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Unversöhnliche Debatte um Trophäenjagd

Tierschützer kritisieren sie als verwerflich, die Jägerschaft verteidigt Trophäenjagd als Artenschutzbeitrag. Auf der Dortmunder Jagdmesse wird deutlich: Großwildjagd in Afrika ist ein großes Geschäft.

Messe »Jagd und Hund«
Trophäen von Wildtieren auf der Messe »Jagd und Hund« in Dortmund. Foto: Federico Gambarini/DPA
Trophäen von Wildtieren auf der Messe »Jagd und Hund« in Dortmund.
Foto: Federico Gambarini/DPA

Sie werben mit exklusiven Jagderlebnissen in der afrikanischen Wildnis und der Möglichkeit, sogar Elefanten oder Büffel zu schießen. Die Halle 7 der riesigen Publikumsmesse »Jagd und Hund«, in der sich noch bis Sonntag alles um waidmännische Themen dreht, ist Zentrum der Anbieter für Trophäenreisen in ferne Länder. Was hier an Dutzenden Ständen angepriesen wird, ließe so manchen Großwildjäger-Traum wahr werden - und Tierliebhaber mitunter schaudern. 

Um das Für und Wider der Jagd auf Wild in Afrika und anderswo tobt ein unversöhnlicher Deutungskampf - alljährlich befeuert durch den Protest von Tierschützern anlässlich der Dortmunder Jagdmesse. Die Jägerschaft und all jene, die von den Auslandsreisen profitieren, halten dagegen. Beide Seiten reklamieren dabei für sich, sich für Artenschutz einzusetzen. Wie komplex die Lage ist, unterstreicht ein Blick auf die unterschiedlichen Standpunkte der Länder auf dem afrikanischen Kontinent. 

Einen Wasserbüffel gibt es für 10.000 Euro

»Elefant, Löwe, Leopard, Büffel oder Prärie-Wild - Sie sagen uns, was Sie schießen wollen, wir haben ein Paket für Sie«, wirbt die freundliche Mitarbeiterin eines Reiseanbieters aus Simbabwe. Rund 20.000 Euro koste der 15-tägige Aufenthalt in einem Jagdcamp, für den Abschuss eines Elefanten kommen umgerechnet noch einmal knapp 14.000 Euro dazu. Von dem Geld profitiere die lokale Gemeinschaft, betont sie. 

Preislisten anderer Anbieter zeigen: Während Meerkatzen und Paviane für zweistellige Abschusssummen eher ein Schnäppchen sind, ist die Trophäe eines Wasserbüffels schon 10.000 Euro wert. Erlegte Giraffen werden auf rund 1500 Euro taxiert, die Helikopter-Jagd auf Warzenschweine gibt's für 1750 Euro pro Stunde - zehn erlegte Exemplare inklusive. 

Bei vielen dieser Angebote gehe es »allein ums Ballern und darum eine möglichst große Trophäe mit nach Hause zu nehmen«, kritisiert Mona Schweizer von der Artenschutzorganisation Pro Wildlife. »Schießen zum Spaß - das ist ethisch verwerflich, nicht nachhaltig und verstößt in Deutschland gegen das Tierschutzgesetz.« 

Tierschützer sehen ein echtes Artenschutzproblem

Pro Wildlife und andere Organisationen fordern seit Jahren ein Importverbot von Jagdtrophäen geschützter und bedrohter Arten nach Deutschland und machen Druck auf die Bundesumweltministerin, ihre Ankündigung, diese Praxis weiter einzuschränken, in die Tat umzusetzen. Trophäenjagd verursache nicht nur immenses Tierleid, sondern sei durch den Fokus auf die besonders imposanten Tiere mit großen Stoßzähnen, Hörnern oder Mähnen auch ein echtes Artenschutzproblem. 

»Wir brauchen diese Individuen, um die Populationen zu erhalten«, erklärt Schweizer. Dass die Dortmunder Messe derartige Angebote zulasse, sei untragbar. 

Es gehe alles nach Recht und Gesetz zu, betont die Messe. Exponate oder Dienstleistungen, die gegen nationale oder internationale Bestimmungen verstießen, seien ausgeschlossen, so ein Sprecher. Die Einhaltung aller Regeln prüfe man jedes Jahr aufs Neue mit Fachexperten - und trage so »zu einer nachhaltigen regulierten Jagd weltweit bei«. 

