REUTLINGEN. Sie wurden angeschossen, kamen krank oder völlig fettleibig in die Obhut des Tierheims Reutlingen, oder waren so verhaltensgestört, dass sie als unvermittelbar galten. Der GEA hat ihr weiteres Schicksal verfolgt.
Herr von Bödefeld, dickster Kater Reutlingens

Er hatte zwar bereits einen »Adelstitel«, doch kurz nach seiner Aufnahme ins Tierheim bekam er noch einen weiteren Titel verpasst, der wenig schmeichelhaft war: Herr von Bödefeld wurde zum dicksten Kater Reutlingens ernannt. Frühere Besitzer hatten dem Tier den Namen Herr von Bödefeld gegeben, in Anlehnung an eine Figur aus der Sesamstraße. Als das Team des Reutlinger Tierheims ihn auf die Waage setzten, zeigte diese satte 14,55 Kilo an. Normal wären bei seiner Größe etwa sechs Kilo. Schnell war »Bödi« also der dickste Kater Reutlingens.
Das war eindeutig zu fett und machte dem Tier auch gravierende Probleme. So konnte der Kater nicht mehr seine eigene Fellpflege betreiben und musste immer von der Tierheim-Katzenexpertin Antje Maulick gebürstet und geputzt werden. Sie setzte den schwarz-weißen Brummer kurzerhand auf Spezialdiät. Als der GEA ihn im Tierheim zuletzt besuchte, brachte er immer noch knapp 13 Kilo auf die Waage.
Mittlerweile hat Herr von Bödefeld ein neues Zuhause bei einer liebevollen Familie in Ofterdingen. Dort fühlt er sich offensichtlich wohl. Nach GEA-Informationen hat er auch weiter abgespeckt, aber noch nicht sein Idealgewicht erreicht. Von den neuen Besitzern kam die Information: »Als er zu uns kam, hatte er 12,8 Kilo, mittlerweile nur noch 10,5. Ziel ist unter 10 Kilo.« Das ist immer noch zu viel, aber das Tier kommt offenbar damit gut zurecht. Mittlerweile er sogar bei der Mäusejagd erfolgreich, was dafür spricht, dass es dem »adligen Herrn« gut geht. Aus der Familie heißt es, er habe sich vom reinen Hauskater zum Freigänger entwickelt: »Er traut sich nicht wirklich aus dem Garten, folgt einem aber auf das Nachbargrundstück zu unseren Hühnern.«
Sid, der angeschossene Kater

Sein Schicksal bewegte die GEA-Leser. Schließlich wurde Kater Sid in Pliezhausen-Gniebel von einem Unbekannten mit einem Luftgewehr angeschossen. Das Projektil, ein sogenannter Diabolo, traf ihn wenige Millimeter über einem Auge. Er drohte zu erblinden. Die Kugel musste bei einer Operation entfernt werden. Die Besitzerin informierte Polizei und Tierheim über den Vorfall.
Mittlerweile geht es ihm deutlich besser. Seine Besitzerin berichtet, dass sich sein Auge wieder fast vollständig erholt habe und auch wieder klar sei: »Wie gut er inzwischen damit sieht, weiß ich natürlich nicht«, berichtet »Katzenmutter« Pia Ambacher. Doch Sid habe sich seit dem Schuss auf ihn verändert. Er sei sehr schreckhaft: »Egal ob es ein Geräusch oder eine schnelle Bewegung von uns ist, da zuckt er sofort zusammen und macht einen Satz nach hinten. So war er vorher nicht«, schreibt sie. Sids Katzenmutter scheint aber äußerst erleichtert, dass er den Schuss überlebt hat und sich weiter auf dem Weg der Besserung befindet.
Waldi, der kleine Kater mit den trüben Augen

