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Aktuell Länderspiel

Neustart noch kein Wendepunkt

Experimente des Bundestrainers fruchten nur in der zweiten Halbzeit. Ausgleich durch Goretzka

Torschütze Leon Goretzka (links) und Joshua Kimmich mussten sich mit einem 1:1 zufriedengeben. FOTO: DPA
Torschütze Leon Goretzka (links) und Joshua Kimmich mussten sich mit einem 1:1 zufriedengeben. FOTO: DPA
Torschütze Leon Goretzka (links) und Joshua Kimmich mussten sich mit einem 1:1 zufriedengeben. FOTO: DPA

WOLFSBURG. Bundestrainer Joachim Löw zeigte in Wolfsburg experimentellen Reformwillen, der Versuch, alles anders und neu zu machen, ging aber nicht auf. Der viermalige Weltmeister musste beim Neustart in der mit 26 101 Zuschauern ausverkauften Volkswagen-Arena gegen eine ersatzgeschwächte serbische Formation mit einem 1:1 (0:1) zufrieden sein. Am Sonntag geht es in Amsterdam gegen die Niederlande, das erste Spiel der Qualifikation zur EM 2020 gegen einen renommierten Gegner wird zur Mammutaufgabe. Die Führung des Frankfurters Luka Jovic in der 12. Minute glich Leon Goretzka in der 69. Minute aus. Die Kritik an Joachim Löw wird nicht leiser werden.

»Es war zu wenig, wenn man sieht, wie viele Torchancen wir hatten. Da muss man mehr draus machen«, äußerte sich Torschütze Goretzka bei RTL kritisch. »Gegen Holland braucht man keine Extra-Motivation.« Löw analysierte wie folgt: »Es war schade, dass wir so früh in Rückstand geraten sind. Man hat gemerkt, dass die Automatismen in der ersten Halbzeit nicht so funktioniert haben. In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft ein sehr gutes Signal ausgesendet. Am Ende fehlte die Konsequenz im Abschluss. Mit der Mentalität der Mannschaft und dem Druck in der zweiten Halbzeit war ich zufrieden.«

»Es war zu wenig, wenn man sieht, wie viele Torchancen wir hatten«

Die Dinge hatten sich schon vorher nicht unbedingt optimal gestaltet. Den Bundestrainer hat das aber nicht weiter beeindruckt. Kommunikationsprobleme lastete man ihm an, aber Löw hat alles so gemacht, wie er das mit »meinem Herz und meinem Kopf« vereinbaren konnte, wie er im Interview mit unserer Zeitung sagte. Dass in Wolfsburg von so manchem Werbeplakat noch Thomas Müller grinste, nicht das Problem. Die Neuen müssen es nun richten. Unabhängig davon, ob sie es gut gefunden haben, wie Löw die Ex-Weltmeister Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller aus der Nationalmannschaft entfernt hat. Aber mit dem Personal von Wolfsburg wird es nicht funktionieren, Löws Vorgänger Jürgen    Klinsmann als RTL-Experte sah wenig Positives.

Mit neuem Bus des neuen Sponsors Volkswagen in die Wolfsburger Arena, mit neuem Schwung, aber ohne eine erkennbare neue Struktur. Und dabei musste Nationaltrainer Mladen Kristajic, in der Bundesliga stand er bei Bremen und Schalke als Profi unter Vertrag, in Wolfsburg auf Alexander Mitrovic vom FC Fulham, Kapitän Alexander Kolanow von AS Rom, Nemanja Matic von Manchester United und Dusan Tadic von Ajax Amsterdam verzichten. Zu allem Überfluss zog sich der Ex-Stuttgarter Filip Kostic im Spiel von Eintracht Frankfurt gegen Nürnberg noch eine Oberschenkelverletzung zu. Dafür stand aber Frankfurts Luka Jovic in der Startformation der Serben. Löw unterstellte der serbischen Mannschaft den Stil der Niederländer, Luka Jovic köpfte völlig frei stehend das Führungstor, Adem Ljajic musste vor der Halbzeit das zweite Tor machen, scheiterte aber frei stehend.

Die Innenverteidigung mit Jonathan Tah und Niklas Süle war schon die erste Überraschung, die Außenpositionen mit den Debütanten Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg neu besetzt. Dass Joshua Kimmich bei Löw im defensiven Mittelfeld spielt, ist klar. Im offensiven Mittelfeld mühten sich Ilkay Gündogan und Kai Havertz, allein die offensive Reihe mit Julian Brandt, Timo Werner und Leroy Sané war erwartet worden. Wie auch Manuel Neuer im Tor. Löw, der am Vormittag in der Betriebsversammlung von VW zur Belegschaft sprach, entschied sich für ein 4-3-3, also taktisch keine Umstellung, lediglich das Personal war eine Überraschung. Diese Formation wird aber sicher nicht die sein, die gegen die Niederlande am Sonntag in Amsterdam spielen wird.

Und was die neue Mannschaft im ersten Durchgang zeigte, ist international zu wenig. Viel Kurzpassspiel, aber keine entscheidenden Pässe in die Offensivzentrale. Timo Werner vergab die größten Chancen zum Ausgleich in der 22. und 37. Minute. Ein Pfeifkonzert war die Folge. Löw reagierte und brachte Marco Reus für den wirkungslosen Kai Havertz, Marc André ter Stegen kam für Neuer. Danach auch noch Goretzka für den enttäuschenden Julian Brandt. Das Spiel des Weltmeisters von Rio de Janeiro wurde druckvoller, die Chancen nahmen sprunghaft zu, aber selbst die größten wurden zum Teil dilettantisch vergeben.

Reus scheiterte an dem überragenden Torwart Markio Dimitrovic (59.), fünf Minuten später Sané, kurz darauf Gündogan. Erst in der 69. Minute gelang Goretzka auf Zuspiel von Marco Reus der Ausgleich. Danach blieben weitere Chancen von Sané, der sich sichtlich bemühte und an jedem deutschen Angriff beteiligt war, ohne Torerfolg (73./77). Serbiens Milan Pavkov sah in der Nachspielzeit für ein rüdes Foul an Sané noch die Rote Karte. Wolfsburg war noch nicht der erhoffte Wendepunkt, es wird schwer gegen die Niederlande, Joachim Löw steht weiter unter erheblichem Druck. (GEA)

Spielstatistik

Spielstatistik

Deutschland – Serbien           1:1 (0:1)

Deutschland:

Neuer (46. ter Stegen) – Klostermann (90. Kehrer), Tah, Süle, Halstenberg – Kimmich, Gündogan – Brandt (56. Goretzka), Havertz (46. Reus), Sané (90.+6 Werner.

Serbien:

Dmitrovic – Rukavina, Spajic, Milenkovic, Bogosavac (79. Stefan Mitrovic) – Milinkovic-Savic (62. Lukic), Maksimovic (88. Jovicic), Gacinovic (62. Radonjic) – Ljajic, Jovic (70. Pavkov), Lazovic (79. Stefan Mitrovic)

Tore:

0:1 Jovic (12.), 1:1 Goretzka (69.) –

Schiedsrichter:

Madden (Schottland) –

Zuschauer:

26 101 (ausverkauft) –

Rote Karte:

Pavkov (90.+3)