Der Jagdtourismus bringt Millionen-Einnahmen

Ob Wildtiere legal zur Zielscheibe von Trophäenjägern werden, hängt in Afrika manchmal buchstäblich von einer Flussüberquerung oder einer Weidewanderung über eine Ländergrenze ab: Kenia hat 1977 jegliche Art von Jagdtourismus verboten. Im Nachbarland Tansania preist die Nationalparksbehörde TAWA das Land als Ziel für Jagdtourismus mit den weltweit meisten Löwen und dem dritthöchsten Bestand an Elefanten. 

»Jagen ist Teil der Wildschutzstrategie Tansanias und Voraussetzung für ihren langfristigen Bestand«, heißt es. Laut Medienberichten wurden allein im Jahr 2022 durch den Jagdtourismus knapp 23 Millionen Euro Einnahmen erwirtschaftet. 

Bei Jägern, die auf den Spuren Hemingways durch Savanne und Busch pirschen wollen, sind auch Destinationen im südlichen Afrika beliebt, etwa Südafrika, Namibia und Simbabwe. Auf der Dortmunder Messe etwa präsentiert sich die Botswana Wildlilfe Producers Association. Ihre Vertreter wollen erklären, warum der Staat 2019 sein Jagdverbot aufgehoben hat: »Wildtiere sind eine Ressource, die man managen muss«, sagt Isaac Theophilus. 

So sei der Bestand an Elefanten so hoch, dass sie längst eine Bedrohung für Landwirtschaft und menschliches Leben darstellten. Die Auslandsjagd helfe dabei, die Überpopulation in den Griff zu bekommen und bringe gleichzeitig Einnahmen, die in den Erhalt der Lebensräume und den Naturschutz investiert werden könnten. 

Jagdverband: Schießen fördert den Artenschutz

Es sind dieselben Argumente, die auch der Deutsche Jagdverband (DJV) zur Verteidigung von Jagdreisen voranstellt: »Der Großteil des Geldes, das Jäger ausgeben, bleibt im Land«, sagt Stephan Wunderlich, Fachmann für Auslandsjagd beim DJV und beim Internationalen Rat zur Erhaltung der Jagd und des Wildes (CIC). Bleibe es aus, würde aus den heutigen Lebensräumen für Wildtiere rasch landwirtschaftliche Nutzfläche. 

So leiste das Schießen von Tieren einen Beitrag zum Artenschutz: Erst wenn das Wild einen Wert habe, - und den bekomme es durch zahlungskräftige Ausländer - sei es und seine Lebensräume für die lokale Bevölkerung schützenswert. 

Pragmatisch sieht es Christian Schmitt, Inhaber der Okambara Lodge in Namibia, die als reine Gästefarm begann, Jagdurlaube auf dem eigenen Terrain aber als zusätzliches Standbein versteht: »Für mich ist das eine Win-win-Situation«, sagt er. Er lasse nur auf Tiere schießen, deren Fleisch er zur Versorgung von Gästen und Mitarbeitern verwerten könne. 

So seien die fast zahmen Nashörner nicht zum Abschuss frei, wohl aber könne der zahlende Gast Giraffen erlegen. »Wir haben über 100 Giraffen, die kenne ich nicht persönlich«, sagt Schmitt. Durch die regulierte Auslandsjagd seien Bestände geschützter Arten jedenfalls nicht gefährdet, ist er überzeugt. Wilderei und eine Bevölkerung, die kein Interesse an einem hohen Wildbestand habe, seien ein viel größeres Problem.  

»Die Realität ist kein Disneyfilm«, so Jagdreisen-Fachmann Wunderlich. Tatsächlich konkurrierten Löwen, Büffel, Elefanten und Co. mit dem Menschen um Lebensraum und Nahrung. »In dieser Hinsicht ist der Elefant auch nur wie ein Wildschwein hier bei uns - nur mit dem Unterschied, dass Wildschweine keine Menschen tottrampeln«. 

© dpa-infocom, dpa:240131-99-818541/4