Im Volksbank-Stadion am Bornheimer Hang zeigte sein Team zwei unterschiedliche Gesichter. In den ersten 45 Minuten konnte von einem SSV-Angriff keine Rede sein, nach dem Seitenwechsel aber erspielten sich die Gäste vier hochkarätige Chancen, so dass der Punktgewinn hochverdient war. »Wir müssen froh sein, dass wir nach dem Rückstand noch ein 1:1 erreicht haben«, atmete Kapitän Sascha Boller auf.
Beim SSV übernahm Neuzugang Thomas Mayer, dessen Freigabe rechtzeitig vorlag, die Linksverteidiger-Position. Der Ex-Burghausener kam schwer ins Spiel, weil sein Gegenspieler kein Geringerer als der pfeilschnelle Marcel Heller war. Der gehört dem Bundesliga-Kader der Eintracht an. Gleiches gilt für den nicht weniger antrittsschnellen Ümit Korkmaz sowie Faton Toski, so dass die Gastgeber ihre zweite Mannschaft mit drei brandgefährlichen, Erstliga erfahrenen Akteuren verstärkten.
0:1 nach Fehler von Rill
Die kombinationssicheren Hessen zeigten anfangs schonungslos die Schwäche der Reutlinger auf. Und die hieß: Große Anfälligkeit bei schnellen Eintracht-Angriffen. Dem Rückstand ging ein Fehler von Andreas Rill voraus, der etwa 30 Meter vor dem eigenen Tor den Ball verlor. Heller stürmte mit dem Leder nach vorn, passte nach innen, wo der völlig freistehende Faton Toski zum 1:0 für die Gastgeber traf (17.).»Das Tor nehme ich auf meine Kappe«, sagte Rill unumwunden. Kurz darauf hätte Toski auf 2:0 erhöhen können, doch SSV-Schlussmann Tobias Linse verhinderte größeres Ungemach (27.). Auf der Gegenseite ging das SSV-Offensivspiel zunächst viel ungenauer vonstatten, das Spiel ohne Ball fehlte ebenso wie das Durchsetzungsvermögen im Angriff. Es war bezeichnend, dass sich die Nullfünfer erst in der 45. Minute ihren ersten Eckball erkämpften und bis zur Pause keine einzige Torchance hatten. Seitz: »Bis dahin waren wir harmlos.«
Nach dem Seitenwechsel legte der SSV jedoch einen Zahn zu und ging entschlossener und druckvoller zu Werke. Zunächst erspielte man sich Gelegenheiten aus der zweiten Reihe: Alban Meha schoss von der Strafraumgrenze knapp am langen Eck vorbei (58.), drei Minuten später zwang ein Freistoß des Albaners aus 22 Metern Frankfurts Torhüter Markus Kolke zu einer Glanzparade.
Dann folgte eine Flanke von Boller auf Makarenko, der vorbei köpfte (62.). Der SSV hatte nun deutlich mehr vom Spiel - und Pech, als Blessin ein Zuspiel von Fabian Kurth an die Unterkante der Latte wuchtete (66.).
Jetzt lag der Ausgleich förmlich in der Luft. Und er fiel acht Minuten später: Meha schlug einen Freistoß von der rechten Strafraumgrenze scharf nach innen und der kurz zuvor eingewechselte Tucci köpfte das Leder in die Maschen (74.). In der Schlussphase verhinderte Linse gegen Thomas Gentner (86.) und Marcel Heller (88.) eine Niederlage. »Der SSV hat in dieser Halbzeit individuelle Klasse gezeigt«, sagte Eintracht-Coach Frank Leicht anerkennend. (GEA)
