Inmitten von turbulenten Tagen bei Eintracht Frankfurt wollte selbst der überaus motivierte und engagierte Interimscoach Dennis Schmitt mal etwas klarstellen. »Wir sind ja jetzt in keiner dramatischen Situation. Man hat manchmal das Gefühl, wir stehen kurz vor dem Abstiegsplatz. Ich glaube, der Verein hat schon deutlich schlechtere Phasen erlebt«, sagte der 32-Jährige bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim (Samstag, 15.30 Uhr/Sky).
Zuletzt viermal drei Gegentore
Schon 39 Gegentore in der Bundesliga, 2026 mit nunmehr konstant drei Gegentore in jedem der vier Pflichtspiele, die Trennung von Trainer Dino Toppmöller, das Champions League-Aus bei FK Karabach Agdam in Aserbaidschan. Kein Wunder, dass viele Eintracht-Fans und -Experten derzeit weder ein noch aus wissen.
Zumal eine Niederlage gegen die formstarken Hoffenheimer ein weiterer herber Rückschlag für den Tabellensiebten im Kampf um einen internationalen Platz wäre. Man müsse all das nicht überdramatisieren, so Schmitt mit betonter Ruhe in der Stimme. »Aber wir müssen trotzdem klar sagen, dass das, was die letzten Wochen passiert ist, nicht unser Anspruch ist.«
Einzelgespräche im Flieger
So hatte Vorstandssprecher Axel Hellmann bereits in seiner Winterpausen-Kritik betont: »Unser Brot- und Butter-Geschäft ist die Bundesliga, unser Brot- und Butter-Geschäft ist die Qualifikation für europäische Wettbewerbe: Conference League, Europa League und im wundervollsten Fall die Champions League.«
Der bisherige U21-Verantwortliche Schmitt leitete am Freitag seine dritte Trainingseinheit bei den Profis, hatte zuvor im Flieger von Baku nach Hause viele Gespräche mit den Spielern geführt. Er spricht von »kleinen Schritten« und »Stellschrauben«, an denen gedreht werde, von »Mustern«, die aufgebrochen werden müssten, und »klaren Lösungen«, die aufgezeigt werden sollen. Jedenfalls ist Schmitt »sehr, sehr optimistisch« und betonte: »Wir haben eine gute Mannschaft, die unser volles Vertrauen hat.«
»Schreie nicht alle aus einem Meter an«
Auf die Rolle des Einpeitschers will der gebürtige Aschaffenburger natürlich nicht reduziert werden, auch wenn er bei seinem ersten Auftritt in der Königsklasse an der Seitenlinie aufdrehte. »Ich kann Ihnen versichern, dass ich da jetzt nicht durch die Kabine laufe und alle aus einem Meter anschreie, sondern wir besprechen die inhaltlichen Dinge klar und sachlich«, erklärte Schmitt. »Trotzdem gehören Emotionen dazu.«
Für ihn könnte nach seiner Bundesliga-Premiere gleich wieder Schluss sein auf der großen Bühne, denn die Suche nach einem Nachfolger von Toppmöller geht weiter. Ein Kandidat bleibt der Ex-Leipziger Marco Rose. »Bis auf weiteres ist das Trainerteam erst mal in der Verantwortung. Alles andere wird man sehen«, hatte Sportvorstand Markus Krösche zuletzt gesagt.
Die Trainerdiskussion will Schmitt komplett ausblenden. »Ich habe so viele Themen auf dem Tisch gehabt, dass ich da relativ kurz gekommen bin. Es geht um den Verein, nicht um mich. Punkt«, sagte er, ergänzte aber nach einer Atempause doch: »Ich werde bis zu letzten Sekunde alles reinhauen. Alles andere kann ich nicht beeinflussen.«
Zwei Neuzugänge dabei
Gegen die Hoffenheimer, die seit fast zehn Jahren nicht mehr in Frankfurt gewonnen haben, aber als Tabellendritter kommen, kann Schmitt die Winter-Neuzugänge Arnaud Kalimuendo und Ayoube Amaimouni-Echghouyab einsetzen, die in der Königsklasse nicht spielberechtigt waren.
Schmitt baut gegen den formstarken Tabellendritten auch auf die Fans im Deutsche Bank Park: »Wenn der Funke kommt, dann werden uns 50.000 unterstützen und auch die Hoffenheimer überrascht sein, wie viel Wucht da kommt.«
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