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Peking greift Aktienmarkt weiter unter die Arme

Die chinesische Regierung bemüht sich weiter, die Aktienmärkte zu stabilsieren. Das kam gut an, half aber einem Konzern in Schieflage nicht.

Börse in Peking
Die chinesische Wirtschaft hat derzeit große Mühe, nach der Corona-Pandemie wieder zu alter Wachstumsstärke zurückzufinden. Foto: Mark Schiefelbein/DPA
Die chinesische Wirtschaft hat derzeit große Mühe, nach der Corona-Pandemie wieder zu alter Wachstumsstärke zurückzufinden.
Foto: Mark Schiefelbein/DPA

Zur Stützung der zuletzt schwachen Aktienmärkte hat die chinesische Regierung weitere Schritte unternommen. Die Börsenumsatzsteuer auf Aktiengeschäfte werde gesenkt, teilte das chinesische Finanzministerium in der Nacht zum Montag mit.

Die Börsenaufseher des Landes kündigten zudem an, Aktienverkäufe von Großaktionären sowie die Refinanzierungsmöglichkeiten unprofitabler Unternehmen zu beschränken. Bei Börsengängen will die Regierung ebenfalls auf die Bremse treten - hier wurden allerdings keine konkreten Vorhaben genannt. Bei Investoren kam das Maßnahmenpaket gut an.

Die chinesische Wirtschaft hat derzeit große Mühe, nach der Corona-Pandemie wieder zu alter Wachstumsstärke zurückzufinden. Außerdem ringt die Volksrepublik mit einer schweren Krise des Immobiliensektors, die die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft zu ziehen droht. Erst am Freitag hatte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, die chinesische Regierung wolle sich mit gelockerten Kreditbedingungen gegen die Immobilienkrise stemmen.

Evergrande-Aktien fallen um fast 90 Prozent

Die Aktien des notleidenden Immobilienkonzerns Evergrande fielen jedoch bei Wiederaufnahme ihres Handels in Hongkong um 87 Prozent. Das Unternehmen verschob die geplante Gläubigerversammlung wenige Stunden vor deren Beginn auf Ende September. Den Gläubigern solle die Möglichkeit geben werden, die Bedingungen der geplanten Umschuldung zu prüfen, zu verstehen und zu bewerten, hieß es in einer Mitteilung.

Der Handel mit Evergrande-Aktien war 17 Monate lang ausgesetzt, nachdem der Konzern vor knapp zwei Jahren mit Zahlungsausfällen ein Beben am chinesischen Immobilienmarkt ausgelöst hatte.

Unter dem Eindruck der in der Nacht verkündeten Maßnahmen stieg der CSI 300 zeitweise um mehr als 5 Prozent. Der Index bildet die Aktienkurse der größten Unternehmen an den Börsen in Shanghai und Shenzen ab. Zuletzt notierte er noch gut zwei Prozent im Plus. Der Hang-Seng-Index der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong stieg um 1,7 Prozent.

Beschränkungen für Großaktionäre

Die beschlossene Steuersenkung bezieht sich auf die sogenannte Stempelsteuer, die in China auf gehandelte Aktien erhoben wird. Ihre Höhe lag seit 2008 bei 0,1 Prozent des Handelswerts und wurde nun auf 0,05 Prozent halbiert. Die Reduktion kommt zunächst einmal Brokern zugute, aber auch bestimmten Hedgefonds, die auf einen schnellen Umschlag von Positionen setzen. Der Name Stempelsteuer geht auf das früher übliche Abstempeln von Urkunden und Verträgen zurück.

Die von der chinesischen Wertpapieraufsicht angekündigte Beschränkung für Aktienverkäufe von Hauptaktionären gilt unter bestimmten Bedingungen: Falls das Unternehmen in den vergangenen Jahren wenig Dividenden oder gar keine ausgeschüttet hat oder der Aktienwert unter das Niveau des Börsengangs oder unter den Buchwert gefallen ist.

Auch bei der Refinanzierung von Unternehmen greifen diese Schwellenwerte oder falls ein Unternehmen anhaltend Verluste schreibt. Immobilienkonzerne sind angesichts der Krise von dieser Refinanzierungsregel allerdings ausgenommen. Dies sorgte bei den meisten Branchenwerten an der Börse für Erleichterung.

© dpa-infocom, dpa:230828-99-985823/2