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HRW: Kramatorsk-Anschlag war mutmaßliches Kriegsverbrechen

Mindestens 58 Menschen wurden getötet, als eine Rakete auf einem Bahnhof im April 2022 in Kramatorsk einschlug. Human Rights Watch hat Hintergründe zu dem Vorfall gesammelt - und einen Verdacht bestätigt.

Kramatorsk
Gedenken: Blumen und Spielzeuge liegen nach dem Raketeneinschag im April 2022 am Bahnhof in Kramatorsk. Foto: Andriy Andriyenko
Gedenken: Blumen und Spielzeuge liegen nach dem Raketeneinschag im April 2022 am Bahnhof in Kramatorsk.
Foto: Andriy Andriyenko

Im Fall des Raketeneinschlags auf einem Bahnhof mit wartenden Flüchtlingen im Osten der Ukraine im vergangenen April sieht die Organisation Human Rights Watch den Verdacht eines russischen Kriegsverbrechens bestätigt.

Russland habe mit Streumunition Dutzende Menschen, die vor den Kämpfen in der Region fliehen wollten, getötet und damit gegen das Kriegsrecht verstoßen, teilte HRW heute in Kiew mit. »Der Angriff stellt ein mutmaßliches Kriegsverbrechen dar«, hieß es in der Mitteilung zu der veröffentlichten großen Studie zu dem Fall. Russland bestreitet, die Rakete am 8. April abgefeuert zu haben.

Mindestens 58 Tote und mehr als 100 Verletzte

Damals standen Hunderte Menschen auf dem Bahnhof, als die Rakete einschlug. Russland hatte behauptet, die ukrainischen Streitkräfte selbst seien das gewesen. Mindestens 58 Menschen starben und mehr als 100 wurden verletzt. »Russlands Einsatz einer dezidiert wahllos wirkenden Waffe in einem bekanntermaßen wichtigen Evakuierungszentrum sollte untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden«, hieß es in der Mitteilung.

Demnach analysierten die Experten auch Satellitenaufnahmen und suchten die Stelle auf, von der aus die russischen Truppen die Rakete abgefeuert haben sollen. Dort seien auch Beweise gesichert worden. Die ukrainischen Streitkräfte hatten die Region verteidigt und haben Kramatorsk bis heute unter ihrer Kontrolle. Russland hingegen hat angekündigt, die gesamte Region Donezk einnehmen zu wollen. Unter Verstoß gegen Völkerrecht hatte der russische Präsident Wladimir Putin das Gebiet Donezk sowie die Regionen Luhansk, Cherson und Saporischschja im Herbst annektiert.

HRW kritisiert den Einsatz von Streumunition. »Streumunition öffnet sich in der Luft und verteilt Dutzende oder sogar Hunderte Einheiten kleiner Submunition über ein großes Gebiet.« Dem Abkommen über das Verbot von Streumunition sind Russland und die Ukraine bisher nicht beigetreten. HRW hatte nicht nur den Einsatz von Streumunition durch Russland beklagt. »Auch die ukrainischen Streitkräfte haben mutmaßlich mehrfach Streumunitionsraketen eingesetzt«, hieß es.

© dpa-infocom, dpa:230221-99-676579/2