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Einigung mit Beigeschmack: Andrew entgeht Prozess

Prinz Andrew hat wohl tief in die Tasche gegriffen, um einen vermutlich extrem unangenehmen Missbrauchsprozess zu verhindern. Doch seine Reputation scheint dahin - und aufatmen können eher Andere.

Prinz Andrew
Prinz Andrew hat sich in der Missbrauchsklage im Grundsatz auf einen Vergleich geeinigt. Foto: Steve Parsons/Pool PA/AP/dpa
Prinz Andrew hat sich in der Missbrauchsklage im Grundsatz auf einen Vergleich geeinigt. Foto: Steve Parsons/Pool PA/AP/dpa

New York (dpa) - Ein Vergleich im Missbrauchsskandal um Prinz Andrew erspart dem Royal einen Prozess - doch selbst ohne unangenehme Details und offizielles Schuldeingeständnis hat die Einigung für Viele einen bitteren Beigeschmack.

»Dies ist im Wesentlichen ein Eingeständnis, dass etwas passiert ist«, beurteilte der Rechtsexperte und ehemalige US-Bundesanwalt Neama Rahmani den Fall. Es wirke nun so, als sei der Royal über Jahre nicht aufrichtig gewesen, als er kategorisch geleugnet hatte, Virginia Giuffre überhaupt zu kennen. Der Vergleich könnte den 61-Jährigen nach Meinung von Rahmani Millionen, vielleicht sogar eine achtstellige Summe, gekostet haben.

Giuffre hatte dem zweitältesten Sohn von Queen Elizabeth II. vorgeworfen, sie vor gut 20 Jahren als Minderjährige mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Sie sei vom US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein und dessen Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell dazu gezwungen worden. Andrew weist die Vorwürfe strikt zurück.

»Große Erleichterung« für Royal Family

Das britische Königshaus könnte angesichts der Einigung einer Expertin zufolge dagegen aufatmen: Autorin Penny Junor bezeichnete den Deal als »große Erleichterung« für die Royal Family. »Vor Gericht zu ziehen, hätte sehr, sehr hässlich werden können«, sagte Junor der Nachrichtenagentur PA. »Das hätte dem Platinjubiläum der Queen wirklich seinen Glanz nehmen können.« Der Palast selbst wollte die neuen Entwicklungen nicht kommentieren.

Groß war in Kreisen der Royals die Sorge, der Skandal könne die Feierlichkeiten zum 70-jährigen Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. (95) in diesem Jahr überschatten. Ein Prozess in New York hätte voraussichtlich im Herbst begonnen und riesige mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Der Palast hatte sich vom zweitältesten Sohn der Queen distanziert, indem er ihm alle militärischen Dienstgrade und Schirmherrschaften entzog.

Giuffre: Zum Missbrauch an Prinz Andrew vermittelt

Als Teil der Einigung verpflichtete Andrew sich nach Gerichtsdokumenten nun unter anderem dazu, Giuffres Wohltätigkeitsorganisation für Opfer von Gewalt zu unterstützen. »Prinz Andrew hatte nie die Absicht, Frau Giuffre zu verleumden, und er akzeptiert, dass sie sowohl als Opfer von Missbrauch als auch als Folge unfairer öffentlicher Angriffe gelitten hat«, hieß es. Auch auf Andrews früheren Freund wird direkt Bezug genommen: »Prinz Andrew bedauert seine Verbindung mit (Jeffrey) Epstein und lobt den Mut von Frau Giuffre und anderen Überlebenden, sich für sich selbst und andere einzusetzen.«

Giuffre gibt an, Opfer eines von dem US-Multimillionär Jeffrey Epstein und seiner Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell aufgebauten Missbrauchsrings geworden zu sein. Nach eigenen Angaben wurde sie dabei zum Missbrauch an den Royal vermittelt. Die mit Andrew viele Jahre befreundete Maxwell war erst vor kurzem schuldig gesprochen worden. Epstein nahm sich 2019 in Untersuchungshaft das Leben. Es blieb bis zuletzt unklar, ob die New Yorker Staatsanwaltschaft auch gegen Andrew ermittelte, um Informationen für einen Strafprozess zu sammeln.

© dpa-infocom, dpa:220215-99-142303/10