Logo
Aktuell Land

Kretschmann und Gewerkschaft: Prämie für Lehrer keine Lösung

Lehrer leiden unter zunehmendem Druck. Es gibt zu wenig Personal, die Bürokratie wächst vielen über den Kopf, es fällt etlichen immer schwerer, die Klassen im Griff zu halten und ordentlich zu unterrichten. Könnte es helfen, wenn Lehrer einen Bonus bekommen?

Schule
Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel. Foto: Marijan Murat
Ein Lehrer steht im Unterricht an der Tafel.
Foto: Marijan Murat

In seltenem Einvernehmen erteilen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die Gewerkschaften möglichen Leistungsprämien für besonders engagierte Lehrerinnen und Lehrer eine Absage. »Das bedeutet einen sehr hohen Aufwand, ist fehleranfällig und hat nicht zu dem geführt, was man sich davon erhofft hat«, kanzelte der Regierungschef einen entsprechenden Vorschlag von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) ab. Außerdem sei die Höhe der Leistungszulagen doch eher bescheiden gemessen am Gehalt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bundesministerin plädiert hingegen dafür, angesichts des dramatischen Lehrermangels Anreize zu schaffen und nicht nur »altbekannte Pfade« abzuschreiten. »Eine leistungsorientierte Bezahlung könnte ein Weg sein, um den Job attraktiver zu machen«, argumentiert sie. In manchen Bundesländern gebe es das schon. Es werde nur nicht wirklich gelebt. Bildung liegt in der Hand der Bundesländer. Als Bundesbildungsministerin kann Stark-Watzinger zwar keine Vorgaben machen, sie kann aber Debatten anstoßen.

Allerdings stößt die Idee aus der Bundesregierung auch auf wenig Gegenliebe bei der Lehrergewerkschaft GEW. Es sei zwar schön, wenn der Lehrberuf attraktiver gemacht werde, damit sich junge Menschen freiwillig und begeistert für die Ausbildung entschieden, sagte die baden-württembergische GEW-Landesvorsitzende Monika Stein. Allerdings sei das nicht zu erreichen, wenn nur Teilen des Lehrpersonals eine Prämie in Aussicht gestellt werde. Mit einem Zuschlag nur für einen Teil eines Kollegiums steige vor allem das Konkurrenzdenken, kritisierte Stein. Das sei nicht der richtige Weg. Wichtig sei es vielmehr, zusätzliches Personal einzustellen und Lehrkräfte zu entlasten. Gute Lehrerinnen und Lehrer wählten den Beruf auch nicht wegen des Geldes.

Auch die SPD warnt vor der Stimmungslage: »Leistungsprämien bergen das Risiko «Zoff im Lehrkräftezimmer», ohne dass sie erfahrungsgemäß wirkliche positive Effekte mit sich bringen«, sagte der Bildungsexperte der Oppositionspartei, Stefan Fulst-Blei. Faire Bezahlung und faire Arbeitsbedingungen sollten selbstverständlich sein. »Für die passenden Rahmenbedingungen muss das Land sorgen und hier hat Baden-Württemberg einiges an Nachholbedarf.«

Hier setzt auch Kretschmann an. »Es liegt an den stressigen Arbeitsbedingungen«, sagte er der dpa. »Wir müssen über die Rahmenbedingungen und die Attraktivität des Lehrerberufs sprechen.« Prämie hin oder her: »Der Beamte muss sowieso mit vollem Einsatz arbeiten«, sagte der Grünen-Politiker. »Das steht im Beamtengesetz.«

Der zweite große Bildungsverband in Baden-Württemberg, der VBE, schlägt eine Alternative zur Prämie vor: »Lehrer brauchen kein Geld, sie brauchen Zeit«, sagte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung, Gerhard Brand, der dpa. Es wäre eine Belohnung für einen überdurchschnittlichen Einsatz auch in der Freizeit, wenn zum Beispiel das Deputat - also die Zahl der Pflichtstunden - verkürzt würde. Eine Leistungsprämie hingegen müsse an Kriterien gekoppelt sein, die sich einheitlich kaum fassen ließen. »Außerdem bekommt man Unfrieden ins Lehrerzimmer«, sagte Brand.

Den Deutschen Lehrerverband weiß Bundesministerin Stark-Watzinger dagegen auf ihrer Seite. »Man kann durchaus erkennen, welche Lehrkraft gut ist«, sagte der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger der »Bild« bereits Anfang Dezember. Die meisten Bundesländer verfügten bereits über Gesetze, die Zusatzleistungen für gute Lehrer ermöglichen. Üppig seien diese Töpfe aber nicht, und nur die wenigsten Länder nutzten diese Option. Mehr Mittel seien erforderlich, sagte Meidinger: »Die Prämie müsste zehn Prozent eines Gehalts umfassen können.«

© dpa-infocom, dpa:230111-99-176387/3