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Warum alkoholfreier Wein für viele Winzer unrentabel ist

Alkoholfreier Wein wird immer beliebter, doch für viele Winzer ist die Produktion noch zu aufwendig. Auch der Geschmack spielt eine Rolle.

Alkoholfreier Wein
Alkoholfreier Wein steht bei einem Händler im Regal. Immer mehr Weingüter, Winzergenossenschaften und Handelskellereien bieten entalkoholisierte Weine an. Foto: Oliver Berg/DPA
Alkoholfreier Wein steht bei einem Händler im Regal. Immer mehr Weingüter, Winzergenossenschaften und Handelskellereien bieten entalkoholisierte Weine an.
Foto: Oliver Berg/DPA

Die Produktion von alkoholfreiem Wein lohnt sich Experten zufolge bisher für viele Winzer nicht. »Auch wenn der Markt für alkoholfreie Weine aktuell deutlich wächst, ist es noch ein Nischenprodukt, das in der öffentlichen Wahrnehmung eine größere Rolle spielt, als der tatsächliche Marktanteil wiedergibt«, sagte ein Sprecher vom Deutschen Weinbauverband. Der Anteil liege bei überschaubaren rund 0,5 Prozent. 

Für die Winzer sei die Sortimentsergänzung zwar schön, aber kostspielig. »Die Produktionskosten sind noch hoch, man muss eine sogenannte Entalkoholisierungsanlage kaufen oder einen Anbieter finden, der eine hat.« Solche Anlagen seien vor allem bei großen Betrieben zu finden. »Teilweise gibt es auch Gemeinschaftsprojekte, bei denen mehrere Erzeuger zusammen produzieren.« 

Bei der alkoholfreien Variante gebe es zudem einen Prozessschritt mehr im Vergleich zum herkömmlichen Wein. »Das liegt daran, dass man erst einen Grundwein produziert, den man dann entalkoholisieren muss.« Dieser zusätzliche Schritt erhöhe die Kosten. Zudem müsse der Grundwein von hoher Qualität sein, um nachher einen ansprechenden entalkoholisierten Wein zu erhalten. Manche Winzer würden die alkoholfreie Variante zukaufen, um sie im Sortiment zu haben. 

Mindesthaltbarkeitsdatum erhöht Verkaufsdruck 

Doch damit sich das für die Betreiber der Entalkoholisierungsanlagen lohne, müsse man größere Mengen abnehmen, sagte Stephanie Megerle vom Winzerverein Hagnau am Bodensee. Diese Menge müsse erst einmal an den Kunden gebracht werden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum, das es beim normalen Wein in der Form nicht gebe, steigere den Verkaufsdruck und schrecke ein paar Kunden ab. Sie seien es eher gewohnt, Wein länger lagern zu können.

Die Mindesthaltbarkeitsdauer von bis zu drei Jahren fange ab der Produktion an, sagte der Verbandssprecher. »Ich kann den alkoholfreien Wein als Winzer nicht zwei Jahre in meinem Keller lagern, sondern ich sollte ihn zeitnah verkaufen.« 

Wenn irgendwann in größerem Stil produziert werde, dürften sich nach Einschätzung des Experten die Anlagen auch mehr rentieren. »Insgesamt bleibt es ein Nischenprodukt, das wir fördern sollten - denn sonst verlieren wir diese Käuferschicht.« 

Der Markt sei wachsend. Die Nachfrage dürfte laut Verband auch weiter anziehen, weil der Alkoholkonsum insgesamt rückläufig sei. Jeder Winzer sollte sich laut Verband überlegen, ob er aktiv werden möchte. Prickelnder entalkoholisierter Wein, landläufig als alkoholfreier Sekt bezeichnet, sei bei den Konsumenten bereits bekannt und beliebt.

Geschmacklich biete alkoholfreier Wein nicht das gleiche wie traditionelle Rot- oder Weißweine. »Das ist anders als beim alkoholfreien Bier oder Sekt, wo die Kohlensäure hilft.« Als Verbraucher dürfe man nicht mit den gleichen Erwartungen rangehen. 

Alkohol als Geschmacksträger 

Alkohol sei ein Geschmacksträger. Man müsse schauen, wie man die Produkte geschmacklich noch ansprechender gestalte. Die Technik werde sich verbessern. »Die Hochschulen forschen an Verbesserungen der Aromatik und des Geschmacks, das man noch mehr in Richtung Wein kommt«, sagte der Verbandssprecher. 

In Richtlinien der EU sei festgelegt, wie alkoholfreier Wein produziert werde. »Da ist das Verfahren definiert und was zugesetzt werden darf.« Der rechtliche Rahmen sei wichtig gewesen, weil er eine gewisse Qualität garantiere. 

Bei den Menschen habe sich ein großes Gesundheitsbewusstsein entwickelt. »Viele trinken weniger Alkohol oder verzichten ganz darauf.« Die Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen steige seit Jahren kontinuierlich an.

© dpa-infocom, dpa:240317-99-367365/2