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Für Wahrsager und Hellseher war 2022 ein schwarzes Jahr

Weltuntergangsszenarien, Gefahren aus den Weiten des Weltraums oder riesige Tiere: Jahr für Jahr sehen Hellseher weltweit teils krude Ereignisse voraus. Auch dieses Jahr lagen sie oft falsch.

Schloss Neuschwanstein
Vorausgesagt wurde ein Feuer auf Schloss Neuschwanstein. Eingetroffen ist es nicht - glücklicherweise. Foto: Hans-Peter Merten
Vorausgesagt wurde ein Feuer auf Schloss Neuschwanstein. Eingetroffen ist es nicht - glücklicherweise.
Foto: Hans-Peter Merten

Roboter übernehmen die Macht, der russische Präsident Wladimir Putin zieht sich aus der Politik zurück und es gibt Überfälle von Zombies.

Auf Schloss Neuschwanstein bricht ein Feuer aus, King Kong taucht in Costa Rica auf und die Trumps lassen sich nun doch scheiden. Für Wahrsager und Hellseher war auch 2022 nach einer Auswertung der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) im südhessischen Roßdorf ein schwarzes Jahr. Die alljährliche Auswertung esoterischer Zukunftsprognosen habe auch in diesem Jahr wenig Greifbares, manche Absurdität und keine wirklich überraschenden Treffer ergeben.

Keine wirklich spektakulären Treffer

Auf den Riesenaffen werde seit Jahren getippt. »Der ist immer dabei«, sagt der Mainzer Mathematiker Michael Kunkel, der seit 21 Jahren die teils kruden Prognosen von Astrologen, Wahrsagern und Hellsehern auswertet. Wirklich spektakuläre Treffer seien nicht dabei gewesen, auch wenn zum Beispiel Russlands Angriff auf die Ukraine und auch der Tod der britischen Queen prognostiziert worden seien. Der Angriffskrieg sei angesichts des Truppenaufmarsches schon vorher diskutiert worden. Der Tod von Elizabeth II. sei seit Jahren unter den Vorhersagen gewesen. »Irgendwann passiert es halt.«

Eine Belagerung von Paris, ein Massensterben in Indien, Riesenkaninchen, die eine Stadt angreifen seien ebenso vorhergesagt worden wie das Ende der Rolling Stones und der Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un.

Auch aus fiktiven Geschichten wie der Zeichentrickserie »Die Simpsons« seien für 2022 Ereignisse prognostiziert worden. »Die Machtübernahme von Robotern, ein Zombieüberfall oder gar ein Asteroidenabsturz - diese Katastrophenprognosen dürfte nicht mal der Autor dieser Pseudovorhersagen selbst ernst nehmen.«

»Katastrophenseher und Weltuntergangspropheten waren sehr aktiv«

Kinkel zufolge waren in diesem Jahr auch wieder die Corona-Pandemie und auch die Inflation Thema. Bei der Pandemie seien die Aussagen aber recht vage geblieben und die Inflation sei absehbar gewesen. Zu den eindeutigen Klassikern der Zunft gehören Vorhersagen zu Umwelt- und Naturkatastrophen, bevorstehenden Kriegen bis zum baldigen Ende der Welt. »Auch 2022 waren die Katastrophenseher und Weltuntergangspropheten wieder sehr aktiv«, heißt es bei der GWUP.

Erdbeben, Vulkanausbrüche, Terroranschläge, alles habe es auch 2022 gegeben. Ein kanadisches Medium habe bei Erdbeben diese gleich für mehr als 150 Orte vorausgesagt. Darunter seien fast alle amerikanischen Bundesstaaten, Dänemark, die Ukraine, Großbritannien und auch viele Gebiete, die regelmäßig betroffen sind.

Niemand hat vorausgesagt, dass Boris Becker hinter Gittern landet

Die Auswertung geschehe nach zwei Prinzipien. Sie werde, soweit möglich, wörtlich genommen und es werde berücksichtigt, wie wahrscheinlich das Eintreffen ist. Ein besonderes Ereignis wäre etwas gewesen, was so nicht zu erwarten war, wie zum Beispiel, als der Papst 2013 seinen Amtsverzicht bekanntgab. Das sei damals von niemandem vorhergesagt worden, werde seitdem aber gerne prognostiziert. Für 2022 habe etwa niemand vorhergesagt, dass Ex-Tennisstar Boris Becker zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird.

Der frühere Vorsitzende des Deutschen Astrologenverbandes, Klemens Ludwig, hatte die pauschale Kritik der GWUP in den vergangenen Jahren kritisiert und als nicht differenziert bezeichnet. »Da ist unsere Einstellung auch dieses Jahr nicht anders«, sagt der zweite Vorsitzende des Verbandes, Wolfgang Steven.

Ludwig selbst hatte im vergangenen Jahr schärfere Spannungen zwischen den USA und China vorhergesagt bis hin zum »Säbelrasseln«. Und tatsächlich verschärfte sich die Situation nach einem Besuch der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, auf Taiwan. Nach Angaben des Astrologenverbandes starb Ludwig vor wenigen Tagen.

Der GWUP zufolge wurden 2022 weit über 200 Texte aus Büchern, von Websites, aus Blogs oder Presseartikeln ausgewertet, von denen ein nicht geringer Teil anonym veröffentlicht worden sei. Es waren aber auch Vorhersagen von seit Jahren bekannten Vielprognostikern.

© dpa-infocom, dpa:221227-99-24267/3