischen Porsche und Prosecco besonders wohl fühlen. Ist das nun oberflächlich? Eine (wahre) Anekdote beantwortet die Frage am ehesten. Während einer Diskussion wurde die Autorin gefragt, welche Preise sie denn erhalten habe. Nach einigen Sekunden peinlicher Stille sprang ihr Kollege Arnold Stadler in die Bresche und sagte: »Die Gaby Hauptmann braucht keine Preise, sie hat Leser.« (GEA)