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Aktuell Projekt

Jüdische Spuren im Stuttgarter Alltag

Mit spannenden Veranstaltungen geht zweijährige Aktion zu Ende. Sie brachte viele Menschen zusammen

Der Projektleiter Robert Ogman und die Kulturregion-Chefin Bettina Pau haben in den vergangenen Jahren durch ihr Projekt viele
Der Projektleiter Robert Ogman und die Kulturregion-Chefin Bettina Pau haben in den vergangenen Jahren durch ihr Projekt viele Menschen miteinander vernetzt. FOTO: LG/PIECHOWSKI
Der Projektleiter Robert Ogman und die Kulturregion-Chefin Bettina Pau haben in den vergangenen Jahren durch ihr Projekt viele Menschen miteinander vernetzt. FOTO: LG/PIECHOWSKI

STUTTGART. Wer kennt die Begriffe nicht? Schlamassel, Tacheles reden oder – vielleicht etwas aus der Mode gekommen – »Ich finde dich dufte«. Was aber den wenigsten bewusst ist: Diese Ausdrücke haben ihren Ursprung im Jiddischen. »Viele Begriffe unserer Sprache sind Zeugnisse der jahrhundertealten Verbindung deutscher und jüdischer Kultur«, sagt Robert Ogman.

Zwei Jahre lang haben sich der aus Konstanz stammende Politikwissenschaftler und Bettina Pau, der Chefin der Kulturregion Stuttgart, als Köpfe des Sonderprojekts mit »Jüdischem Leben in der Region Stuttgart« beschäftigt. Das Ziel war, jüdische Spuren in der Region sichtbar zu machen und die Normalität des jüdischen Lebens ins Bewusstsein der Menschen zu rücken. Jetzt, da das Projekt auf die Zielgerade einbiegt, rückt das Thema Sprache in den Vordergrund.

Plakatkampagne für Lehnwörter

Denn den Abschluss des Projekts bildet am Dienstag, 20. Mai, von 20.30 Uhr an die Vernissage von »Schlamassel Tov« auf dem Stuttgarter Marienplatz. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Akteuren aus der Region haben Robert Ogman und der Kulturverein Kubus eine Plakatkampagne entwickelt, die jiddische Lehnwörter wie etwa Tacheles im heutigen Deutsch beleuchtet.

Diese Wörter zeugen von einer tief verwurzelten, oft übersehenen kulturellen Verbindung. Die Plakate, die auf solche Verbindungen hinweisen, können dann bis zum 25. Mai rund um eine auf dem Marienplatz errichtete Laubhütte, eine sogenannte Sukka, angeschaut werden. Bereits vier Tage zuvor, am Freitag, 16. Mai, um 16.30 Uhr, gibt es in der Schlosserei des Wizemann-Areals noch eine weitere Möglichkeit, sich intensiver mit jüdischem Leben zu beschäftigen. Im Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin Tina Hartmann stellt der renommierte israelische Soziologe Nathan Sznaider sein neues Buch »Die jüdische Wunde. Leben zwischen Anpassung und Autonomie« vor.

Insgesamt ziehen die Initiatoren des Sonderprojekts ein positives Fazit der Aktionen der vergangenen beiden Jahre. Initiiert von der Kulturregion Stuttgart und unterstützt vom Verband Region Stuttgart, sollte das Vorhaben weit mehr sein als ein etwas verspäteter Beitrag zur bundesweiten Initiative »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Es ging um Gegenwart statt Rückblick, um Teilhabe statt nur Erinnerung – und um neue Perspektiven auf jüdische Identität in einer vielfältigen Gesellschaft.

Die Vielfalt des Projekts spiegelte sich in verschiedenen Aktionen wider: So ist Ogman in Schulklassen gegangen. Jugendliche produzierten vier Kurzfilme über jüdisches Leben heute, die dann in einem Kino auf großer Leinwand zu sehen waren. Auf der digitalen Plattform »Jewish Places« entstanden neue Einträge zu Orten jüdischer Geschichte in der Region. Die Idee war stets, Barrieren abzubauen – auch durch niedrigschwellige Angebote.

Startschwierigkeiten

Das Projekt zu starten, das räumt Ogman offen ein, sei am Anfang nicht leicht gewesen. Zwar gebe es in der Region sehr viele Initiativen, Vereine und Einzelpersonen, die sich mit jüdischem Leben beschäftigten. »Aber sie zusammenzubringen, war nicht so einfach, weil sie sehr unterschiedliche Ansätze hatten. Aber im Lauf des Projekts ist es uns dann gelungen, eine gemeinsame Basis zu schaffen«, sagt Ogman. Gerade in dem nun in den Fokus rückenden Thema Sprache seien viele Organisationen und Initiativen engagiert, die bereit wären, weiter an dem Projekt teilzunehmen.

»Es war zwar ein tolles Projekt über zwei Jahre. Aber es gibt noch so viel, was man zeigen könnte.« Auch habe er festgestellt, dass gerade Begegnungen immer wieder zu neuen Ideen führten, berichtet er. Deshalb sei es wichtig, die engagierten Menschen in der Region weiterhin zusammenzubringen. Ogman: »Wir sollten diese neuen Formate ausprobieren. Deshalb sollten wir weitermachen.« (GEA)