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Nach Spielabbruch: Türkspor Dettingen und Spielertrainer beenden Zusammenarbeit

Nachdem der Spielertrainer von Ermstal Türkspor Dettingen einem Gegenspieler des FC Reutlingen eine Kopfnuss vepasst hatte, einigten sich der Verein und er sich darauf, die Zusammenarbeit zu beenden. Dem GEA hat der Ex-Coach erklärt, wie es zu seinem Ausraster kommen konnte.

Ein Fußball liegt auf dem Rasen.
Ein Fußball liegt auf dem Rasen. Foto: Andreas Gora/dpa
Ein Fußball liegt auf dem Rasen.
Foto: Andreas Gora/dpa

DETTINGEN. Das abgebrochene Fußballspiel in der Kreisliga B zwischen dem FC Reutlingen und Ermstal Türkspor Dettingen zieht einen Tag später Konsequenzen nach sich. Der Spielertrainer von Türkspor, der am Sonntag einem Gegenspieler eine Kopfnuss verpasst hatte, hat sich am Montagnachmittag in einer Telefonkonferenz mit dem Vereinsvorstand und dem Staffelleiter darauf geeinigt, von seinem Posten zurückzutreten.

Am Abend nach dem Spiel hatte der Club bereits eine Krisensitzung im Vereinsheim einberufen. »Ich habe angeboten, alles hinzuwerfen«, sagt der ehemalige Spielertrainer im Gespräch mit dem GEA. Aber der Vorstand habe abgelehnt. »Die Befürchtung war, dass der Kader ohne mich auseinanderfallen könnte.« Viele seien hauptsächlich wegen ihm gekommen. Zunächst sei deshalb eine vereinsinterne Geldstrafe angedacht gewesen, und ihn mindestens in der Vorrunde als Spieler zu sperren.

Ex-Spielertrainer von Türkspor Dettingen will sich noch persönlich entschuldigen

»Ich kann mir diese Sache nicht verzeihen«, sagt der Dettinger Ex-Trainer reumütig. »Was passiert ist, hätte mir nie passieren dürfen. Es tut mir sehr leid.« Beim Spieler des FC Reutlingen, dem er eine Kopfnuss verpasst hatte, und auch beim gegnerischen Trainer will er sich noch persönlich entschuldigen. »Ich bin eigentlich als ruhiger Typ bekannt«, sagt der Übeltäter. Aber wie konnte es dann so weit kommen?

Für den Erklärungsversuch holt der Dettinger weit aus. In der Winterpause der Saison 2021/22 hat er als Spielertrainer bei den Ermstälern angefangen – nachdem sein Vorgänger einen Spielabbruch provoziert hatte. Es war nicht das erste Mal, dass der Club derlei Negativ-Schlagzeilen gemacht hatte. »Wir sind gebrandmarkt und wollten unser Image verändern. Genau dafür wurde ich geholt, dass so etwas nicht noch einmal passiert.« Bei jeder Mannschaftssitzung sei gepredigt worden: Das Abschneiden in der Fairplay-Tabelle zählt mehr als die sportlichen Ergebnisse.

Dennoch ging es sportlich bergauf. In der Saison-Endabrechnung landete Türkspor auf Platz drei. Es war zu vernehmen, dass die Spieler längst nicht mehr so aggressiv auftreten würden wie teilweise zuvor. Im Sommer wurde der Kader weiter umgebaut. »Wir haben speziell auf den Charakter der Zugänge geachtet.« Die Verantwortlichen wähnten sich auf einem guten Weg – bis zum zweiten Spieltag. »Dass ausgerechnet mir das passiert, ist das Dümmste, was hätte passieren können«, sagt der ehemalige Spielertrainer. Er sollte doch das Vorbild sein. »Ich will meine Schandtat gar nicht kleinreden. Aber damit es so eskalieren kann, gehören immer zwei Seiten dazu.«

Lobende Worte für die Verantwortlichen des FC Reutlingen

15 Minuten vor Schluss habe ein Gegenspieler versucht, einen Foulelfmeter zu schinden. »Ich habe ihm freundlich gesagt, dass er das bleiben lassen sollte.« Als der FC-Spieler wenig später erneut auf dem Boden lag, ging es bereits weniger freundlich zu. »Als ich bei ihm war, ist er hochgesprungen und hat mich an den Ohren festgehalten. Ich habe ihn dann am Hals gepackt, aber nicht gewürgt.« Dann kam sein »Blackout-Moment«: Er verpasste seinem Gegner eine Kopfnuss. Nachdem er vom Schiedsrichter dafür die Rote Karte gesehen hat, kam es zur Rudelbildung, Zuschauer stürmten auf den Platz. »Es kam aber zu keiner Schlägerei«, stellte der Verursacher klar.

»Für mich ist völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar, wie ein Spielertrainer einen gegnerischen Spieler an der Gurgel packen kann«, sagte FC-Abteilungsleiter Dirk Weiß in einer Stellungnahme an den GEA. Mehr wolle man zum jetzigen Zeitpunkt nicht mitteilen. Der ehemalige Dettinger Spielertrainer lobte das deeskalierende Verhalten der FC-Verantwortlichen. Die Reutlinger Spieler wurden auf dem Platz versammelt, während die Türkspor-Kicker zum Umziehen ins Vereinsheim geschickt wurden. »Ich bin direkt in mein Auto gestiegen und nach Hause gefahren. Ich habe zu diesem Zeitpunkt realisiert, was ich getan hatte und mich zutiefst geschämt.« (GEA)