TÜBINGEN. Es ist das letzte Heimspiel in dieser Saison in der Basketball-Bundesliga (BBL). Oder: The last dance für die Tigers Tübingen, der letzte Tanz für den Aufsteiger aus der Neckarstadt. Wenn man im Marketing-Sprech des Streamingdienstleister Netflix in Anlehnung an die gleichnamige Dokumentation über NBA-Legende Michael Jordan bleiben möchte. Das Team von Tigers-Headcoach Danny Jansson trifft am Donnerstag in der Paul-Horn-Arena auf die Hamburg Towers (17 Uhr, Dyn). Bleibt es für die Tübinger auf unbestimmte Zeit auch erst einmal die letzte Partie in der BBL vor heimischem Publikum? Das ist die Frage aller Fragen.
- Die Ausgangslage:
Wenn es blöd läuft, dann könnten die Tigers völlig unabhängig vom Ausgang des Spiels gegen Hamburg bereits am Mittwochabend als Absteiger feststehen. Das wäre der Fall, wenn der Tabellen-16. aus Heidelberg seine Partie gegen den Überraschungsvierten in Würzburg gewinnen sollte. Abgestiegen wären die Tübinger selbst bei einer Niederlage der Heidelberger und einem gleichzeitigen Sieg von Crailsheim in Rostock. Denn dann hätten die Hohenlohener acht Siege und damit genauso viele wie Heidelberg auf dem Konto stehen. Zwar könnten die Tübinger (sechs Erfolge) ebenfalls noch auf diese Siegeszahl kommen. Dann käme es jedoch zu einem Dreier-Vergleich, bei dem die Raubkatzen das Nachsehen hätten. Damit das Jansson-Team auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielt, müssen beide verbleibenden Spiele gewonnen werden und Heidelberg sowie Crailsheim, die am letzten Spieltag auf Top-Team Alba Berlin treffen, jeweils ihre Duelle verlieren. Dann hätten die Tigers zum Abschluss am Sonntag ausgerechnet in Heidelberg, die das Hinspiel im Oktober in Tübingen mit 94:84 gewonnen hatten, wieder alles in der eigenen Hand. In diesem Fall bräuchte es allerdings einen Sieg mit mindestens elf Punkten, um den direkten Vergleich auf seine Seite zu ziehen und doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.
- Das Hinspiel:
Als »another one of those games«, bezeichnet Trainer Jansson das Hinspiel beider Mannschaften. Übersetzt: Die 86:94-Niederlage war ein typisches Spiel der Tigers in dieser Saison. »Wir haben im Grunde das ganze Spiel dominiert, dann geht irgendetwas ein bisschen schief und alles läuft aus dem Ruder«, erklärt der Finne mit Blick auf das Duell im Dezember, in dem seine Mannschaft Mitte des dritten Viertels komfortabel mit 13 Punkten in Führung lag. Nur um dann wieder einmal den Faden im Spiel zu verlieren, nachdem man über einen Großteil der Partie alles andere wie ein Schlusslicht und potenzieller Absteiger ausgesehen hatte.
- Die aktuelle Situation:
"Es ist frustrierend", berichtet der Finne, "verlieren ist sehr hart". Es sei klar gewesen, dass man nicht jedes Spiel gewinnen könne. "Doch wenn die Niederlagen kommen, dann geht es darum, wie man damit umgeht." Und da müsse man jetzt im Rückblick sagen, meint der Coach, dass man einiges besser hätte machen können. "Angefangen bei mir, dem Team, dem ganzen Club und von so ziemlich jedem. Wir haben angefangen, die Realität ein bisschen aus den Augen zu verlieren." Egal wie frustrierend die Situation: Man müsse sich hinsetzen und überlegen, was konkret passiert sei. Und zwar auf rationale Art und Weise. "Irrational ist, wenn man sagt: "Wir müssen dies tun, wir müssen das ändern und das alles ist Blödsinn. Doch ich denke, dass genau das bei so ziemlich jedem passiert ist. Bei mir angefangen", meint Jansson und betont abschließend: "Doch darüber sollten wir nach den nächsten beiden Partien in Ruhe sprechen. Jetzt sollte es darum gehen, was die Hamburger gut machen und wie wir gegen sie am Donnerstag bestehen und etwas holen können."
- Das sagt Kapitän Gianni Otto:
»Natürlich verspüre ich auch auf dieses Spiel Vorfreude«, betont der 28-Jährige, der sich dieses Amt mit Till Jönke teilt. Jedes letzte Heimspiel einer jeden Saison sei für ihn immer etwas besonderes. »Natürlich sind die neun Niederlagen absolut beschissen und erdrückend. Aber soll ich jetzt aufhören und alles hinschmeißen? Wir können und dürfen nicht in diesen Teufelskreis reinrutschen, sondern müssen auch den größeren Kontext sehen: Es ist nur ein Ballspiel«, sagt Otto, für den das Glas prinzipiell immer »halb voll ist«. Wie es für ihn ist, dass die Tigers praktisch von jedem bereits abgeschrieben sind? »Das ist doch eigentlich gut für uns, wenn der Fokus weniger auf uns gelegt ist. So aber können wir noch jeden ganz groß überraschen.« (GEA)

