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Frauen zünden Männer an: Zwei Prozesse gestartet

Die eine soll ihren Freund mit brennbarer Flüssigkeit überschüttet und dann ein Feuerzeug gezückt haben. Die andere soll zum Schein auf den Wunsch nach Sex eingegangen sein und ihren Chef dann angezündet haben. Nun stehen beide Frauen wegen versuchten Mordes vor Gericht.

Landgericht Heilbronn
Ein Schild weist auf das Landgericht Heilbronn hin. Foto: Marijan Murat
Ein Schild weist auf das Landgericht Heilbronn hin.
Foto: Marijan Murat

Zwei Prozesse - zwei Frauen, die mutmaßlich Männer angezündet haben: In Baden-Württemberg hat sich die Justiz am Freitag mit gleich zwei ähnlichen Fällen beschäftigt, die sonst eher selten verhandelt werden.

Eine vor dem Landgericht Heilbronn angeklagte Frau soll den Kopf und Oberkörper ihres Freundes mit etwa 80 Milliliter Brennspiritus übergossen und ihn dann mit einem Feuerzeug angezündet haben. Die 41-Jährige habe den Mann im Oktober des vergangenen Jahres in ihrer Wohnung in Freudental (Kreis Ludwigsburg) überraschend angegriffen, sagte der Staatsanwalt. Er wirft der Frau versuchten Mord mit gefährlicher Körperverletzung vor. Sie sitzt in Untersuchungshaft.

Die 41-Jährige versuchte, das Opfer »heimtückisch« zu töten, wie der Staatsanwalt sagte. Am Kopf, Oberkörper und Hals soll der 52-Jährige massive Brandverletzungen erlitten haben. Es seien zehn Prozent der Hautoberfläche betroffen. Schon vor dem Vorfall habe die Angeklagte den Mann mehrfach attackiert. Sie sei mit ihm befreundet oder sogar liiert gewesen, informierte die Staatsanwaltschaft.

Im Ermittlungsverfahren habe die Angeklagte die Tatvorwürfe bestritten, teilte ein Gerichtssprecher mit. Die Aussagen der Frau seien nicht besonders glaubhaft gewesen. Der Richter appellierte am Freitag an die Frau: »Gehen Sie noch einmal in sich!« Am 12. Mai soll der Prozess fortgesetzt werden. Dann ist geplant, die Angeklagte und das Opfer zu befragen.

Vor dem Landgericht Heidelberg wird einer 43-Jährigen ebenfalls versuchter Mord vorgeworfen. Aus finanzieller Not heraus soll sie versucht haben, ihren Chef und Gläubiger bei lebendigem Leib zu verbrennen. Die Frau war laut Anklage mutmaßlich seit dem Jahr 2020 finanziell von dem Mann abhängig. Er soll ihr angeboten haben, die Schulden für sexuelle Dienstleistungen zu erlassen. Um wie viel Geld es ging, blieb zunächst unklar. Am Freitag wurde zum Prozessbeginn nur die Anklage verlesen. Für alles weitere bleibe der Verlauf der Hauptverhandlung abzuwarten, teilte eine Gerichtssprecherin mit.

Nachdem die Angeklagte in den Büroräumen ihres Chefs in Neidenstein (Rhein-Neckar-Kreis) 5000 Euro von dessen Konto auf ihr eigenes überwiesen hatte, befürchtete sie, bald entdeckt und erneut zu sexuellen Kontakten aufgefordert zu werden. Die Frau ging im Herbst laut Anklage zum Schein auf den Wunsch nach Sex ein und legte dem Vorgesetzten Fesseln und eine Augenbinde an. Anschließend versuchte sie, ihn mit brennbarem Material - Altpapier und Decken - anzuzünden. Auch habe sie den eigenen Flammentod geplant.

Der Geschädigte hatte den Brand den Angaben zufolge bemerkt und seine Fesseln gelöst. Beim Löschen des Feuers mit bloßen Händen soll er sich Brandverletzungen zweiten Grades zugezogen haben. Die Frau ist derweil in einer Psychiatrie untergebracht, wie die Sprecherin sagte.

Frauen sind in Baden-Württemberg bei sogenannten Straftaten gegen das Leben deutlich seltener verdächtig als Männer, wie aus einer Statistik des Innenministeriums hervorgeht. Demnach gab es im vergangenen Jahr 391 männliche, aber nur 94 weibliche Verdächtige. Auch in den Jahren zuvor wurden deutlich mehr Männer als Frauen verdächtigt, Straftaten gegen das Leben begangen zu haben.

© dpa-infocom, dpa:220428-99-83358/6