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Metzinger Handballerinnen kommen mit blauem Auge davon

Die Metzinger Bundesliga-Handballerinnen liegen gegen Zwickau schon mit fünf Toren zurück, ehe sie das Ruder herumwerfen und in einem Krimi noch knapp gewinnen

Zwölf Würfe, elf Tore: TuS-Linksaußen Dagmara Nocun (Bild) macht wie Jana Scheib ein starkes Spiel.
Zwölf Würfe, elf Tore: TuS-Linksaußen Dagmara Nocun (Bild) macht wie Jana Scheib ein starkes Spiel. Foto: Eibner-Pressefoto
Zwölf Würfe, elf Tore: TuS-Linksaußen Dagmara Nocun (Bild) macht wie Jana Scheib ein starkes Spiel.
Foto: Eibner-Pressefoto

METZINGEN. Die Erleichterung bei den Metzinger Bundesliga-Handballerinnen und der Jubel bei den TuS-Fans waren gleichermaßen groß. Haarscharf hatte die TuS gegen den um den Klassenerhalt kämpfenden BSV Sachsen Zwickau eine Heim-Pleite vermieden. Fünf Tore lagen die »TusSies« bereits zurück, ehe das Team zu kämpfen begann und prompt die Wende schaffte. »Die Fans haben uns gepusht. Ohne sie hätten wir es nicht geschafft«, sagte Rückraumspielerin Jana Scheib nach dem mit 37:36 (16:18) gewonnenen Krimi.

Durch den Sieg haben sich die Gastgeberinnen vom siebten auf den sechsten Tabellenplatz verbessert. Aber das war in diesem Moment zweitrangig. Viel wichtiger erscheint, dass das Team mit Blick auf die Pokal-Endrunde in drei Wochen selbst erlebt und bewerkstelligt hat, was wirklich elementar für den sportlichen Erfolg ist: Zu kämpfen und Leidenschaft zu entwickeln. Eigentlich eine Binsenweisheit. »Davon lebt dieser Verein und dieser Sport: Emotionen zu zeigen«, sagte Geschäftsführer Ferenc Rott.

Lakatos wirft Tor um Tor

Bis es soweit war, vergingen fast 40 Minuten. Nicht die Metzingerinnen, bei denen die erkrankten Julia Behnke und Rebecca Rott fehlten, spielten als Gastgeber mit Selbstvertrauen, sondern der Gegner aus Sachsen. Den Zwickauerinnen, die jeden Punkt im Kampf gegen den Abstieg brauchen, war der Wille anzumerken, in der Öschhalle vor 1.012 Zuschauern die Punkte mitzunehmen. Die TuS-Offensive machte ihren Job, doch die Defensive agierte viel zu passiv und zu langsam und wurde ein ums andere Mal von BSV-Spielmacherin Rita Lakatos mit Eins-zu-Eins-Aktionen ausgehebelt. »Wir wussten genau, dass sie so spielt, haben sie aber nicht stoppen können«, monierte Scheib. Hinzu kam, dass Marie Weiss und die ihr TuS-Debüt gebende Anita Polackova zunächst kaum einen Ball hielten.

»Wir haben ihnen aber auch nicht geholfen«, sagte Torjägerin Dagmara Nocun selbstkritisch. Abwehr und Torhüterinnen hätten sich gegenseitig verunsichert, kommentierte Scheib diese Phase. Dass die Linkshänderin an Stelle von Maren Weigel nicht in der Startformation stand, nachdem sie in Bietigheim acht Treffer erzielt hatte, erstaunte. Trainer Werner Bösch begründete diese Maßnahme damit, dass Maren »mehr in der Deckung kommuniziert. Wir haben geglaubt, dass wir dadurch mehr Stabilität haben.«

Nach der Pause springt der Funke über

Mehr Kompaktheit, Zweikampfstärke und konsequentes Attackieren zeichneten das Metzinger Abwehrspiel aber erst nach der Pause aus - als nach einigen harten Aktionen in der Verteidigung Emotionen ins Spiel kamen. Bösch: »Dann kam der Zusammenhalt und der Funke ist übergesprungen.« Inzwischen waren Scheib, Sabrina Tröster und Viktoria Woth eingewechselt, auch Verena Oßwald sorgte nun zusammen mit Svenja Hübner, Nocun und Weiss für mehr Stabilität. So wurde aus einem 19:24-Rückstand (36.) nach einem 6:0-Lauf ein 25:24 (43.) - die erste Metzinger Führung überhaupt an diesem Abend.

Zwickau fiel es nun schwerer, zu Toren zu kommen. Doch insbesondere über Kreisläuferin Laura Szabo blieben die Gäste dran. Mehrfach zog die TuS, bei der Nocun und Scheib zusammen 20 Tore und damit mehr als die Hälfte derTreffer erzielten, auf drei Tore davon (29:26/35:32). Das war noch keine Entscheidung. In der 59. Minute lag das Bösch-Team 36:35 vorn. Erst als Scheib 40 Sekunden vor der Schluss-Sirene ihren dritten Siebenmeter zum 37:35 verwandelte, stand der Sieg fest. »Das war heute ein hartes Stück Arbeit. Hauptsache ist, dass wir am Ende mit zwei Punkten dastehen«, atmete Hübner auf. »37 Tore sind perfekt«, freute sich Nocun. Ohne eine Leistungssteigerung in der Abwehr hätte das aber auch nicht zum Sieg gereicht. (GEA)