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Aktuell WM 2018

Frankreich krönt sich zum Fußball-Weltmeister

Frankreich ist Nachfolger von Deutschland als Fußball-Weltmeister. Im Finale von Moskau bezwingt die Équipe Tricolore Kroatien mit 4:2. Eigentor-Premiere, umstrittener Videobeweis und ein Torwart-Lapsus machen das Endspiel zu einer denkwürdigen Partie der WM-Historie.

Weltmeister
Frankreich ist Weltmeister! Foto: Martin Meissner
Frankreich ist Weltmeister! Foto: Martin Meissner

Moskau (dpa) - Frankreichs neue Fußball-Helden haben in einem verrückten Finale die Grande Nation 20 Jahre nach dem Heimtriumph zum zweiten WM-Titel geschossen.

Angeführt von Matchwinner Antoine Griezmann feierte die Équipe Tricolore im torreichsten Endspiel seit 1966 am Sonntag einen 4:2 (2:1)-Triumph im Finale der Weltmeisterschaft in Russland gegen den Überraschungsfinalisten Kroatien.

Unhaltbar
Unhaltbar für Torwart Danijel Subasic. Foto: Thanassis Stavrakis
Unhaltbar für Torwart Danijel Subasic. Foto: Thanassis Stavrakis

Ein Eigentor von Ex-Bundesliga-Star Mario Mandžukić (18. Minute), Griezmann per Handelfmeter (38.), Paul Pogba (59.) und Kylian Mbappé (65.) vor 78 011 Zuschauern im ausverkauften Moskauer Luschniki-Stadion stürzten die Millionen Fans in der Heimat endgültig in den ultimativen Party-Rausch von den Champs-Élysées bis an die Côte d'Azur.

1:0
Vom Kopf des Kroaten Mario Mandzukic fällt der Ball ins Tor. Foto: Thanassis Stavrakis
Vom Kopf des Kroaten Mario Mandzukic fällt der Ball ins Tor. Foto: Thanassis Stavrakis

Kroatien konnte seinem Ruf als Comeback-Team nach mehrmaligem Rückstand nicht gerecht werden. Ivan Perišić (28.) erzielte den Ausgleich zum 1:1. Das 2:4 durch Mandžukić (69.) nach einem schweren Patzer von Frankreich-Torwart Hugo Lloris konnte keinen furiosen Schlussspurt mehr auslösen. Der zweite WM-Platz ist für Kroatien dennoch der größte Fußball-Erfolg nach dem dritten Platz vor 20 Jahren.

Jubel
1:0 für Frankreich nach 18. Minuten. Foto: Cezaro De Luca
1:0 für Frankreich nach 18. Minuten. Foto: Cezaro De Luca

Frankreichs Trainer Didier Deschamps setzte sich mit dem Titel ein weiteres Denkmal: 1998 hatte er den Pokal als Kapitän entgegen genommen. Der 49-Jährige ist nach Franz Beckenbauer und Mario Zagallo der dritte Fußballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde.

1:1
Mit einem fulminanten Linksschuss erzielte Ivan Perisic in der 28. Minute den 1:1-Ausgleich. Foto: Thanassis Stavrakis
Mit einem fulminanten Linksschuss erzielte Ivan Perisic in der 28. Minute den 1:1-Ausgleich. Foto: Thanassis Stavrakis

Wenige Minuten vor dem Anpfiff gab es noch einmal eine kurze Erinnerung an deutschen Titelglanz. Philipp Lahm - WM-Kapitän der 2014-Champions - brachte mit dem russischen Model Natalja Wodjanowa den Goldpokal ins Stadion. Dann gehörte die größte aller Fußball-Bühnen den aktuellen Finalisten.

Besser
Die Kroaten haben insgesamt mehr vom Spiel und auch die besseren Chancen. Foto: Cezaro De Luca
Die Kroaten haben insgesamt mehr vom Spiel und auch die besseren Chancen. Foto: Cezaro De Luca

Die favorisierten Franzosen hatten überraschend Mühe, ins Spiel zu kommen und leisteten sich riskante Tändeleien vor dem eigenen Strafraum. Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart - neben dem Kroaten Ante Rebic von Eintracht Frankfurt einer von zwei Bundesliga-Profis in den Startformationen - hatte mit Perišić auf der rechten Außenbahn große Mühe.

Videobeweis
Schiedsrichter Nestor Pitana entschied nach Studium der Bilder auf Handspiel von Kroatiens Ivan Perisic im Strafraum. Foto: Cezaro De Luca
Schiedsrichter Nestor Pitana entschied nach Studium der Bilder auf Handspiel von Kroatiens Ivan Perisic im Strafraum. Foto: Cezaro De Luca

Ein von Griezmann geschickt herausgeholter Freistoß war die erste viel versprechende Offensivaktion der Blauen. Erst in der Superzeitlupe war eindeutig zu sehen, dass der Franzose abhob, bevor Marcelo Brozović ihn am Bein traf. Und Mandžukić wurde zum Pechvogel. Griezmanns Freistoß berührte er mit dem Scheitel minimal, die Flugkurve veränderte sich entscheidend. Etwas ungläubig nahm der ehemalige Bayern-Stürmer sein Eigentor, das erste in einem WM-Finale, zur Kenntnis.

