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Krabben sind der neue Schampus

Der Hamburger Fischmarkt kommt: Der Karlsplatz ist einmal mehr der Ort für Backfisch, Aal, Jever und Shantys

Die 36. Auflage des Hamburger Fischmarkts mit kulinarischen Alternativen zu Currywurst mit Pommes.  FOTO: ROTFUSS
Die 36. Auflage des Hamburger Fischmarkts mit kulinarischen Alternativen zu Currywurst mit Pommes. FOTO: ROTFUSS
Die 36. Auflage des Hamburger Fischmarkts mit kulinarischen Alternativen zu Currywurst mit Pommes. FOTO: ROTFUSS

STUTTGART. Ein Angeber schwäbischer Herkunft hat es nicht leicht. In einer Stadt, in der man die Villa in Südfrankreich als Ferienhäusle bezeichnet, der Handwerker mit dem gebrauchten Mercedes zum Kunden fährt und den Porsche in der Garage lässt, wie soll man da bloß zeigen, dass man richtig viel Geld hat? Wir hätten da eine Idee. Eine recht schwäbische sogar. Am Donnerstag hat der Fischmarkt begonnen. Und da kann man sich abheben, indem man ein Krabbenbrötchen isst, für das man immerhin 12 Euro bezahlen muss. Da kann sogar die Sansibar im Dorotheenquartier mit ihrer Currywurst einpacken.

Die Nordseekrabbe ist ein scheues Wesen. Derzeit fangen die Fischer an der Küste allerdings nur noch die Hälfte an Krabben wie in guten Jahren. Die Konsequenz: Der Preis für ein Kilo gepulte Krabben liegt bei 80 Euro, Tendenz steigend. So dachten die Beschicker vom Fischmarkt schon darüber nach, ganz auf Krabben zu verzichten. »Die müssen wir im Tresor liefern lassen«, sagt Klaus Moritz von der WAGS, der Veranstaltungstochter der Hamburger Schausteller. Ein Scherz. Noch.

»Die Krabben müssten wir eigentlich im Tresor liefern«

Woran das liegt? Genau weiß man das nicht. Die Wittlinge als Fressfeinde haben sich stark vermehrt, der Klimawandel, vieles kommt zusammen. Moritz betont, das sei ein Auf und Ab, auch in der Vergangenheit gewesen. Bis sich die Bestände erholen, sind Krabben der neue Schampus. Doch es gibt ja Alternativen. Und vieles davon kommt direkt aus Hamburg. Tag für Tag sind Kühllaster gen Stuttgart unterwegs.

Alles was eingelegt ist, wie Matjes oder Rollmops, reicht für mehrere Tage. Und wer Spezielles will, bekommt das auch. Zum 36. Mal baut der Fischmarkt auf, da kennt man sich. Und so fragen Kunden auch nach, ob es grüne Heringe gibt oder Hummer. »Das besorgen wir«, sagt Moritz. Bei ihm bestellt Jahr für Jahr ein Besucher grünen Aal, das ist ein frischer Aal, nicht geräuchert.

Was mittlerweile nicht mehr so viel verkauft wird wie früher sind Bratheringsfilets. Mittags werden sie noch gegessen, abends will das kaum noch jemand. Backfisch geht dagegen immer am Stuttgarter Karlsplatz. Die Familie Jipp hat ihren Leuchtturm tatsächlich für den Stuttgarter Fischmarkt gebaut. Moritz erinnert sich noch gut, wie Jipp senior damals sagte, wenn wir noch Stuttgart fahren, bauen wir einen Leuchtturm. »Ich dachte damals, der hat einen an der Pfanne«, sagt Moritz und grinst. Mittlerweile haben die Jipps immer einen Backfisch auf der Pfanne, die Glocke klingelt, der Fisch wird über eine Rutsche abwärts geschickt. Ein Fischmarkt ohne Backfischrutsche? Un-denkbar.

Der Charme liegt in der Beständigkeit. Die Besucher wissen, was sie erwartet. Gelebte hanseatische Klischees. Jever, 0,3 Liter, für vier Euro, Fisch aller Art, Shantys sowie Buddelschiffe. Und Krabben als neues Statussymbol. (GEA)