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Kein Lichtblick im WEF-Bericht über globale Risiken

Konflikte, Klimawandel, Polarisierung: Es gibt viele globale Risiken. Eine menschengemachte Erfindung droht, alles noch schlimmer zu machen, glauben Risikoanalysten mit Blick auf die nächsten Jahre.

Weltwirtschaftsforum in Davos
Am 15. Januar beginnt das Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos. Foto: Gian Ehrenzeller/DPA
Am 15. Januar beginnt das Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos.
Foto: Gian Ehrenzeller/DPA

Die Welt steht nach Einschätzung von Risikoanalysten, Wirtschaftslenkern und Vertretern der Zivilgesellschaft vor düsteren Zeiten. Fast 1500 Expertinnen und Experten nannten in einer Umfrage des Weltwirtschaftsforums (WEF) den Klimawandel und Naturgefahren, die wachsende Spaltung in vielen Gesellschaften, wirtschaftliche Unsicherheit oder ungewollte Migration. Große Sorge besteht auch vor einem Missbrauch künstlicher Intelligenz, hieß es im WEF-Bericht über globale Risiken.

Ab 15. Januar findet das WEF-Jahrestreffen in Davos statt. Unter den Gästen ist der ukrainische Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. In einer separaten Befragung unter mehr als 11.000 Unternehmern weltweit nannten Teilnehmer in Deutschland als größte Risiken einen Wirtschaftsabschwung, Fachkräftemangel, Energieversorgungsengpässe, Inflation und die Aushöhlung des sozialen Zusammenhalts.

Mit KI lassen sich Fake News leicht herstellen

Die Erwartungen der knapp 1500 Experten sind langfristig noch düsterer als für die nächsten zwei Jahre: Während rund 30 Prozent bis Ende 2025 stürmische oder turbulente Zeiten weltweit erwarten, sind es mit Blick auf die nächsten zehn Jahre 63 Prozent.

Kurzfristig sehen sie die Verbreitung von Falschinformationen als größtes Risiko, auch angesichts von Wahlen etwa in den USA, Großbritannien und Indien. Mit künstlicher Intelligenz (KI) könne gefälschtes Material schnell produziert werden und in Windeseile Unmengen von Wählern erreichen, sagte Carolina Klint von der Beratungsfirma Marsh McLennan. Störaktionen könnten aus dem In- und Ausland kommen. Marsh McLennan hat wie der Finanzdienstleister Zurich Insurance Group an dem Bericht mitgearbeitet.

Mit KI lassen sich zum Beispiel täuschend echt aussehende Videos herstellen, in denen Politiker und andere Prominente vermeintlich Dinge sagen, die sie in Wirklichkeit nie geäußert haben. Das WEF rät zu mehr Aufklärung und Schulungen, damit Menschen sich vor Falschinformationen schützen können.

Über zehn Jahre sahen die Befragten die größten Risiken im Klimawandel und anderen Naturbedrohungen. »Staats- und Regierungschefs der Welt müssen zusammenkommen, um kurzfristige Krisen zu bewältigen und die Grundlagen für eine widerstandsfähigere, nachhaltigere und integrative Zukunft zu schaffen«, sagte WEF-Geschäftsführerin Saadia Zahidi.

© dpa-infocom, dpa:240110-99-548750/4