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Fugging statt Fucking: Neuer Ortsname soll Ruhe einkehren lassen

Namen sind Schall und Rauch - oder eben nicht. Ein kleiner Ort in Österreich ist ungewollt zur Selfie-Destination geworden. Jetzt soll ein Namenswechsel für Abhilfe sorgen. Im benachbarten Bayern ist man auch nicht gerade arm an kuriosen Namen.

Arbeiter bringen das neue Ortschild von Fugging an. Der Ort mit rund 100 Einwohnern, der wegen der Namensgleichheit mit den obszönen englischen Begriff »Fucking« immer wieder gestohlene Ortsschilder zu beklagen hatte, heißt ab dem 1. Januar 2021 Fugging. Foto: Manfred Fesl/apa/dpa
Arbeiter bringen das neue Ortschild von Fugging an. Der Ort mit rund 100 Einwohnern, der wegen der Namensgleichheit mit den obszönen englischen Begriff »Fucking« immer wieder gestohlene Ortsschilder zu beklagen hatte, heißt ab dem 1. Januar 2021 Fugging.
Foto: Manfred Fesl/apa/dpa

WIEN. Zu viel ist zu viel. Die Ortsschilder wurden geklaut, eigens angereiste Männer zeigten sich in eindeutigen Posen, der Ruf des Orts war angekratzt. Mit 1. Januar nennt sich Fucking nun Fugging und will so dem Spuk um den Ortsnamen, der einem obszönen englischen Begriff gleicht, ein Ende machen.

Die Bürgermeisterin der österreichischen Gemeinde Tarsdorf unweit der bayerischen Grenze, zu der Fugging mit seinen gerade einmal 100 Einwohnern gehört, ist vorsichtig optimistisch. »Die neuen Schilder stehen schon«, sagt Andrea Holzner. Auf einem Schild sei zwar bereits wieder von Unbekannten das »gg« mit »ck« übermalt worden, aber: »Hoffen wir mal, dass das ein Einzelfall bleibt.«

Das alte Fucking tauchte auf internationalen Listen lustiger Ortsnamen auf. Berichte erhöhten die Bekanntheit. Das Örtchen entwickelte sich zur beliebten Selfie-Destination. Und die »Fucking«-Schilder waren begehrt. Als Gegenmaßnahme wurden die Ortstafeln einbetoniert. Doch allen Bemühungen zum Trotz gingen die Diebstähle weiter. »Das war ein Ärgernis«, so Holzner.

Gerade in den vergangenen drei, vier Jahren habe die ungewollte Aufmerksamkeit ein sehr unerfreuliches Ausmaß angenommen, so die Bürgermeisterin. Viele hätten Fotos in sozialen Medien gepostet, in denen der an den Geschlechtsverkehr erinnernde Name bildlich umgesetzt worden sei. »Das hat die Grenzen des guten Geschmacks überschritten«, meint Holzner.

Eine Abwechslung von der üblichen Inanspruchnahme von Fucking war da eine Aktion von Klimaaktivisten. Die hielten ihre selbstgemalten Plakate neben das Ortsschild und kreierten dabei den Spruch: »Weil unser Klima Fucking wichtig ist.«

Die Initiative zum Ortsnamenswechsel sei von den Fuckingern ausgegangen, erinnert sich Holzner. Und die Wahl fiel auf eine Schreibweise, die in der Geschichte des Ortes schon vorkommt. Die letzten vier Fucking-Schilder für den Ortseingang und die vier für den Ortsausgang seien gut und sicher verstaut, sagt Holzner.

Und sie hat auch schon eine Idee, was damit passieren könnte. »Es gibt schon mehr als 200 Anfragen von Privatleuten oder auch Museen für die alten Ortsschilder.« Wenn einmal Zeit dafür sei, würden sie eventuell für einen guten Zweck versteigert. Ganz generell hat sie vor allem einen Wunsch zum Jahreswechsel: »Wir hoffen, dass nun Ruhe einkehrt.«

Die Namensänderung in Fucking hatte gleich hinter der Grenze in Bayern für Aufsehen gesorgt. Schließlich ist der Freistaat auch nicht gerade arm an zweideutigen Ortsnamen. Nur 15 Autominuten von Fucking entfernt liegt zum Beispiel schon Tittmoning. Ein Namenswechsel ist hier allerdings nicht geplant.

Ebenso wenig in Großdinghartding und Kleindinghartding oder auch in Petting - alles Orte in Oberbayern. Reinhard Melz, der Pettinger Kämmerer, erzählte der »Süddeutschen Zeitung« unlängst, dass Anfragen wegen des Ortsnamens in den vergangenen Jahren etwas weniger geworden seien. Woran das liegt, sagte er nicht. Dafür ist er ortskundig und verwies auf einen Ort in der Nähe: Penesöd. (dpa)