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Toronto: Mutmaßlicher Täter des zehnfachen Mordes angeklagt

Mit einem gemieteten Lieferwagen steuert in Kanada ein Mann auf einen Gehweg, mäht wahllos Passanten um. Zehn Menschen sterben. Später soll er die Polizei aufgefordert haben, ihn zu erschießen. Sein Motiv gibt Rätsel auf.

TORONTO. Der mutmaßliche Todesfahrer von Toronto ist des zehnfachen Mordes und des versuchten Mordes in 13 weiteren Fällen angeklagt worden. Das berichteten der kanadische TV-Sender CBC und andere Medien übereinstimmend aus dem Gericht am Dienstag.

Der mutmaßliche Täter Alek Minassian erschien dort in einer weißen Häftlingsuniform mit den Händen hinter dem Rücken, er zeigte Berichten zufolge wenig Emotionen. Der nächste Gerichtstermin soll in rund zwei Wochen stattfinden.

Minassian hatte am Montag mutmaßlich einen Lieferwagen in hoher Geschwindigkeit über Gehwege im Norden Torontos gesteuert und mehrere Fußgänger erfasst. Zehn Menschen starben, 15 weitere wurden verletzt.

Zu Motiven oder einem möglichen terroristischen Hintergrund machten die Behörden zunächst keine Angaben. Alles sehe nach einer vorsätzlichen Tat aus, ermittelt werde in alle Richtungen, sagte Torontos Polizeichef Mark Saunders. Die Sender NBC und CTV berichteten unter Berufung auf Strafverfolger und Sicherheitskreise, der Täter sei vermutlich geistig verwirrt.

Die zuvor geltende mittlere Terrorwarnstufe in der kanadischen Millionenmetropole, wo bis Montag die Außenminister der G7-Staaten getagt hatten, bleibe unverändert, sagte Ralph Goodale, Minister für öffentliche Sicherheit. Für eine erhöhte Terrorgefahr gebe es keine Hinweise.

Mit 60 bis 70 Stundenkilometern hatte der weiße Mietwagen am Montag Fußgänger erfasst, als er um die Mittagszeit in der Geschäftsgegend im Bezirk North York von der Straße auf den Bürgersteig fuhr. Dabei wechselte er über rund 15 Straßenblocks hinweg immer wieder zwischen Straße und Gehweg.

Im Internet kursierte ein Video eines Augenzeugen, das Berichten zufolge die Festnahme des mutmaßlichen Täters zeigt. Darin ist zu sehen, wie ein Mann vor einer völlig demolierten Motorhaube eines weißen Lieferwagens steht und mit einem Gegenstand in Richtung eines Polizisten zielt. Dabei gestikuliert er, als würde er schießen und ruft »Töte mich!« sowie »Schieß mir in den Kopf!«. Mit gezückter Waffe nähert sich der Polizist langsam dem Angreifer und fordert ihn wiederholt auf, sich hinzulegen. Schüsse fallen in dem Video nicht. Die Polizei bestätigte zunächst nicht, dass Minassian in dem Video zu sehen sei.

Polizeichef Saunders lobte den Beamten, der Minassian überwältigt hatte. »Durch sein Training hat der Polizist fantastische Arbeit geleistet«, zitierte der US-Sender CNN Saunders. Bei der Festnahme habe der Polizist die Lage schnell begriffen und so eine »friedliche Lösung« erreicht. »Die Polizisten hier lernen, so wenig Gewalt wie möglich anzuwenden.« Saunders zufolge hatte der Angreifer keine Schusswaffe bei sich. Welchen Gegenstadt er bei seiner Festnahme in der Hand hielt, werde noch untersucht.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau äußerte sich entsetzt über den »schrecklichen Vorfall« und dankte den Rettern vor Ort. Bundesaußenminister Heiko Maas sprach den Überlebenden des »schrecklichen Verbrechens« sein Beileid aus - ebenso wie die US-Regierung.

Polizei Toronto auf Twitter

Video der Festnahme

CNN-Bericht

CTV-Bericht