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Sehvermögen lässt nach: Sonde »Euclid« muss enteist werden

Dass Eis die Sicht beeinträchtigt, kann auch im Weltall passieren. Wissenschaftler versuchen mit ausgetüftelten Verfahren, die Optik der Sonde »Euclid« von vereistem Wasser zu befreien.

Weltraumteleskop »Euclid«
Ein computergeneriertes Bild des Weltraumteleskops »Euclid«. Um die Sicht zu verbessern, muss sie nun enteist werden. Foto: ATG/DPA
Ein computergeneriertes Bild des Weltraumteleskops »Euclid«. Um die Sicht zu verbessern, muss sie nun enteist werden.
Foto: ATG/DPA

Die europäische Sonde »Euclid« zur Erforschung von Dunkler Materie und Dunkler Energie im All hat Sehprobleme: Hauchdünne Schichten vereisten Wassers auf den Spiegeln des Weltraumteleskops beginnen, dessen Sicht zu beeinträchtigen, wie die europäische Raumfahrtagentur Esa mitteilte.

Nach monatelanger Forschungsarbeit testen »Euclid«-Teams in Europa demnach nun ein neu entwickeltes Verfahren, um die Optik zu enteisen. So sollen einzelne Teile des Weltraumfahrzeugs mit den bordeigenen Heizungen erwärmt werden. Es wäre zwar einfacher, die gesamte Sonde zu erhitzen, um sie von gefrorenem Wasser zu befreien. Dies berge aber das Risiko, dass sich wichtige Bestandteile ausdehnen und nicht exakt in ihre ursprüngliche Form zurückkehren - das könne die Ausrichtung »Euclids« geringfügig verändern. Um die wissenschaftlichen Ziele der Mission zu erreichen, sei äußerste Präzision geboten.

Esa will Daten über Milliarden Galaxien sammeln

Dass das Sehvermögen des Teleskops nachgelassen hat, haben die Wissenschaftler laut der Mitteilung daran gemerkt, dass einfallendes Sternenlicht im Vergleich zu früheren Messungen schwächer geworden ist. Es sei ein bekanntes Problem, dass Wasser, das beim Zusammenbau eines Raumfahrzeugs auf der Erde aus der Luft aufgenommen werde, nach und nach im Weltraum freigesetzt werde.

Die Sonde »Euclid« war im Juli 2023 in den Weltraum gestartet. Herzstück ist ein hochauflösendes Teleskop, das mit zwei Kameras ausgestattet ist - eine für den sichtbaren Wellenlängenbereich und eine für den Nah-Infrarotbereich. Sie sollen die Bewegungen und Formen von Galaxien abbilden beziehungsweise dabei helfen, auf die Entfernung von Galaxien zu schließen.

Die Esa will so einen Blick in die Vergangenheit des Universums werfen und dessen Entwicklung innerhalb der letzten zehn Milliarden Jahre erforschen. Insgesamt sollen Daten zu Milliarden Galaxien gesammelt werden und eine 3D-Karte des Alls mit der Zeit als Komponente entstehen.

Dunkle Materie und Dunkle Energie bilden zusammen einen extrem großen Anteil am Universum. Alle anderen bekannten Bestandteile wie die Galaxien machen lediglich etwa fünf Prozent aus. Bisher wissen Forscherinnen und Forscher aber nur wenig über die beiden Größen. »Euclid« soll der Esa zufolge die Form, Position und Bewegung der Galaxien detailliert aufzeichnen.

© dpa-infocom, dpa:240319-99-391990/4