Was mit dem kleinen Kater Waldi geschehen war, bezeichnete das Team vom Tierheim im Nachinein als Wunder. Was war passiert? Das kleine schwarze Katzenkind hatte in der Obhut des Tierheims völlig trübe und graue Augen. Selbst eine extra herbei gerufene Tierärztin konnte das Phänomen nicht medizinisch erklären und auch nicht beseitigen. Es schien so, als könnte der kleine Kerl nicht richtig sehen. Doch weit gefehlt: Er konnte, und trollte mit seinem Zwillingsbruder im Gehege des Tierheims herum, als habe er keine Probleme. Dennoch blickte das Team vom Tierheim eher sorgenvoll auf den kleinen Racker.
Schließlich konnte ein Zuhause für den kleinen Waldi gefunden werden. Die neuen Besitzer nahmen ihn trotz der Augentrübung zu sich. Dann passierte das Wunder: Dort wurden seine Augen wieder klar und sein Gesicht sah aus, wie das eines normalen kleinen schwarzen Katers.
Nala, die Neun-Kilo-Katze
Im April kam Nala ins Tierheim Reutlingen. Auch sie litt, wie Herr von Bödefeld unter extremer Fettleibigkeit. Das weibliche Tier brachte stolze neun Kilo auf die Waage. Auf jeden Fall viel zu viel. Im Fall von Nala kam hinzu, dass es sich im Vergleich zu ihrem Artgenossen Herr von Bödefeld, um ein kleineres Tier handelte. Im Verhältnis also durchaus vergleichbar mit dem, was Bödi auf den Rippen hatte. Gesundheitsgefahr durch Diabetes oder Arthrose bestand auch bei Nala. Antje Maulick entwickelte auch für sie einen Diätfutter- und Fitnessplan.
Wie es Nala heute geht, ist dem Tierheim unbekannt. Zwar hat sie ein neues Zuhause gefunden, doch trotz mehrfacher Nachfrage seitens des Tierheims, kam von den neuen Besitzern keine Rückmeldung darüber, wie es mit dem Schwergewicht aussieht und wie es um Nalas Gesundheit bestellt ist.
Denia, die traurige Hündin, die niemand wollte

Neun lange Jahre war Hündin Denia im Reutlinger Tierheim. Sie war im Alter von etwa elf Monaten von einer jungen Frau abgegeben worden, die sie aus Bulgarien nach Deutschland gebracht hatte. Doch Denia entsprach nicht dem, was Hundebesitzer von einem Hund erwarten. Sie wollte sich nicht streicheln, noch nicht einmal anfassen lassen. Auch Gassigehen war mit ihr nicht möglich. Kontakt mit Menschen war sie von klein an nicht gewohnt. Hunde-Expertin Nina Herzog befürchtete, dass sie ihr Leben lang im Tierheim bleiben würde.
Doch dann kam Steffi Keppler, die Denia zu sich nach Metzingen nahm. Sie ließ ihr Grundstück einzäunen und von einem Schreiner eine Hundehütte extra für die Hundedame bauen.
Mittlerweile lebt Denia auf einem großen Gelände zusammen mit ihren Artgenossen Hasia und Rhyznik sowie sieben Hühnern. Besitzerin Steffi Keppler schrieb dem Tierheim: »Nachdem Sie nun sieben Freundinnen in Form meiner Hühner mehr hat, sieht die Welt schon gleich noch ein bisschen besser aus. Die Hühner sind ja auch so mutig und unerschrocken.« Die gefiederten Freunde dienten ihr irgendwie als Vorbild. Die Ängstlichkeit gehe zurück, so Keppler. Denia habe sogar einen Lieblingsplatz im Hühnerstall. Die Hühner seien in der Zeit meist im großen Garten unterwegs.
Andere Tiere warten noch auf ein neues Zuhause
Das Team vom Tierheim kümmert sich weiter um dutzende Hunde, Katzen und Kleintiere, auch solche, die als schwer vermittelbar gelten. Aktuell warten beispielsweise die Hunde Roulis und Jambo am längsten auf neue Herrchen oder Frauchen.
Roulis, der Hund ohne Ohren

Roulis ist ein junger Hund, der 2021 geboren wurde. Zu ihm schreibt das Tierheim: »Roulis ist ein Hund, der schon Schlimmes mitgemacht haben muss. Wir wissen nicht, ob durch einen Unfall oder böswillig, ihm fehlen tatsächlich beide Ohren und die Haut auf dem Kopf.« Dennoch sei er ein lieber Hund, menschenfreundlich, lernfähig, konzentriert, geduldig und motiviert. Trotz seines Handicaps könne er gut hören. Für sucht das Tierheim neue Besitzer, die Erfahrungen im Umgang mit Hunden haben.
Tierheim-Dauergast Jambo

Der Rottweiler ist mittlerweile seit 2016 in der Obhut des Tierheims. Bislang waren Vermittlungsversuche erfolglos. Dabei scheint Jambo für geduldige Menschen ganz umgänglich zu sein: » Jambo zeigt sich fröhlich, sehr verspielt, gelehrig und gut erzogen. Er geht unheimlich gerne spazieren, fährt gut im Auto mit und kann problemlos alleine bleiben.« Dennoch gebe es Schwierigkeiten: »Er braucht sehr lange, um neue Menschen in seinen Freundeskreis aufzunehmen, es ist aber möglich.« Auch hier seien hundeerfahrene Menschen gefragt, so das Tierheim. (GEA)