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Krieg gegen die Ukraine: So ist die Lage

Bei einem russischen Angriff kommt auch ein erst wenige Wochen altes Baby um Leben. Die Rufe nach deutschen Marschflugkörpern werden unterdessen immer lauter. Die aktuellen Entwicklungen im Überblick.

Ukraine-Krieg
Ein ukrainischer Soldat beobachtet, wie ein Grad-Mehrfachraketenwerfersystem in der Nähe von Bachmut Raketen abfeuert. Foto: LIBKOS/DPA
Ein ukrainischer Soldat beobachtet, wie ein Grad-Mehrfachraketenwerfersystem in der Nähe von Bachmut Raketen abfeuert.
Foto: LIBKOS/DPA

Bei russischen Artillerieangriffen im Süden der Ukraine sind sieben Menschen getötet worden, darunter auch ein erst gut drei Wochen altes Baby. Eine vierköpfige Familie mit Vater, Mutter, einem Zwölfjährigen und einem 23 Tage alten Baby sei beim Beschuss des Dorfes Schyroka Balka im Gebiet Cherson ums Leben gekommen, teilte Innenminister Ihor Klymenko auf Telegram mit.

Im benachbarten Dorf Stanislaw wurden Behördenangaben zufolge zwei weitere Erwachsene getötet. Mittlerweile sind dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine mindestens 500 Kinder zum Opfer gefallen, rund 1100 weitere wurden verletzt, wie die Generalstaatsanwaltschaft in der Hauptstadt Kiew mitteilte.

Kiew wirbt weiter um deutsche Marschflugkörper

Die Ukraine machte unterdessen weiter Druck auf die Bundesregierung, deutsche Taurus-Marschflugkörper für die Verteidigung gegen Russland zu liefern. Die Ukraine brauche diese, »um mehr Leben ukrainischer Soldaten und Zivilisten zu retten und um die Befreiung ihrer Gebiete zu beschleunigen«, sagte Außenminister Dmytro Kuleba der »Bild am Sonntag«. »Die Formel ist einfach: Eine größere Reichweite der Raketen bedeutet eine kürzere Dauer des Krieges.«

Mit der Waffe könne die Ukraine »die russischen Besatzungstruppen auf ukrainischem Boden weit über die Frontlinie hinaus erreichen, ihre Logistik stören und Kommandozentralen und Munitionsdepots zerstören«.

Scholz zurückhaltend zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern

Auch in Deutschland forderten Politiker aus den Regierungsparteien und der Opposition, den ukrainischen Streitkräften das für die Zerstörung von Bunkern und geschützten Gefechtsständen auf bis zu 500 Kilometer Entfernung geeignete Waffensystem zu überlassen. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) äußerte sich allerdings zunächst zurückhaltend. Wie in der Vergangenheit werde die Bundesregierung jede einzelne Entscheidung immer sehr sorgfältig überprüfen, sagte er im ZDF-»Sommerinterview« der Sendung »Berlin direkt«.

Scholz betonte, Deutschland sei das Land, das nach den USA die Ukraine am meisten unterstütze. »Wir machen das vor allem mit Panzern, mit Artillerie. Wir haben das gemacht mit sehr viel Luftverteidigung.« Scholz verwies darauf, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Deutschland am Samstag für die beiden weiteren Abschussrampen des Flugabwehrsystems Patriot gedankt habe.

Befürworter einer Lieferung von Marschflugkörpern vom Typ Taurus sehen darin einen weiteren Schritt, um die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine zu stärken. Kritisch diskutiert wird, ob und wie dabei mögliche Schläge gegen russisches Staatsgebiet mit Hilfe des deutschen Waffensystems verhindert werden können.

Rheinmetall liefert Aufklärungsdrohnen an die Ukraine

Einigkeit herrschte hingegen über die Lieferung von Drohnen. Im Auftrag der Bundesregierung soll der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall »Luna NG«-Aufklärungsdrohnen an die ukrainischen Streitkräfte liefern, wie ein Firmensprecher bestätigte. Die Auslieferung werde bis Jahresende erfolgen, das Auftragsvolumen nannte er nicht. Zuvor hatte die »Bild am Sonntag« berichtet.

Die Drohnen sind nicht bewaffnet, können aber mehrere Hundert Kilometer weit fliegen und die Kommunikation des Feindes abhören oder stören. Auch Lkw, die zum Bodentransport genutzt werden, werden geliefert.

Scholz: Gespräche über Friedenslösung für Ukraine fortsetzen

Bundeskanzler Olaf Scholz plädierte im »Sommerinterview« der ZDF-Sendung »Berlin direkt« für weitere internationale Gespräche über Wege zu einem Ende des Kriegs. Ein Treffen in Saudi-Arabien vom vergangenen Wochenende sei »sehr wichtig« gewesen, sagte er. Es hätten mehr Länder teilgenommen als an ähnlichen Treffen zuvor, darunter auch China. »Deshalb macht es Sinn, dass wir diese Gespräche fortsetzen, weil sie ganz konkret den Druck darauf erhöhen, dass Russland einsieht, dass es einen falschen Weg eingeschlagen hat und Truppen zurückziehen muss, und ein Frieden möglich wird«, sagte er.

Russisches Militär meldet Abschüsse von Drohnen

In den Regionen Kursk und Belgorod an der Grenze zur Ukraine schossen die russischen Streitkräfte eigenen Angaben zufolge insgesamt vier ukrainische Drohnen ab. Es habe keine Schäden oder Verletzte gegeben, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Angaben waren nicht unabhängig zu verifizieren. In den vergangenen Wochen waren mehrere mutmaßlich ukrainische Kampfdrohnen bis in die russische Hauptstadt Moskau geflogen und hatten dort Sachschaden angerichtet.

Medien: Drohnenangriff auf Krim galt russischem Truppenstützpunkt

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf der von Moskau besetzten Krim wurde laut einem Medienbericht ein Logistikstützpunkt der russischen Truppen in der Nähe von Jewpatorija im Westen der Schwarzmeer-Halbinsel getroffen. Bei dem Angriff seien 17 Drohnen zum Einsatz gekommen, berichtete das Internetportal »Ukrajinska Prawda« am Samstagabend unter Berufung auf Quellen beim ukrainischen Geheimdienst SBU. Nach vorläufigen Angaben seien »Dutzende von Besatzern« getötet oder verletzt worden. Das russische Verteidigungsministerium hingegen teilte mit, 20 Drohnen seien abgewehrt worden. Es habe weder Opfer noch Schäden gegeben. Die Angaben der Kriegsparteien ließen sich nicht unabhängig prüfen.

Explosionen an Krim-Brücke

An der Brücke von Kertsch zwischen dem russischen Festland und der bereits 2014 von Moskau völkerrechtswidrig annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim kam es erneut zu Explosionen. Die russische Luftabwehr habe am Samstag zwei feindliche Raketen abgeschossen, teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter der Halbinsel, Sergej Aksjonow, auf Telegram mit.

»Die Krim-Brücke ist nicht beschädigt«, schrieb er. Unabhängig überprüfen ließ sich das zunächst nicht. In sozialen Netzwerken wurden derweil Fotos und Videos veröffentlicht, die hohe Rauchsäulen an der für Russland strategisch wichtigen Brücke zeigten.

© dpa-infocom, dpa:230813-99-820636/10