Logo
Aktuell Ausland

Fröstelnde Diplomaten - die UN fahren die Heizung runter

Dicke Pullis und Schals in der UN-Zentrale am East River: Die Vereinten Nationen haben ein Geldproblem - und machen Einschnitte.

UN
Der Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Foto: Michael Kappeler/DPA
Der Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York.
Foto: Michael Kappeler/DPA

Geldsorgen zwingen die Vereinten Nationen zum Sparen - das merken die Diplomaten nun auch am eigenen Leib. Anfang Februar ordnete UN-Generalsekretär António Guterres an, die Heizung in der berühmten UN-Zentrale am New Yorker East River etwas herunterzufahren. In dem internen Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, sind eine Reihe von Sparmaßnahmen beschrieben. Eine davon: Die Heizung muss fortan von rund 22 auf etwa 21 Grad Celsius heruntergesetzt werden. Es ist ein wohl eher symbolischer Unterschied, doch im zugigen Hochhaus mit Tausenden Beschäftigten kommt es schon zu Veränderungen bei der Kleiderwahl. 

Weil es in einigen Konferenzräumen frisch ist, tragen viele Angestellte nun dicke Pullis zur Arbeit. »Wir versuchen sicherzustellen, dass wir über genügend Liquidität verfügen, um die Grundversorgung sicherzustellen«, sagte Guterres-Sprecher Stephane Dujarric am Mittwoch. Der Schal, den er jüngst bei einer Pressekonferenz getragen habe, sei keine Requisite. Er trage ihn, »weil mir kalt ist«, so Dujarric. Auch andere UN-Mitarbeitende beklagen sich über kühle Räume und kalte Finger, gehen ansonsten aber ihrer Arbeit wie gewöhnlich nach.

Grund für die Sparmaßnahmen sind Zahlungsrückstände von UN-Mitgliedsländern. Der Mangel an Barmitteln habe »aggressive Maßnahmen« notwendig gemacht, wie es bei den UN heißt. Sonst drohe das Geld bis August auszugehen. 2023 seien nur etwa 82 Prozent der Mitgliedsbeiträge eingegangen, lediglich 142 von 193 Ländern hätten vollständig bezahlt. 

Deutschland hat bereits gezahlt

Am schwersten wiegt dabei der ausbleibende Beitrag der Vereinigten Staaten: Etwa eine Milliarde US-Dollar schuldet Washington den UN unter anderem wegen Haushaltsproblemen im Kongress für die Jahre 2023 und 2024. Das gesamte UN-Budget mit Ausnahme der Gelder für Friedenseinsätze liegt bei mehr als drei Milliarden Dollar. Deutschland hat seinen Beitrag für 2024 von über 190 Millionen Dollar als viertgrößter Zahler bereits beglichen.

Die UN sind oft klamm und müssen sich zwischenzeitlich Geld leihen, um späte Beitragszahlungen auszugleichen. Doch 2023 gingen die geringsten Zahlungen seit fünf Jahren ein, was nicht nur zu eingeschränkten Neueinstellungen führt. Auch Arbeitszeiten von Sicherheitspersonal an einigen Eingängen sowie von Übersetzerinnen und Übersetzern wurden eingeschränkt, was auch zu Änderungen im täglichen Betriebsablauf im UN-Hauptquartier führt.

Die Zahl der wöchentlichen Veranstaltungen wurde dem Schreiben zufolge ebenfalls eingeschränkt. Auch bei einem wichtigen Treffen des Weltsicherheitsrates am Freitag mit Außenministerin Annalena Baerbock wurde die Zeit bis 18 Uhr begrenzt, weswegen nicht alle interessierten Nationen bei der Sitzung sprechen können.

© dpa-infocom, dpa:240222-99-78982/2