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Ex-Astronaut Walter: Bemannte Mars-Landung Ende 2030 möglich

Wann fliegen Menschen zum Mars? Könnte uns ein Asteroid treffen? Wie können Roboter Senioren unterstützen? Dem Ex-Astronauten Ulrich Walter gehen die Themen auch mit 70 Jahren nicht aus.

Ulrich Walter
Die Faszination der Raumfahrt hat Ulrich Walter nie losgelassen. Foto: Henning Kaiser/DPA
Die Faszination der Raumfahrt hat Ulrich Walter nie losgelassen.
Foto: Henning Kaiser/DPA

Vor gut 30 Jahren flog er an Bord der »Columbia« ins All. Nun gibt er Reisetipps für Weltraumtouristen, erklärt in Kolumnen, TV-Sendungen und Büchern Phänomene wie den Urknall und Schwarzer Löcher sowie die Möglichkeit außerirdischen Lebens.

Der Physiker und frühere Astronaut Ulrich Walter sieht seine Mission heute auf der Erde: in der Aufbereitung komplexer wissenschaftlicher Fragen für die Allgemeinheit. Am 9. Februar wird Walter, der im Ruhestand weiter am Lehrstuhl der Technischen Universität in München lehrt, 70 Jahre alt.

Mit seinen Doktoranden arbeitet er derzeit an der Verbindung von KI und Robotik. Die Berechnung der Bahn von Asteroiden sowie der Wahrscheinlichkeit eines Einschlags auf der Erde und entsprechende Abwehrsysteme sind ein Schwerpunkt; Satellitensysteme der Zukunft und Systeme zum künftigen Leben auf Mond und Mars weitere. Ende der 2030er-Jahre rechnet Walter mit der Möglichkeit eines Fluges zum Roten Planeten.

»Mich interessiert: Wie tickt die Welt?«

Die Themen gehen Ulrich Walter nicht aus. »Ich bin von Hause aus Physiker. Aber mich interessiert jegliche Wissenschaft, nicht nur Raumfahrttechnik oder Physik«, sagt er. »Mein Interesse gilt eigentlich dem ganzen Leben. Mich interessiert: Wie tickt die Welt?«

An der Uni will er sich künftig etwas zurückziehen. »Die wirkliche Forschung werde ich ein bisschen zurückschrauben.« Seinen Lehrstuhl werde er in absehbarer Zeit einem Nachfolger übergeben. Und dann mehr Zeit haben für seine andere Berufung: »Wissenschaft populärwissenschaftlich näherzubringen: Das ist mein Projekt, da freue ich mich drauf.«

Dutzende Schriften und Bücher hat er bereits veröffentlicht, darunter Titel wie »Reiseziel Weltraum«, der Spiegel-Bestseller »Im schwarzen Loch ist der Teufel los« und sein neuester Bildband »Origins - Der Ursprung des Lebens«. Seit 2016 nimmt er bei Welt in der TV-Doku-Serie »Spacetime« sein Publikum mit auf die Reise ins All. Oft meldeten sich dann Zuschauer oder Zuhörer: »Ich habe es jetzt endlich verstanden«, sagt Walter. »Das ist eigentlich das wirklich Schöne an meiner Arbeit.«

»Der Blick auf die Erde ist grandios«

Walter ist einer von zwölf Deutschen, die bisher ins All geflogen sind. Geboren in Iserlohn, studierte er in Köln Physik. 1985 ging Walter in die USA, wo er am Argonne National Laboratory und an der Berkeley Universität arbeitete. 1988 bewarb sich der Vater zweier Töchter mit rund 1800 anderen Interessenten als Astronaut - und wurde ausgewählt. Fünf Jahre später brach er an Bord der Raumfähre "Columbia" in Richtung Erdumlaufbahn auf. Die Schwerelosigkeit zog ihn in den Bann - und das Panorama: »Der Blick auf die Erde ist grandios«, sagte er einmal.

Die Faszination der Raumfahrt hat ihn nie losgelassen. Könnte er noch einmal ins All, wäre sein bevorzugtes Reiseziel der Mond - noch vor einem relaxten Aufenthalt in einem Weltraum-Hotel. Mit dem nächsten bemannten Flug zum Erdtrabanten rechnet er etwa 2027 - um dieselbe Zeit könnte ein erstes Space-Hotel für Touristen eröffnen, glaubt er.

Den ultimativen Weltraumtrip, den er sich selbst wünschen würde, hat Walter in seinem Weltraum-Guide »Reiseziel Weltraum«, beschrieben: »Am 9. Juni 2123 auf dem Mond stehen und das einmalige Schauspiel dort erleben.« Dann werde die Sonne hinter der Erde verschwinden und Punkt 5.55 Uhr hinter ihr stehen. Vom Mond aus werde die Erde dann mit einem blutroten Lichtkranz erstrahlen. Eine Erdfinsternis. Die Weltraumtouristen des nächsten Jahrhunderts haben vielleicht die Chance, sie zu sehen.

© dpa-infocom, dpa:240204-99-863234/5