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Ein weiteres schwieriges Jahr für den Einzelhandel

Die hohe Inflation belastet Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland. Der Einzelhandel bekommt das auch 2023 deutlich zu spüren.

Einzelhandel
Das Statistische Bundesamt hat Zahlen zum Umsatz im Einzelhandel im vergangenen Jahr veröffentlicht. Foto: Jan Woitas/DPA
Das Statistische Bundesamt hat Zahlen zum Umsatz im Einzelhandel im vergangenen Jahr veröffentlicht.
Foto: Jan Woitas/DPA

Die Konsumzurückhaltung der Menschen angesichts der hohen Inflation hat dem Einzelhandel in Deutschland das zweite Jahr in Folge zu schaffen gemacht. Sie verloren einer ersten amtlichen Schätzung zufolge auch 2023 an Umsatz. Bereinigt um Preissteigerungen (real) hatten die Händler 3,1 Prozent weniger in den Kassen als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden berichtete. Einschließlich Preiserhöhungen setzen sie allerdings 2,4 Prozent mehr um als 2022.

Auch wenn es sich um eine Schätzung handele, »zeigen die Zahlen, dass es ein schwieriges Jahr war für viele Einzelhändler«, sagte HDE-Sprecher Stefan Hertel. »Es bleibt die Hoffnung, dass es 2024 besser läuft. Viele Experten gehen davon aus, dass wir bei den Inflationsraten den Höhepunkt überschritten haben.«

Der HDE hatte zuletzt für 2023 einen Umsatz von 649 Milliarden Euro prognostiziert. Das sind nominal zwar drei Prozent mehr als im Vorjahr, entspricht preisbereinigt aber einem Minus von vier Prozent.

Besonders wichtig für die Einzelhändler ist traditionell das Weihnachtsgeschäft. Laut HDE waren viele Unternehmen jedoch unzufrieden mit den Umsätzen im November und Dezember. Demzufolge verlief das Geschäft sogar schlechter als 2022. Einer Umfrage des HDE zufolge war nur jeder sechste Händler zufrieden.

Nach vorläufigen Zahlen der Statistiker lagen die realen Umsätze im November um 2,4 Prozent unter dem Vergleichswert aus dem Vorjahr. Nominal, einschließlich der Preisentwicklung, waren die Erlöse 0,1 Prozent höher als im November 2022.

Weniger Umsatz mit Einrichtungen und im Internethandel

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, diese können sich für einen Euro weniger leisten. Der finanzielle Spielraum der Menschen schrumpft und sie setzen den Rotstift an.

Besonders groß war der reale Umsatzrückgang den vorläufigen Daten zufolge mit 7,3 Prozent zwischen Januar und November bei Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf. Der Internet- und Versandhandel, der während der Corona-Pandemie geboomt hatte, verzeichnete ein Minus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Bei Lebensmitteln bewegten sich die realen Umsätze den Angaben zufolge im Jahresverlauf in etwa auf dem im Vergleich zu den Corona-Jahren niedrigen Niveau des Jahres 2015. Deutlich besser lief es dagegen für Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren mit einem realen Umsatzplus von 3,6 Prozent von Januar bis November.

Das vergangene Jahr war das zweite Jahr in Folge mit realen Umsatzverlusten für den Einzelhandel. Zwar schwächte sich die Inflation im Jahresverlauf ab. Allerdings erreichte die Teuerungsrate mit durchschnittlich 5,9 Prozent den zweithöchsten Wert in einem Gesamtjahr im wiedervereinigten Deutschland. Ein stärkerer Preisanstieg war 2022 mit damals 6,9 Prozent verzeichnet worden.

© dpa-infocom, dpa:240105-99-502246/4