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Amazon will Internetsatelliten alle sieben Jahre austauschen

Strahlung, Temperaturschwankungen: Technik im All muss extreme Bedingungen aushalten. Das verkürzt ihre Lebensdauer. Deswegen will Amazon seine neuen Internetsatelliten regelmäßig austauschen.

Amazons Internet-Satelliten
Amazon demonstriert Prototypen von Antennen seines geplanten Dienstes Kuiper zur Internet-Versorgung aus dem All. Foto: Andrej Sokolow/DPA
Amazon demonstriert Prototypen von Antennen seines geplanten Dienstes Kuiper zur Internet-Versorgung aus dem All.
Foto: Andrej Sokolow/DPA

Amazon stellt sich darauf ein, die mehr als 3200 Satelliten in seinem Weltraum-Internet-Projekt Kuiper alle sieben Jahre komplett auszutauschen. Eine längere Lebensdauer sei nicht möglich angesichts der extremen Bedingungen im All, sagte Kuiper-Produktchef Naveen Kachroo der Deutschen Presse-Agentur.

Zum einen sei der Grund die Strahlung, der die Technik ungeschützt ausgesetzt ist. Zum anderen die ständigen extremen Temperaturschwankungen: Alle 90 Minuten heizen sich die Satelliten unter den Sonnenstrahlen im Wechsel erst stark auf und kühlen dann rapide ab. »Das tut keiner Elektronik gut.« Amazon sieht in dem regelmäßigen Austausch der relativ günstigen Satelliten aber auch die Chance, das Netzwerk mit neueren Technologien zu verbessern. Die ausgedienten Satelliten sollen beim Eintritt in die Atmosphäre komplett verbrennen.

Amazon will im kommenden Jahr erste Testkunden mit Internet aus dem All versorgen. Zum Jahr 2026 soll dann die Hälfte der 3236 Satelliten in der Umlaufbahn sein. Kuiper wird unter anderem mit dem bereits aktiven ähnlichen Dienst Starlink des Raumfahrt-Konzerns SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk konkurrieren.

Amazon will abgelegene Gebiete mit Internet versorgen

Die günstigsten Versionen der Empfangsterminals für das Signal der Kuiper-Satelliten sollen dank der Entwicklung eigener Chips weniger als 400 Dollar kosten. Mit der Zeit werde der Preis weiter sinken, sagte Kachroo. Als Geschäft sieht Amazon dabei etwa die Versorgung von Gebieten, in denen sich die Verlegung von Glasfaser-Kabeln nicht lohnt.

Kachroo zeigte sich aber auch überzeugt, dass mit Verfügbarkeit des Netzwerks neue Nutzungsszenarien entstehen, »die uns heute gar nicht in den Sinn kommen können«. So habe etwa der Krieg in der Ukraine die Sicht auf Telekommunikation verändert. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs wurden klassische Mobilfunk-Dienste schnell gekappt, die Internet-Versorgung über Starlink funktionierte aber weiter. Und solche Systeme seien auch schwer außer Gefecht zu setzen, betonte Kachroo.

Der Amazon-Manager sieht keine Gefahr, dass die neuen Konstellationen aus tausenden Satelliten das All rund um die Erde verstopfen. Die Satelliten seien winzig und tausende Kilometer voneinander entfernt, auch wenn es auf Bildern wie ein dichtes Netz wirke. »Den Leuten ist oft nicht bewusst, wie groß die Erde und das All drumherum sind. Es ist viel Raum im Weltraum.«

© dpa-infocom, dpa:230716-99-420828/3