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Juni-Hitze-Rekord für Deutschland gebrochen

Nie war es in Deutschland im Juni heißer: Im brandenburgischen Coschen an der deutsch-polnischen Grenze wurde heute der bisherige Juni-Rekord gebrochen, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach berichtete.

Sommer in Niedersachsen
Badegäste planschen bei sommerlichen Temperaturen im Freibad Ricklinger Bad in Hannover. Foto: Hauke-Christian Dittrich
Badegäste planschen bei sommerlichen Temperaturen im Freibad Ricklinger Bad in Hannover. Foto: Hauke-Christian Dittrich

OFFENBACH.  Um 14.50 Uhr wurden dort nach vorläufigen Angaben 38,6 Grad gemessen. Der bisherige Rekord für den Monat wurde am 27. und 28. Juni 1947 mit 38,5 Grad im baden-württembergischen Bühlertal aufgestellt.

Die Hitzewelle aus der Sahara erreichte damit ihren vorläufigen Höhepunkt. An Rhein, Main, Saar und Nahe sowie an der Unterelbe erwartete der Deutsche Wetterdienst bis zu 39 Grad. Damit werde der Allzeit-Temperaturrekord in Deutschland voraussichtlich nicht gefährdet, sagt Meteorologe Sebastian Schappert. Der liegt bei 40,3 Grad, aufgestellt in Kitzingen im August 2015. Aber »Ulla« lässt Deutschland trotzdem mächtig schwitzen.

Auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens beispielsweise strahlt die Hitze brutal vom Betonboden. »Da kann man noch mal zehn Grad zu den Thermometerwerten hinzurechnen«, sagt Udo Schuh, Stellenleiter des Abfertigungsbereichs. Schlapp gemacht hat bisher keiner der Kollegen, die unter Extrembedingungen Schwerstarbeit leisten. »Aber man merkt schon, dass die Leute einfach langsamer machen müssen.«

In Bad Doberan an der Ostsee verbog die Sommerhitze die Gleise einer Schmalspurbahn, die »Molli« stand stundenlang still. In Brandenburg stoppte die Polizei einen Mann, der nacht bis auf Helm und Sandalen mit dem Motorroller unterwegs war. Seine Reaktion, als er am Montag aus dem Verkehr gezogen wurde: »Et is halt warm, wa?« Der Mann musste seine Hose wieder anziehen, dann durfte er - bekleidet - den Fahrwind genießen.

Der hessische Landtag wiederum hatte ein Einsehen mit den Politikern und lockerte die Kleidungsvorschriften. Bedienstete und Abgeordnete durften statt Sakko oder Kostüm kurze Hose oder Sommerhemd tragen.

Die Hitze erhöhte auch die Waldbrandgefahr. In Sachsen etwa gilt laut Staatsbetrieb Sachsenforst teilweise die höchste Warnstufe 5. In der Lieberoser Heide in Brandenburg brennt es bereits auf 100 Hektar. Auch die Bäume leiden. Sie brauchen ihre Wasserreserven jetzt schneller auf, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bunds deutscher Baumschulen. Gerade Stadtbäume stünden bei dieser Hitze unter Stress.

Die extreme Hitze macht Obst- und Gemüsebauern ebenfalls das Leben schwer. Frisch gesetzte Pflanzen wie Salat müssten mehr gegossen werden, hieß es bei der der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, das bedeute Zusatzkosten. Zudem bestehe das Risiko einer »Überernte«. Die Bauern in Sachsen-Anhalt fahren sogar bereits die ersten Feldfrüchte ein. Früher als gewöhnlich habe auf den Äckern die Ernte von Gerste, Raps, Weizen und Roggen begonnen, teilte der Landesbauernverband mit.

In anderen Ländern ist es nicht besser: In Frankreich warnen die Behörden in dieser Woche vor Temperaturen um die 40 Grad. Wegen hoher Ozonbelastung wurde der Autoverkehr im Großraum Paris eingeschränkt rund 60 Prozent aller Fahrzeuge sind von den Fahrverboten betroffen. In Spanien werden in einigen Landesteilen am Wochenende bis zu 44 Grad erwartet. Auch die Urlauber den Balearen müssen bei Werten von rund 35 Grad schwitzen. Etwas angenehmer ist es auf den Kanaren und in Katalonien.

In Deutschland wird es am Donnerstag zumindest im Norden kühler, sagt der DWD. In Hamburg kühlt es auf knapp 30 Grad runter. Der Süden muss aber weiter schwitzen: Am Oberrhein bleibt es heiß bei 37 oder 38 Grad. Am Freitag geht's noch mal weiter runter. Aber am Samstag kommt schon die nächste Welle heißer Sahara-Luft zu uns. (dpa)

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