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Hohenzollern distanziert sich von schwangerer Witwe Josefa

Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden, einst singende Bürgermeisterin, will in Leonberg Oberbürgermeisterin werden. Doch eine richtige Prinzessin ist sie nicht, stellt das Adelshaus klar.

Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden, geborene Schmid, macht derzeit eine harte Zeit durch.
Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden, geborene Schmid, macht derzeit eine harte Zeit durch. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden, geborene Schmid, macht derzeit eine harte Zeit durch.
Foto: Christoph Schmidt/dpa

HECHINGEN/LEONBERG. Für Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden häufen sich derzeit die Schicksalsschläge. Die 51-Jährige FDP-Politikerin ist seit zwei Jahren als erste Bürgermeisterin von Leonberg vom Dienst beurlaubt, weil Oberbürgermeister Martin Georg Cohn ihr schwerwiegende Dienstverletzungen vorwarf. Bei der OB-Wahl am 28. September tritt von Hohenzollern-Emden an, obwohl sie in diesen Tagen ein Kind erwartet, das seinen Vater nie kennenlernen wird. Denn Harald, Prinz von Hohenzollern-Emden, ein 63-jähriger deutsch-namibischer Diamantenhändler, den die Politikerin im September letzten Jahres heiratete, verunglückte Ende Juni in Namibia. Die trauernde Witwe und werdende Mutter, die auf den sozialen Medien von einem »plötzlichen Herztod« ihres Mannes sprach, setzte alle Wahlkampftermine aus, zog aber ihre Kandidatur nicht zurück.

Nur ein Name, kein Adel

Nun der nächste Tiefschlag. In einer Presserklärung distanzierte sich Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern in einer Presseerklärung vom verstorbenen Ehemann der OB-Kandidatin: »Es handelt sich um kein Mitglied unserer Familie. Er ist uns nicht persönlich bekannt, ist nicht mit uns verwandt und stammt auch nicht von unserer Familie ab.«

In seiner Presseerklärung beschreibt das Fürstenhaus ausführlich, warum es der Auffassung ist, dass der Verstorbene nicht zur Adelsfamilie gehört. Durch die Heirat der Ex-Frau eines Hohenzollern-Prinzen habe Tom Harald Krüger deren Nachnamen angenommen.

Um zu verstehen, wie der Diamantenhändler Prinz Harald von Hohenzollern-Emden seinen Namen rechtfertigt, ist ein Blick in die Geschichtsbücher nötig. Als Mitglied der kaiserlichen Marine erhielt der Zwillingsbruder des Sigmaringer Fürsten Friedrich Viktor (1891-1965) das Recht, den Namenszusatz Emden zu tragen. Franz Joseph Prinz von Hohenzollern machte von diesem Recht Gebrauch und vererbte den Namen Hohenzollern-Emden an seine Nachkommen weiter.

Sein Enkel Carl Alexander Prinz von Hohenzollern-Emden heiratete 1991 die 30 Jahre ältere Angela Stölzle, die daraufhin den Namen Prinzessin von Hohenzollern trug. 1997 wurde die Ehe geschieden.

Angela Prinzessin von Hohenzollern, geborene Stölzle, heiratete später Tom Harald Krieger, einen in München geborenen Diamantenhändler, der in Namibia lebte und mit der Eheschließung ihren Nachnamen annahm.

Josefa, die den angeheirateten Namen Hohenzollern rechtlich korrekt trägt, war schon unter ihrem Mädchennamen Schmid als niederbayrische Bürgermeisterin ihres Heimatortes Kollnburg eine Frau, die gerne von sich reden machte, indem sie Kommunalpolitik und Boulevard vermischte.

Singende Bürgermeisterin

2008 wurde die damalige CSU-Politikerin zur Bürgermeisterin gewählt. 2013 produzierte sie als »singende Bürgermeisterin« einen Musikclip, in dem sie eine Coverversion von Rainhard Fendrichs »Weus ’d a Herz hast wia Bergwerk«. Für Aufsehen sorgte nicht nur der Clip, in dem die damalige Bürgermeisterin im Dirndl durch die Landschaften des Bayrischen Waldes wandelt und im See badet, sondern auch ein Streit mit dem Musikverlag. Dieser war der Meinung, dass es sich um Wahlkampfwerbung handelte, bei der die Zustimmung des Rechteinhabers nötig gewesen wäre.

Nach tagelangem Streit kam es zu einer Einigung, dass der Clip wieder auf Youtube hochgeladen werden durfte, nachdem der Hinweis auf das Bürgermeisteramt der Sängerin entfernt wurde. Später wechselte Schmid zum Swing. Als Komparsin wirkte sie 2011 und 2012 zudem in einem Kinofilm und einer ZDF-Krimikomödie mit.

Datinganzeige im Ärzteblatt

Nach Streitigkeiten mit der CSU, die ihr mit einem Parteiausschlussverfahren gedroht hatte, nachdem sie 2011 bei einer Landratswahl gegen den offiziellen Parteikandidaten angetreten war, trat sie 2012 aus der CSU aus und wechselte zu den Liberalen. Im August 2019 sorgte sie mit einer Anzeige im Deutschen Ärzteblatt für Aufsehen. Darin stand der Hinweis, dass die Bürgermeisterin der Gemeinde noch zu haben sei. Immerhin erfolgreich für die Gemeinde war die ungewöhnliche Landarztsuche – es siedelte sich daraufhin ein Landarzt an. Für die Bürgermeisterin lief die Aktion weniger gut – sie verlor ihr Amt im März 2020 in einer Stichwahl gegen den Kandidaten der Freien Wähler mit 44,9 Prozent zu 55,1 Prozent, nachdem sie 2014 noch mit 51,97 Prozent gegen einen CSU-Kandidaten ihr Amt verteidigt hatte.

Im November 2020 kandidierte die inzwischen verwitwete Hohenzollern-Prinzessin als Finanzbürgermeisterin in Leonberg. Nach dem sie im ersten Wahlgang nur Dritte geworden war, zog der präferierte Kandidat des Gemeinderats zurück. Es musste neu gewählt werden und die Bayerin war die einzige verbliebene Kandidatin. Nach zwei Jahren im Amt wurde sie von ihrem Chef nach einer monatelangen Schlammschlacht suspendiert. Ob sie als Mutter eines Säuglings und Witwe den Chefsessel im Rathaus übernimmt, wird sich bei den Oberbürgermeisterwahlen im September zeigen. (GEA)