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To-Do-Liste des DFB: Bewerbung, Nachwuchskonzept, Personal

Personelle Konsequenzen hat es beim DFB nach dem WM-Desaster nicht gegeben. Löw und Bierhoff haben einen Weltmeister-Bonus und erhalten Rückendeckung aus der Liga. Auch Präsident Grindel hat zumindest bis zur EM-Vergabe nichts zu befürchten. Es warten aber viele Aufgaben.

Bundestrainer
Joachim Löw bekam trotz des WM-Desasters Rückendeckung. Foto: Arne Dedert
Joachim Löw bekam trotz des WM-Desasters Rückendeckung. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - Beim Gipfeltreffen des deutschen Fußballs kam es zum großen Schulterschluss von Frankfurt.

Deutscher Fußball-Bund (DFB) und Deutsche Fußball Liga (DFL) demonstrierten Geschlossenheit und gaben Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff große Rückendeckung. Nun beginnt bei der Krisenbewältigung die Arbeit, die To-Do-Liste ist lang.

NACHWUCHS- UND TRAINERAUSBILDUNG: Der Nachwuchsbereich bereitet den Verantwortlichen zunehmend Sorgen. Die U19 war in diesem Jahr für die EM gar nicht qualifiziert, für die U17 war bei der kontinentalen Endrunde bereits in der Vorrunde Endstation. Und auch die U20 wusste im vergangenen Jahr bei der WM nicht zu überzeugen, als bereits im Achtelfinale gegen Sambia das Aus kam. Offensichtlich ist Deutschland in der Nachwuchs- und Trainerausbildung stehen geblieben. »Wir brauchen wieder echte Spezialisten auf manchen Positionen«, mahnte Löw. Nur: Fehler in der Nachwuchsarbeit können kaum als Grund für das peinliche WM-Aus herhalten.

EM-BEWERBUNG: Bereits am 27. September wird im schweizerischen Nyon über die Vergabe der EM 2024 entscheiden. Favorit Deutschland konkurriert mit der Türkei um den Zuschlag. Um das sogenannte Leuchtturm-Projekt nicht zu gefährden, kann sich Fußball-Deutschland eine Personaldiskussion um den viel kritisierten Präsidenten Reinhard Grindel nicht erlauben. Zumindest bis zur EM-Entscheidung hat Grindel, dem in der Causa Mesut Özil Versagen vorgeworfen wird, keine allzu großen Querschüsse aus der Liga zu befürchten. Damit die Bewerbung nicht schief geht, setzt der DFB auf den Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm als Gesicht der Kampagne. Sollte am Ende trotzdem der DFB leer ausgehen, dürfte Grindel keine großen Chancen mehr auf eine Wiederwahl 2019 haben.

IMAGE: Grindel will den Begriff »Die Mannschaft« auf den Prüfstand stellen, weil er an der Basis doch als sehr künstlich empfunden werde. Es steht auch ein wenig für die Entfremdung der Nationalmannschaft von den Fans. Dass es im WM-Trainingslager in Südtirol keine öffentliche Einheit gab, empfindet Bayern-Boss Uli Hoeneß »als Hammer«. Auch die erhöhten Ticketpreise kamen bei den Fans nicht gut an. Grindel nutzt die populistische Diskussion über übertriebene Vermarktung oder mangelhafte Kommunikation sicher auch, um eigene Pluspunkte zu sammeln. Gleichzeitig stellt er sich aber gegen Oliver Bierhoff, dessen Vertrag er vor der WM bis 2024 verlängert hat.

GÜNDOGAN-CAUSA: Ungeachtet des Rücktritts von Özil ist Ilkay Gündogan, der sich ebenfalls mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan ablichten ließ, weiter Teil der Nationalmannschaft. Im Vorfeld der WM war er deswegen von den eigenen Fans ausgepfiffen worden. Derartige Anfeindungen kann der DFB beim nächsten Länderspiel gerade im Hinblick auf die EM-Vergabe kaum gebrauchen, würde die Rassismus-Debatte doch wieder hochkochen.

STRUKTUREN: Die Proficlubs, insbesondere Branchenprimus Bayern München, machen Druck und fordern professionelle Strukturen innerhalb des DFB. Das hört man beim gemeinnützigen DFB mit seinem riesigen Amateurlager und den ehrenamtlichen Entscheidungsträgern nicht so gern. Es ist der alte Konflikt: Schon nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach Ende 2015 wurde Reinhard Grindel ohne Rücksprache mit dem Profibereich zum DFB-Präsident gewählt. Nun könnte die Liga größeren Einfluss erhalten.

SUPERMINISTER: In 14 Jahren hat sich Bierhoff beim DFB eine große Macht aufgebaut, ist zu einer Art Superminister geworden. Nach dem WM-Aus rückte der Manager plötzlich in die Kritik. Vorgesehen ist, dass er ein wenig entlastet wird, wie durch die Verpflichtung eines Leiters der DFB-Akademie. Auf die Nähe zur Mannschaft dürfte Bierhoff kaum verzichten wollen. Das ist auch Löw trotz der Differenzen über das WM-Quartier wichtig. Das Duo ist in der Krise längst wieder zusammengerückt.

SPORTDIREKTOR: Um die Sportkompetenz zu steigern, steht die Verpflichtung eines Sportdirektors ganz oben auf der Agenda. Wer es werden soll, ist noch völlig unklar. Aber interessant war, dass beim Gipfeltreffen am Dienstag auch Ex-Sportdirektor Matthias Sammer mit am Tisch saß. Dabei hat der Europameister von 1996 eigentlich gar keinen hauptamtlichen Job in der Liga, bei Borussia Dortmund übt er nur eine beratende Tätigkeit aus.

DFB-Mitteilung zu Treffen in Frankfurt