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Im Namen des Vaters: Mick Schumacher als Erbe des Hypes

Michael Schumachers Sohn beflügelt die Fantasien der Motorsport-Fans. Der 19 Jahre alte Mick ist auf dem besten Weg in die Formel 1. Die nächste Karrierestufe bringt ihn dieses Jahr schon ganz nah an die Königsklasse - und dürfte den Hype noch verstärken.

Mick Schumacher
Startet 2019 in der Formel 2: Mick Schumacher. Foto: Kamran Jebreili/AP
Startet 2019 in der Formel 2: Mick Schumacher. Foto: Kamran Jebreili/AP

BERLIN. Auf seiner Fahrt in Richtung Formel 1 nimmt Mick Schumacher das Erbe seines Vaters immer mit. Wenn zum 50. Geburtstag von Michael Schumacher am Donnerstag wieder viel über den Rekordweltmeister geschrieben und gesendet wird, ist auch oft vom nächsten PS-Talent der Familie die Rede.

Mit dem Aufstieg in die Formel 2 in diesem Jahr wird Mick Schumacher mehr denn je im Licht der Scheinwerfer stehen, immer gemessen an den Wegmarken seines Papas. »Ich bin froh, wenn man mich mit meinem Vater vergleicht. Er ist mein Idol, er ist der, zu dem ich aufschaue«, sagt der 19-Jährige und lächelt dieses so typische Schumacher-Lächeln.

Das Aussehen, der Gang, der Klang seiner Stimme - viele fühlen sich an den großen Michael erinnert, wenn sie Schumacher junior begegnen. Auch weil der Vater seit dem folgenschweren Skiunfall vor fünf Jahren aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, dient Mick inzwischen als neue Projektionsfläche für die ungebrochene Schumacher-Bewunderung. Jüngst in Hockenheim drängte ein Fan vor die TV-Kameras, der auf seinem Unterarm neben einem Ferrari-Logo eine angeblich alte Unterschrift von Michael und eine frische von Mick vorzeigte.

Der Filius nimmt den wachsenden Rummel zumindest äußerlich gelassen. »Das war immer so. Das ist normal für mich. Wenn du jemanden nimmst, der das nicht so gewohnt ist, und ihn in meine Position versetzt, wäre es vielleicht etwas anders. Ich hatte die Zeit, da reinzuwachsen. Das hat mir sehr geholfen«, sagt Mick Schumacher.

Dass er dem enormen Erwartungsdruck bislang gewachsen ist, bewies er spätestens mit seinem Triumph in der Formel-3-EM im vergangenen Jahr. In der neuen Saison fährt Schumacher in der Formel 2, die ihre Rennen im Rahmenprogramm der Formel 1 austrägt. Der mediale Hype um den nächsten »Schumi« dürfte damit vorerst noch größer werden.

Mick Schumacher aber scheint gefestigt, und weiß offenbar damit umzugehen. »Er ist ein ganz prächtiger junger Mann. Dass er so ausbalanciert ist, zeigt auch, wie die Familie das Ganze handhabt. Man findet bei Mick nicht mal einen Anflug von Arroganz oder übertriebenen Selbstbewusstseins«, lobt der einstige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur den Schumacher-Spross.

Haug weiß, wovon er redet. Der 66-Jährige hat Michael Schumacher vor rund 30 Jahren ein Stück auf seinem Weg in die Formel 1 begleitet. Als Rennfahrer war Schumacher damals ein Großtalent, abseits der Strecke aber eher zurückhaltend und bisweilen unbeholfen. Sohn Mick wirkt im Vergleich schon reifer und bestens vorbereitet auf die Nebenwirkungen seines großen Namens.

Ganz ähnlich wie sein Vater polierte Mick Schumacher sein Talent zunächst auf der Kartstrecke, damals noch unter dem Familiennamen seiner Mutter oder als »Mick Junior«, um der Aufmerksamkeit zu entgehen. Es folgte die übliche Rennfahrer-Leiter von der Formel 4 bis nun in die Formel 2. Neben der Piste beschützt von Managerin Sabine Kehm, die auch schon Vater Michael beriet, schrieb Mick 2018 eine dieser so typischen Sportgeschichten.

Ausgerechnet im belgischen Spa-Francorchamps, wo Michael Schumacher 1991 sein erstes Formel-1-Rennen bestritt und 1992 seinen ersten Grand Prix gewann, holte sich Mick seinen Premieren-Erfolg in der Formel 3. »Wenn es ein Hollywood-Streifen wäre, würde man es nicht glauben«, sagt Norbert Haug. Denn plötzlich gelang Mick Schumacher Sieg um Sieg, bis ihm in Hockenheim der EM-Titel sicher war. »Das macht man nicht, weil die Sonne in den Auspuff scheint, sondern weil man mit Gaspedal und Lenkrad gut umgehen kann«, meint Haug.

Seither stellen sich Fans und Vermarkter nicht mehr die Frage, ob es nach Michael und Bruder Ralf ein weiterer Schumacher in die Formel 1 schaffen wird, sondern eher, wann Mick in der Königsklasse anheuert. Ferrari und Mercedes haben bereits Interesse erkennen lassen. »Er hat großes Talent, wie es auch sein Vater hatte«, sagt Mercedes-Superstar Lewis Hamilton, der gerade seinen fünften WM-Titel holte und nun sogar die größten Rekorde von Michael Schumacher jagt.

Hamilton wird am 7. Januar 34, er plant noch mindestens zwei weitere Jahre im Silberpfeil und könnte Mick Schumacher durchaus noch auf der Rennstrecke begegnen. Die dafür notwendige Superlizenz hat der Nachwuchspilot durch seinen EM-Triumph schon in der Tasche. Bevor er sich aber in die Formel 1 wagt, wolle er »zu 100 Prozent bereit dafür sein«, versichert Mick Schumacher.

Nico Rosberg, ein anderer Weltmeister-Sohn, hat diesen Weg schon hinter sich. Lange kämpfte der gebürtige Wiesbadener dagegen, nur immer als der Spross des einstigen Champions Keke Rosberg wahrgenommen zu werden. »Es ist schon schwierig, wenn ganz Deutschland auf ihn schaut. Es ist wichtig für ihn, dass er nicht die Freude am Fahren verliert«, sagt Nico Rosberg über Mick Schumacher.

Elf Jahre hat Rosberg in der Formel 1 Anlauf genommen, ehe er wie sein Papa die WM gewann. Danach trat er umgehend zurück, mit gerade einmal 31. Vater und Sohn als Formel-1-Weltmeister, das hatten zuvor nur die Briten Graham und Damon Hill geschafft. Es wäre der märchenhafte Traum vieler PS-Fans, sollte Mick Schumacher diesem exklusiven Club in einigen Jahren beitreten. (dpa)

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