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Internationale Schule in Stuttgart erfindet sich neu

Nach einem Teilabriss will Stuttgarts teuerste Privatschule mit einem Neubau Maßstäbe setzen.

Schulleiter Tim Kelley (links) und Schulsprecher Matthias Krusch freuen sich, dass die Bauarbeiten an der International School
Schulleiter Tim Kelley (links) und Schulsprecher Matthias Krusch freuen sich, dass die Bauarbeiten an der International School in Degerloch vorangehen. Die Interimscontainer (im Hintergrund) wurden rechtzeitig zum Schulbeginn aufgestellt. FOTO: LICHTGUT/GEA
Schulleiter Tim Kelley (links) und Schulsprecher Matthias Krusch freuen sich, dass die Bauarbeiten an der International School in Degerloch vorangehen. Die Interimscontainer (im Hintergrund) wurden rechtzeitig zum Schulbeginn aufgestellt. FOTO: LICHTGUT/GEA

STUTTGART. An der Internationalen Schule in Stuttgart-Degerloch (ISS) haben Schüler und Lehrer nicht schlecht gestaunt, als sie Ende August wieder zum Unterricht gekommen sind: Denn während der Sommerferien haben die Bagger einen kompletten Schulflügel und das Eingangsgebäude dem Erdboden gleichgemacht. Das war zwar so geplant, und an den Plänen sei auch die ganze Schulgemeinschaft beteiligt worden, berichtet Schulleiter Tim Kelley. Aber an die neue Optik müssen sich alle erst mal gewöhnen. Wo jetzt eine große Matschfläche ist, soll bis in zwei Jahren ein innovativer Neubau bezugsfertig sein.

Abriss nach 24 Jahren

Bis dahin findet der Unterricht für etliche der 650 bis 700 Schüler in Containern statt, die in mehreren Blöcken zweistöckig an der Außenseite des Schulgrundstücks aufgestellt wurden. Rund ein Drittel der Klassenzimmer fielen dem Abriss zum Opfer, allerdings sei die komplette Verwaltung in gemietete Räume in der Nachbarschaft umgezogen, ihre Büros in der Schule wurden in Klassenzimmer umgewandelt. Vom Abriss betroffen sind allerdings nur die Schüler von der sechsten Klasse an. Die Kleinen und die Kita, die ebenfalls zur Schule gehört, sind davon unberührt.

Im Unterschied zu vielen von der Stadt Stuttgart getragenen Schulen hat der erst 1997 erstellte und nun schon wieder abgerissene Gebäudetrakt der Privatschule allerdings weder ein undichtes Dach noch marode Fenster gehabt. Sondern er sei einfach zu klein und für die heutigen pädagogischen Anforderungen nicht mehr zeitgemäß gewesen, erklären Kelley und Schulsprecher Matthias Krusch. Es sei vor allem eine Frage der Qualität. »Die Schule ist damals für 200 Schüler gebaut worden«, sagt Krusch. »Damals ist nicht erwartet worden, dass sich auf dem Gelände mal 600 Kinder bewegen werden.«

Gefragtes Konzept

Doch das Konzept der ISS ist gefragt, vor allem für Kinder, deren Eltern in internationalen Großunternehmen oder Forschungseinrichtungen tätig sind und die oft ihren Wohnort oder das Land wechseln müssen. Da ist der Unterricht nach internationalen Standards samt dem internationalen Baccalaureate-Abschluss vor allem für diese Kinder ein Anker. Die meisten kämen aus den USA, Deutschland und Japan, sagt Kelley und meint auch die Auslandsrückkehrer. Auch die Coronapandemie habe der Nachfrage keinen Abbruch getan, sagt Krusch. Zumal die Schule dafür gut gerüstet sei und keinen Lehrermangel habe. Allerdings erfolgten die für die ISS typischen Fluktuationen bei den Schülern nun viel kurzfristiger, manche Familien säßen wegen Visumproblemen im Ausland fest. So wuchs die Schule stetig, und nach und nach kamen Erweiterungsbauten dazu, zuletzt im Jahr 2015 eine zweite Sporthalle, die gleich sieben Klassenzimmer oben drauf gepackt bekam.

Raumangebot genügt heutigen Ansprüchen nicht mehr

Dennoch habe das Raumangebot heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt, und die ursprünglichen Bestandsbauten waren nicht auf Wachstum ausgelegt. Der viergeschossige Neubau lässt Raum für 80 Schüler mehr. Vor allem aber soll er statt traditionellen Klassenzimmern moderne, ansprechende, vor allem aber flexibel nutzbare Lernumgebungen bieten, die auch das Lernen in Kleingruppen ermöglicht. Viele Terrassen erlaubten das künftig sogar an der frischen Luft, dabei habe man den Bau vor Corona geplant. »Lernen funktioniert über Beziehung«, sagt Schulleiter Kelley. Und das Gebäude trage seinen Teil dazu bei.

Auch Technik, Naturwissenschaften und Kunst bekommen künftig mehr Gewicht – und den dafür notwendigen Platz. Geplant seien – zusätzlich zum Bestand – zwei neue Labore und ein Ausbau des kreativen Bereichs. Statt einer zentralen Mensa hätten sich die Schüler vielfältige kleinere Essensräume mit unterschiedlichem Angebot gewünscht, berichtet Kelley. Natürlich werde alles frisch gekocht. Auch Rückzugsräume seien in dem Neubau eingeplant, ebenfalls ein Wunsch der Kinder. »Das Gebäude soll widerspiegeln, was die Schüler beschäftigt«, sagt Krusch.

Investition in Umwelttechnik

Nachhaltigkeit zum Beispiel. So werde der viergeschossige Neubau umweltfreundlich mit Solar- und Wärmepumpen gebaut. Finanziert werden sollen die insgesamt knapp 25 Millionen Euro teuren Baumaßnahmen über Schulgeld, Spenden und Kredit.

Aber, das betont Kelley auch: »Wir sind keine Insel.« Von dem Gebäude und seinen Möglichkeiten sollen auch die Stadt und die Nachbarschaft profitieren. Auch diese Kontakte sind dem Pädagogen wichtig – ebenso wie deutsche Schüler an der ISS, die er als Botschafter sehe. Schon bisher haben sich an gemeinsamen Musical-Aufführungen auch Schüler der städtischen Nachbarschulen beteiligt, dem Wilhelms-Gymnasium und der Fritz-Leonhardt-Realschule. (GEA)

FINANZIERUNG DER SCHULE

Die International School Stuttgart (ISS) bietet rund 700 Kindern von der Kita bis zur zwölften Klasse ein zertifiziertes englischsprachiges Angebot samt Abschluss mit dem internationalen Baccalaureate. Mit ihrem Standort Sindelfingen sind es bis zu 840 Schüler.

Die Privatschule, die nicht als Ersatzschule, sondern als Ergänzungsschule gilt, musste um staatliche Zuschüsse kämpfen. Seit 2020 wird sie wie andere internationale Schulen nach klaren Kriterien vom Kultusministerium gefördert. Pro Schule gibt es vom Land einen Sockelbeitrag von 50 000 Euro sowie pro Schüler 1 400 Euro im Jahr. Macht für die ISS 1,075 Millionen Euro pro Jahr. Unterstützung kommt auch von der Stadt Stuttgart, die weiterhin auf ihren Erbbauzins verzichtet. Das entspricht 110 000 Euro im Jahr. Pro Jahr wird eine Schulgebühr zwischen 16 180 und 19 090 Euro fällig. Oft übernehmen das die Unternehmen für die Kinder ihrer Beschäftigten. (GEA)