Das Wahlergebnis war nicht überwältigend und ganz offensichtlich stimmten nicht alle Abgeordneten der konservativ-liberalen Parteien für ihren Kandidaten - den Einzigen übrigens, der zur Wahl stand. Dafür mussten wohl einige Barroso-Gegner plötzliche Sympathie für ihn entdeckt haben.
Tatsächlich war Barroso in den zurückliegenden fünf Jahren eher unauffällig geblieben. Er hat die Europäische Union verwaltet, statt als Impuls- und Ideengeber zu fungieren und der EU nach innen wie außen Konturen zu verleihen. Auf diese Art wiederum ist es ihm andererseits gelungen, gravierende Fehler zu vermeiden.
2004 war er ein Verlegenheitskandidat, mit dem heftiger Streit zwischen den EU-Mitgliedsstaaten vermieden wurde. Daran hat sich nicht viel geändert. Barroso gilt als Chamäleon, das sich intuitiv Situationen anpasst. Vielleicht ist es aber gerade dieses fehlende Charisma und großes taktisches Geschick hinter den Kulissen, mit denen er den »Hühnerhaufen« von 27 EU-Mitgliedern in den vergangenen fünf Jahren beispielsweise in Sachen Klimaschutz und in der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Kurs bringen und halten konnte.
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