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Samuel Koch schwerelos: Kein Zorn auf »Wetten, dass..?«

Ein Salto im Fernsehen hat ihn fast das Leben gekostet. Samuel Koch verletzte sich beim Sprung über ein fahrendes Auto massiv. Seitdem ist er vom Hals abwärts gelähmt - und spielt gegen die Schwere an.

Samuel Koch präsentiert seine Show »Schwerelos«
Der Schauspieler Samuel Koch bewegt sich bei seiner Show »Schwerelos« in einem Aerotrim. Foto: Uwe Anspach/DPA
Der Schauspieler Samuel Koch bewegt sich bei seiner Show »Schwerelos« in einem Aerotrim.
Foto: Uwe Anspach/DPA

Mit Livemusik, Witz und Akrobatik hat der im Rollstuhl sitzende Schauspieler Samuel Koch in Mannheim seine »Schwerelos«-Show präsentiert. In einem ehemaligen Filmpalast der US-Armee wirbelte Koch am Donnerstagabend etwa in einer mehrachsigen Metallkugel über die Bühne. Der sogenannte Aerotrim, in dem sich ein Mensch durch Gewichtsverlagerung in allen Ebenen des Raums bewegen kann, dient unter anderem zum Piloten- und Astronautentraining. Am Ende eines abwechslungsreichen Abends gab es viel Applaus.

Koch nutzt einen elektrischen Rollstuhl, seit er am 4. Dezember 2010 in der TV-Show »Wetten, dass..?« verunglückte. Davor turnte er ab dem sechsten Lebensjahr in der 2. Bundesliga. Bei »Schwerelos« gehe es auch darum, wie ein Unbeweglicher etwas bewegen könne, sagte Koch der Deutschen Presse-Agentur. »Seit ich denken kann, war ich in der Luft. Insofern hat der Abend auch autobiografische Bezüge.«

Auf den Unfall bei »Wetten, dass..?« blicke er nicht mit Wut zurück. »Ich könnte nicht verantwortungsvoll Vorträge über den Umgang mit Krisen und Rückschlägen halten, wenn ich irgendeinen Zorn oder eine negative Gefühlswelt hätte«, sagte Koch. Beim letzten »Wetten, dass..?« von Thomas Gottschalk am 25. November werde er nicht dabei sein. »Ich hatte vor der Einladung eine Veranstaltung an einem Mannheimer Gymnasium zugesagt. Das hat mir die Entscheidung abgenommen.«

Dass der Titel »Schwerelos« in einer Zeit von Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikt wie ein Kontrastprogramm klingt, sei ihm bewusst. »Es ist gerade eine schwere Zeit. Die Idee des Abends ist es, der Schwere zu begegnen. Es ist eine Herausforderung, in solchen Zeiten Unterhaltung zu bieten und trotzdem nicht zu ignorieren, was in der Welt passiert«, sagte Koch. »In diesem Spannungsfeld bewegt sich die Show. Wir schreiten gemeinsam durch die Schwere, um sie loszuwerden.«

Koch ist in Neuwied (Rheinland-Pfalz) geboren, in Südbaden aufgewachsen und seit 2018 Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim. Künftig will er wieder vermehrt auf anderen Bühnen stehen. »Ich werde in dieser Spielzeit in Mannheim nichts Neues spielen, stattdessen aber in Berlin und München.« Er bleibe Mannheim aber weiterhin treu, sagte der 36-Jährige und schmunzelte. »Ich werde vorübergehend zu einem vagabundierenden Teil des Nationaltheaters.«

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