REUTLINGEN. Katzenhirn liegt leider in Bayern. Aber auch in Baden-Württemberg gibt es zahlreiche kuriose Ortsnamen. Zu einigen davon gibt es lustige Geschichten. Eine Übersicht:
Liebesdorf. In der Liebesdorfer Mühle kann man Hochzeiten mit bis zu 50 Gästen feiern. Außerdem bezeichnet sich die Liebesdorfer Mühle als »kleinstes Restaurant der Welt« und bekocht zwei bis sechs Gäste gleichzeitig. Klingt ideal für einen Heiratsantrag.
Killer. 2021 wurde berichtet, dass vier Mal innerhalb eines Jahres das Ortsschild von Killer geklaut wurde. Das oberösterreichische Fucking hatte dasselbe Problem und löste es, in dem es 2020 die Schreibweise des Ortsnamens in Fugging änderte. Die Biersorte »Fucking Hell« für das helle Bier aus Fucking, wurde 2010 als Marke eingetragen, dann von 2011 bis 2013 von der badischen Privatbrauerei Waldhaus und seit 2013 in Chemnitz gebraut. Der Energydrink Killerfish kommt dagegen nicht von der Alb, sondern aus Köln.
Sexau. Zur badischen Gemeinde Sexau gehören neben dem Hauptdorf Sexau auch Obersexau, Untersexau und Vordersexau – aber kein Hintersexau. In Sexau wurde die schwäbische Mundartkomödie »Die Kirche bleibt im Dorf gedreht«. Am 1. April 2017 schrieb die badische Zeitung alle Profile aus Sexau seien wegen des Ortsnamens gelöscht worden. Die Auflösung dieses Aprilscherzes bekamen offenbar nicht alle mit, vor allem nicht eine Tagesschau-Sprecherin, die noch Tage später davon berichtete.
Gschlachtenbretzingen. Zum längsten Ortsnamen Baden-Württembergs gibt es die Geschichte, dass ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde sich den Ortsnamen dreimal laut vorsagen ließ, bevor er laut lachte.
Himmelreich. Himmelreich ist ein Weiler in Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Der Bahnhof Himmelreich liegt kurioserweise an der Höllentalbahn. Das Gebiet östlich der Bahn gehört zu Buchenbach, westlich der Bahn mit dem Bahnhofsgebäude zu Kirchzarten. Das Hofgut Himmelreich ist ein inklusiv bewirtschafteter Gasthof. Außerdem gibt es eine überkonfessionelle Jakobus-Kapelle am Jakobsweg und die französische Königin Marie Antoinette soll hier auf dem Weg von Wien nach Paris übernachtet haben.
Notschrei. Der Name für den Pass im Schwarzwald kommt daher, weil die Passstraße 1847 erst nach einer dringenden Petition der Bevölkerung, einem sogenannten Notschrei gebaut wurde. Die großherzoglich-badische Regierung wollte damit zu Zeiten der Revolution die unzufriedene Bevölkerung im Oberen Wiesental davon abhalten, sich den Revolutionären um Friedrich Hecker und Gustav Struve anzuschließen.
Mückenloch. Der Name ist aufgrund des Ursprungs der Siedlung in einer Rodung in einer alten Neckarschleife (»Mückenlocher Schlinge«) mit Bachläufen als Brutstätten für Stechmücken durchaus wörtlich zu nehmen. Mückenloch ist vor allem als Heimatort des ehemaligen Bundestrainers und jetzigen Trainer des FC Barcelona Hansi Flick bekannt. Außerdem kam hier 1863 die Großmutter mütterlicherseits des Hollywoodstars Doris Day zur Welt.
Busenweiler. Busenweiler ist ebenso wie Bettenhausen ein Ortsteil von Dornhan im Kreis Rottweil. 1710 gab es Herzog Eberhard Ludwig dem Bruder seiner Mätresse Wilhelmine von Grävenitz. Zwischen Bettenhausen und Dornhan liegt das Zitzmannsbrunnenbachtal.
Billigheim. Die 6.000-Einwohner-Gemeinde nördlich von Heilbronn hat im Gegensatz zum gleichnamigen 1000-Einwohner-Ort Billigheim-Ingenheim, der 120 Kilometer westlich in der Pfalz liegt, eine Aldi-Filiale. Billigheim in der Pfalz hat dafür eines der ältesten Weinfeste der Pfalz mit Jahrmarktcharakter, nämlich den Billigheimer Purzelmarkt.
Ungeheuerdorf. Der Name des Weilers bei Backnang im Rems-Murr-Kreis deutet darauf hin, dass es ein Ort war, an dem es den Menschen ungeheuer war. 1847 erstach hier der Metzger Wilhelm Heinrich Armbruster den Viehhändler Johann Gottlieb Winter. Armbruster wurde gefasst, zur Todesstrafe verurteilt. Seine öffentliche Enthauptung in Backnang im Januar vor 8.000 Zuschauern war die letzte öffentliche Hinrichtung im Königreich Württemberg, bevor der König diese Strafe abschaffte.
Deppenhausen. Deppenhausen ist ein kleiner, historisch gewachsener Ortsteil mit ländlichem Charakter, eingebettet in die Gemeinde Ehingen im Alb-Donau-Kreis. Trotz seiner eher geringen Größe ist er durch Themen wie Infrastruktur-Sanierung, Landwirtschaft und erneuerbare Energien (Solarpark) aktiv in der Region vertreten. Der unverwechselbare Name sorgt zusätzlich für Aufmerksamkeit. Deppenhausen wurde erstmals 1396 urkundlich erwähnt unter dem Namen »Dappenhausen«. Der Name änderte sich im Laufe der Zeit zu »Deppenhausen«. »Deppen« im umgangssprachlichen Sinn gibt’s dort natürlich nicht mehr als anderswo. Die Bewohner von Deppenhausen können also völlig zu Recht stolz auf ihren Ort sein – und nehmen die Witze meist mit Humor. Generell gelten die Einwohner als eingeschworene Gemeinschaft, die gerne feiern. Allerdings scheint die Ortschaft tatsächlich echte Deppen anzuziehen. Denn jedes Jahr gibt es diejenigen, die aus Unfug die Ortsschilder der Ortschaft klauen. (GEA)