2:1
Antoine Griezmann verwandelte den Elfmeter in der 38. Minute zur erneuten französischen Führung. Foto: Christian Charisius
Antoine Griezmann verwandelte den Elfmeter in der 38. Minute zur erneuten französischen Führung. Foto: Christian Charisius

In allen K.o.-Spielen waren die Kroaten in Rückstand geraten - und wieder gelang ihnen der Ausgleich. Perišić drehte sich geschickt um N’Golo Kanté und schoss ein, bevor Pavard zur Rettung herbeieilen konnte. Mit nun insgesamt sieben Toren und vier Vorlagen bei großen Turnieren ist der frühere Dortmunder und Wolfsburger kroatischer Rekordmann.

Halbzeit
Frankreich geht mit einer 2:1-Führung in die Halbzeit. Foto: Matthias Schrader
Frankreich geht mit einer 2:1-Führung in die Halbzeit. Foto: Matthias Schrader

Die Kontroversen gingen weiter und gipfelten in der ersten Videobeweis-Entscheidung in einem WM-Finale. Das Handspiel von Perišić bewertete Referee Nestor Pitana erst nach langem Studium vor dem Bildschirm als strafstoßwürdig - debattiert wurde darüber in den sozialen Netzwerken intensiv. Griezmann ließ sich die Chance zu seinem vierten WM-Treffer nicht nehmen. Häufiger hat nur Just Fontaine mit seinen 13 Toren 1958 für die Équipe Tricolore bei einer WM getroffen.

3:1
Paul Pogba erhöht in der 60. Minute mit einem Linksschuss auf 3:1. Foto: Christian Charisius
Paul Pogba erhöht in der 60. Minute mit einem Linksschuss auf 3:1. Foto: Christian Charisius

Kroatien musste wieder seine Aufhol-Qualitäten zeigen. Ging das noch, nach drei K.o.-Partien inklusive Verlängerung? Rebic (48.) setzte mit einem wuchtigen Schuss ein erstes Signal. Lloris parierte souverän. Für die Franzosen öffneten sich jetzt Räume - wie gemacht für Mbappé. Der WM-Jungstar entwischte nach 52 Minuten erstmals Domagoj Vida, ließ sich im Strafraum trotz Gezerre nicht fallen, scheiterte aber an Kroatiens Schlussmann Danijel Subašić.

Macron
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (M) feiert ausgelassen das 3:1. Foto: Christian Charisius
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (M) feiert ausgelassen das 3:1. Foto: Christian Charisius

Wenige Minuten später machte der Torwart einen Schritt zu viel nach links. So konnte er Pogbas wuchtige Abnahme nicht mehr parieren. Wieder war es Griezmann gewesen, der das Tor entscheidend initiierte, diesmal per filigraner Jonglage als Ablage für Pogba.

4:1
10 Minuten später traf Kylian Mbappe zum 4:1. Die Entscheidung? Foto: Christian Charisius
10 Minuten später traf Kylian Mbappe zum 4:1. Die Entscheidung? Foto: Christian Charisius

Was hatte Kroatien jetzt noch zu bieten? Einen Zwei-Tore-Rückstand hatten sie bei ihrem WM-Erfolgszug noch nicht. Weltmeister wurde mit so einer Konstellation nur Deutschland 1954. Kurz darauf hatten sich alle rechnerischen Gedankenspiele ohnehin erledigt. Mbappé durfte unbedrängt aus etwa 18 Metern abziehen. Der 19-Jährige ist nun der zweitjüngste Torschütze in einem WM-Finale nach Pelé 1958.

2:4
Nach einem Fehler von Torwart Hugo Lloris verkürzt Mandzukic auf 2:4. Foto: Cezaro De Luca
Nach einem Fehler von Torwart Hugo Lloris verkürzt Mandzukic auf 2:4. Foto: Cezaro De Luca

Dann leistete sich Lloris einen fatalen Aussetzer. Beim Versuch, den Ball um Mandžukić zu spielen, ließ der Kroate einfach den Fuß stehen - nur noch 2:4. Für den großen Endspurt brachte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic den Hoffenheimer Andrej Kramarić für Rebic. Bei den Franzosen sollte Corentin Tolisso den Vorsprung mitverteidigen. Ivan Rakitic (78.) setzte einen Schuss knapp neben das Tor. Die Wende gelang dem Außenseiter nicht mehr. Die blau-weiß-rote Party konnte beginnen.

Schlusspfiff
Grenzenloser Jubel nach dem Schlusspfiff. Frankreich ist Fußball-Weltmeister. Foto: Owen Humphreys
Grenzenloser Jubel nach dem Schlusspfiff. Frankreich ist Fußball-Weltmeister. Foto: Owen Humphreys